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Ein Pate für zwei syrische Familien

Ketzin/Havel Ein Pate für zwei syrische Familien

Zwei syrische Familien, die in Ketzin/Havel leben, werden von dem Zachower Winfried Köhler betreut. Er ist auch einer der Köpfe der Willkommensinitiative. In den vergangenen Wochen hat er erfahren, dass nicht nur die Ketziner den Syrern helfen – sondern auch andersherum.

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„Gut für uns, gut für Deutschland“

Winfried Köhler (M.) mit Khaled Azouz, Baraa Azouz, Lara Moarrawi, Sherin Dada, Ahmad Moarrawi und Mohamad Moarrawi (v. l.).
 

Quelle: Jens Wegener

Ketzin/Havel.  Es gibt arabischen Kaffee und deutschen Kuchen bei Familie Moarrawi in Ketzin. In der gemütlichen Runde im Wohnzimmer haben alle vier Familienmitglieder Platz genommen, dazu die befreundete Familie Azouz, die Etzinerin Gisela Seiffert-Tomšic, die Deutsch-Nachhilfe gibt, und Winfried Köhler. Der 62-jährige Zachower ist nicht nur Pate für beide syrische Familien, sondern auch Mitbegründer der Ketziner Willkommensinitiative.

Noch während des Essens üben die Syrer ein wenig deutsch. Sie erzählen vom Krieg in ihrer Heimat, von ihrer Flucht aus dem heimischen Aleppo. Die begann für Vater Mohamad Moarrawi bereits 2013. Über Ägypten, die Türkei und Österreich sind er, seine Frau und die beiden Kinder gekommen, im August 2015 in Rathenow und schließlich in Ketzin gelandet. „Aus Aleppo bin ich wegen der Kinder weggegangen“, erzählt Mohamad und ergänzt: „Wir wollen in Frieden leben und gern hier arbeiten.“ Doch noch absolviert der Modedesigner und Schneider einen Deutschkurs in Potsdam, genauso wie Familie Azouz. Vater Khaled war in seiner Heimat Autolackierer. Er ärgert sich darüber, dass der internationale Führerschein in Deutschland nicht gilt. Aber für dieses Problem hat Pate Winfried Köhler auch schon eine Lösung im Kopf: „Es soll bald theoretische Prüfungsbögen in Arabisch geben. Ich werde mich mal bei hiesigen Fahrschulen umhören, wann das möglich ist und was die Prüfungen kosten.“

Der Zachower, der Bundeswehroffizier war und seit drei Jahren in Ruhestand ist, wurde durch die brennende Sporthalle 2015 in Nauen, die als Flüchtlingsunterkunft dienen sollte, aufmerksam. „Ich dachte, was muss Menschen bewegen, so etwas zu tun? Dann habe ich einen Vortrag über die Flüchtlingsbetreuung angehört und zu meiner Frau gesagt: Ich werde mich engagieren.“ Schnell war der Kontakt zur Stadt Ketzin hergestellt. In Ketzin und Paretz trafen sich in Arbeitsgruppen regelmäßig Leute, die den Flüchtlingen helfen wollten. Im November 2015 wurde die Willkommensinitiative Ketzin gegründet, gemeinsam mit Burkhard Severon übernahm Winfried Köhler die Führung. Als absehbar war, dass kein Asylbewerberheim in der Stadt eingerichtet wird, sondern nur einige wenige Familien kommen werden, wurde aus dem Kreis der etwa 80 Helfer ein Stammtisch mit 10 bis 20 Leuten, die sich regelmäßig am ersten Mittwoch im Monat um 18 Uhr in der Gaststätte „Am Markt“ treffen.

„Im September 2015 rief mich irgendwann der Bürgermeister an und sagte, dass die ersten Familien ankommen. Also mussten wir handeln“, erinnert sich Winfried Köhler. Das tat er, spannte seine Frau Waltraut gleich mit ein und übernahm die Patenschaft zuerst für die Moarrawis und später auch für Familie Azouz. Kleidung besorgen und Möbel für die Wohnung, Behördengänge mit den Syrern erledigen, Arztbesuche (das übernimmt sein Frau), Internetanschluss organisieren, zum Sprachunterricht anmelden: „Es gab Tage, an denen ich die Paten länger gesehen habe als meine Frau“, sagt Köhler. Die Verständigung klappt recht gut: mit Händen und mit Hilfe einer Übersetzer-App per Smartphone. Inzwischen können die Kinder schon sehr gut deutsch, auch die Erwachsenen verstehen sehr viel. „Winni ist die Nummer eins“, sagt Sherin Dada, Frau von Mohamad Moarrawi und drückt Winfried Köhler. „Er hat uns überall geholfen. Er ist ein Freund geworden.“

Als das Kaffeekränzchen schon fast zu Ende ist, meldet sich Rentnerin und ehrenamtliche Deutschlehrerin Gisela Seiffert-Tomšic zu Wort, die oft in den Familien zu Hause ist: „Es sind keineswegs nur allein die Flüchtlinge, die etwas bekommen. Ich bin es, die sehr viel von ihnen erhält: unter anderem das Gefühl, wichtig für jemanden zu sein.“ Winfried Köhler hat in den letzten Wochen erfahren, dass es Hilfe auch andersrum gibt. „Nach meiner Knieoperation und dem Schienbeinbruch meiner Frau haben beide syrischen Familien uns im Haushalt unterstützt.“

Von Jens Wegener

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