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Havelland Ein Praktikum beim Bürgermeister
Lokales Havelland Ein Praktikum beim Bürgermeister
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10:39 27.02.2017
Gute Zusammenarbeit: Mohammed Ibrahim Hasseini mit Ronald Seeger  Quelle: Kniebeler, Markus
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Rathenow

 Wenn man Mohammed Ibrahim Hasseini danach fragt, was er derzeit an seinem Leben am meisten schätzt, dann muss er nicht lange überlegen. „Sicherheit“, sagt der 29-jährige Afghane, der 2015 als Geflüchteter nach Rathenow kam. So kurz die Antwort ist, so viel sagt sie aus über das Leben, das Hasseini früher geführt hat.

Um diesen Leben zu beschreiben, wären viele Adjektive zutreffend – nur eines garantiert nicht: sicher. Schon, als Hasseini zwei Jahre alt war, flüchtete die Familie aus der Heimatstadt Kabul in das Nachbarland Iran, weil die Eltern wegen ihres Glaubens und ihrer ethnischen Zugehörigkeit Repressionen ausgesetzt waren. Dass Vater und Mutter nicht mehr leben, getötet durch die Taliban, erwähnt Hasseini nur kurz. Er kann nicht darüber sprechen.

Als sich um das Jahr 2000 die Situation in Afghanistan entspannte, kehrte Hasseini aus dem iranischen Exil zum Studium an die Universität Kabul zurück, machte seinen Abschluss im Fach Politische Wissenschaften, bildete sich in den USA und in Deutschland fort und landete schließlich im Innenministerium Afghanistans. Dort war die Karriere aber zu Ende, als sich das politische Klima in Kabul wieder änderte. Die Hoffnung des Westens, das kriegsgebeutelte Land werde sich zu einem demokratischen entwickeln, erfüllte sich nicht. Und die Bedrohung Hasseinis, der der ethnischen Minderheit der Hazara angehört, durch die neuen Machthaber nahm zu. Sie wurde so groß, dass er, der mittlerweile eine Familie hatte, 2012 in den Iran floh – obwohl er dort unerwünscht war. Als Illegaler schlug er sich durch, bis ihm die Ausreise gelang.

Nach Rathenow kam er 2015 mit Frau und Kind. Im vergangenen Jahr kam hier sein zweiter Sohn zur Welt. „Ein gebürtiger Rathenower“, sagt der Vater mit Stolz in der Stimme. „Für ihn ist das Heimat.“

Auch Hasseini fühlt sich, obwohl er noch nicht lange hier lebt, heimisch. Was zum ersten an dem erwähnten Gefühl der Sicherheit liegt, das er so noch nie erlebt hat. Zum zweiten spricht er ausgezeichnet Deutsch. Und zum dritten ist er fest entschlossen, sich in die neue Gesellschaft zu integrieren. In der hiesigen Kirchengemeinde ist er aktiv, außerdem hat er schon etliche Kontakte geknüpft. Unter anderem zu Bürgermeister Ronald Seeger, der sofort bereit war, dem jungen Mann einen Praktikumsplatz im Rathaus anzubieten. „Es ist ein sehr angenehmer Praktikant“, sagt Seeger, der Hasseini unter seine Fittiche genommen hat. „Wissbegierig, freundlich, höflich. Wir sind von ihm sehr angetan.“

Was nach dem Praktikum passiert, das weiß Hasseini noch nicht genau. Am liebsten würde er in Potsdam studieren, nicht Politik, sondern Informatik, weil das seine zweite Leidenschaft ist. Und weil er hofft, als Informatiker in Deutschland schneller eine Arbeit zu finden. „Ich will dem Land, das mir und meiner Familie in größter Not geholfen hat, etwas zurückgeben“, sagt er.

Und er würde gerne bleiben – für immer. „Ich habe zu Deutschland schon mehr Heimatgefühle entwickelt als jemals zu meinem Geburtsland“, sagt er. In Afghanistan habe er sich wegen der permanenten Verfolgung nie zu Hause fühlen können. Im Gegenteil. Von der Kindheit an sei ihm wegen seiner ethnischen Zugehörigkeit signalisiert worden, nicht erwünscht zu sein. „Wie soll man da positive Gefühle entwickeln?“ fragt er. Aus jedem Satz, aus jedem Blick, aus jeder Geste des Mannes spricht der unbedingte Wille, die Chance zu nutzen und sich zu integrieren.

„Das beeindruckt mich“, sagt Ronald Seeger. „Und wenn er bereit ist, Teil dieser Gesellschaft zu werden, dann werden wir alles dafür tun, dass ihm das gelingt.“

Von Markus Kniebeler

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