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Peter Schwarzlose fährt nach Rio

Rathenow Peter Schwarzlose fährt nach Rio

Für den Rathenower Lehrer Peter Schwarzlose geht ein Kindheitstraum in Erfüllung. Er wird am kommenden Freitag als Zuschauer an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Rio teilnehmen und danach jeden Tag Wettbewerbe verfolgen. Außerdem verfolgt er in Rio eine besondere Mission: Autogramme jagen.

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Peter Schwarzlose mit einem seiner vielen Autogramm-Ordner. In Rio will er seiner Sammlung weitere Unterschriften hinzufügen.

Quelle: Markus Kniebeler

Rathenow. Wenn am kommenden Freitag in Rio de Janeiro die Olympischen Spiele mit einer spektakulären Feier eröffnet werden, dann wird ein Rathenower mit leuchtenden Augen und pochendem Herz im Stadion sitzen. Peter Schwarzlose, Lehrer an der Duncker-Oberschule, erfüllt sich einen Kindheitstraum: Einmal im Leben bei Olympischen Spielen dabei zu sein.

Und wenn man sich schon mal einen Traum verwirklicht, dann bitte auch richtig. Schwarzlose hat nicht nur ein Ticket für die Eröffnungszeremonie, sondern ist bis zum Ende der Spiele in Sachen Olympia voll beschäftigt. Er wird das Diskuswurf-Finale der Männer sehen – „hoffentlich mit Robert Harting auf dem Podest“ –, er hat Tickets für Schwimmfinals, Fechtwettkämpfe und das Beach-Volleyball-Turnier. Auch Boxer, Judoka und Kanuten wird der 58-Jährige bei ihren Auftritten beobachten. „Olympische Spiel sind das Größte“, sagt er. Die Vielfalt mache den Reiz aus, so viel Abwechslung in so geballter Form könne ein Sportfan nirgendwo sonst erleben.

Bislang hat Schwarzlose die Olympischen Spiele – so wie die meisten Sportfans der Welt – am Fernseher verfolgt. Aber die wenigsten werden das so intensiv getan haben wie er. „Ich gucke alles“, sagt er kurz und knapp auf die Frage nach der Lieblingsdisziplin. „Und wenn ein Finale um 3.30 Uhr in der Nacht beginnt, dann stehe ich eben um 3.30 Uhr auf.“

Ein einziges Mal war er ganz nah dran, an dem größten und bedeutendsten Sportereignis der Welt. 1996 weilte Schwarzlose auf Urlaubsreise in den USA. Und natürlich plante er einen Abstecher nach Atlanta, dem damaligen Austragungsort der Olympischen Spiele ein. Tickets für die Wettkämpfe konnte er zwar nicht mehr erwerben, aber immerhin bekam er etwas mit von dem olympischen Geist, der die Metropole erfasst hatte.

Jetzt wird er erstmals alles hautnah miterleben. Am Mittwoch startet der Flug in Frankfurt/Main, am Donnerstag Ankunft in Rio, Freitag Eröffnung und dann jeden Tag an einer anderen Wettkampfstätte. Nur für die Abschlussfeier am 21. August hat er keine Tickets bekommen. Aber das ist bei einem solchen Fulltime-Programm zu verschmerzen.

Um halb sieben will Schwarzlose, der von einem sportbegeisterten Freund begleitet wird, jeden Tag aufstehen, damit er alles auf die Reihe bekommt. Denn neben der Freude am Sport wird er in Rio seiner zweiten Leidenschaft frönen: dem Sammeln von Autogrammen. Und weil Schwarzlose sich auf Medaillengewinner bei Olympischen Spielen spezialisiert hat, muss er die Signaturen nicht, wie sonst, auf dem Postweg sammeln, sondern kann gleich am Ort des Geschehens auf Jagd gehen.

Wobei längst nicht jeder Olympionike für ihn von Interesse ist. Schwarzlose sammelt ausschließlich die Namenszüge von Medaillengewinnern. Das waren bei den letzten Olympischen Spielen in London immerhin 1775. Von diesen finden sich 1314 Unterschriften säuberlich abgeheftet im London-Ordner des Sammlers. Anders ausgedrückt: Es fehlen noch 461. „Ich suche immer weiter“, so Schwarzlose. Wenn der Athlet auf Postanfragen nicht reagiert, wird im Internet und auf Tauschbörsen gefahndet.

In Brasilien hofft Peter Schwarzlose übrigens auf einen besonderen Coup. Die Rede ist nicht von Usain Bolt oder Michael Phelps. Die Unterschriften hat er längst, die kann ja jeder. Schwarzlose hat es auf einen Mann namens Jorge Luiz Fernandes Leite abgesehen, den stellvertretenden Chef des Organisationskomitees. Zwar sammelt Schwarzlose keinen Funktionäre, so weit geht die Unterschriften-Liebe dann doch nicht. Aber jener Mann war 1980 bei den Olympischen Spielen Mitglied der brasilianischen 4x200 Meter Freistil-Staffel, die Bronze gewann. Und weil die Unterschrift partout nicht aufzutreiben ist, will der Rathenower es in Rio auf direktem Weg versuchen. Wobei er selber noch nicht weiß, wo er sein „Opfer“ abfangen soll.

Hört sich – bei aller Leidenschaft – ein bisschen nach Stress an, das Ganze. Faule Tage an der Copacabana jedenfalls wird es für den Sport- und Unterschriftenfan in Rio wohl nicht geben. „Aber am 14. August wollen wir zur Christus-Statue hoch“, sagt Schwarzlose, als wolle er sich für sein Tun entschuldigen. „Das ist der einzige Wettkampftag, für den wir keine Tickets haben.“ Aber was, wenn sich genau an diesem Tag die Möglichkeit ergäbe, Herrn Jorge Luiz Fernandes Leite zu treffen? „Dann müssen wir umplanen“, kommt die prompte Antwort. „Die Statue läuft uns nicht weg, Herr Fernandes aber vielleicht schon.“

Von Markus Kniebeler

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