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Ein Rücktritt, viel Tragik und immer wieder Asyl

Das war 2015 im Landkreis Havelland Ein Rücktritt, viel Tragik und immer wieder Asyl

Die Unterbringung der Flüchtlinge war 2015 das beherrschende Thema im Landkreis Havelland, doch es passierte noch einiges mehr. Landrat Burkhard Schröder (SPD) kündigte seinen vorzeitigen Rückzug an. Die Bundesgartenschau lockte tausende Besucher in die Region. Und zwei Menschen starben tragisch durch Feuerwaffen.

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Die Flüchtlingsunterbringung war 2015 das beherrschende Thema im Havelland.

Quelle: dpa

Havelland. Damit hatte niemand gerechnet: Am 7. Dezember verkündete Landrat Burkhard Schröder (SPD) zum 1. April 2016 vorzeitig in den Ruhestand zu gehen – aus persönlichen Gründen, wie er betonte. Er wolle sich in Zukunft mehr um seine Familie kümmern. Der 65-Jährige führte seit Gründung des Landkreises Havelland im Jahr 1994 die Geschäfte, nachdem er zuvor bereits seit 1990 Landrat des damaligen Kreises Nauen gewesen war. „Ich bin durchaus jemand, der sich von Ämtern und Dingen trennen kann“, sagte Schröder. Mit der Kritik an seiner Person, weil er sich im Oktober mit der rechtskonservativen AfD-Fraktion im Landtag zu einer Diskussion über die Kreisreform getroffen hatte, was nicht nur in seiner Partei als Tabubruch gewertet wurde, habe der Rücktritt nichts zu tun, so der Landrat. Sein Nachfolger wird am 10. April gewählt.

Am 7

Am 7. Dezember verkündete Landrat Burkhard Schröder seinen vorzeitigen Rücktritt.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Schröders Rückzug war die Überraschung des Jahres in der Kreispolitik, die kurzzeitig sogar das Thema Asyl in den Hintergrund rückte, das ansonsten die Schlagzeilen beherrschte. Im Laufe des Jahres wurden die Zahlen der Flüchtlinge, die der Landkreis unterzubringen, immer weiter nach oben korrigiert – zuletzt war von fast 2300 Asylbewerbern die Rede, die in mittlerweile neun Sammelunterkünften untergebracht sind, davon sechs im Osthavelland. „Das ist eine Herkulesaufgabe. Da tut sich ein Delta auf, das wir gerade irgendwie versuchen zu schließen“, sagte der 1. Beigeordnete des Landrates und Leiter des Krisenstabes Roger Lewandowski (CDU). Für die Kreisverwaltung bedeutete die Flüchtlingsfrage Dauerstress. „Wir kommen ja nicht einmal mehr dazu, Bürgerbriefe zu dem Thema zu beantworten“, so Lewandowski im November.

Die Brala im MAFZ

Die Brala im MAFZ.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Der MAFZ-Erlebnispark in Paaren im Glien war zwischenzeitig ebenfalls als Asylunterkunft im Gespräch, doch der Landkreis als Eigentümer legte sein Veto ein. „Es gibt die klare Aussage von mir, dass ich einen Zugriff auf das Gelände nicht vertreten kann“, sagte Landrat Schröder. „Bei aller Not lasse ich mir Kernstrukturprojekte nicht kaputt machen!“ In diesem Jahr feierte das Gelände sein 25-jähriges Bestehen. Genau wie die Brala (Brandenburgische Landwirtschaftsausstellung) am Himmelfahrtswochenende, die erneut rund 40 000 Besuchern anlockte. Im Juni bekam das MAFZ eine neue Geschäftsführung, wegen „unterschiedlicher Auffassungen über die strategische Entwicklung“, wie es hieß. Gerd Lehmann wurde abgerufen. Nun sollen Steffen Krebs und Ute Lagodka dafür sorgen, dass der Erlebnispark seinem Namen gerecht wird.

Auch vom Schloss Ribbeck erhofft sich der Landkreis noch mehr, deshalb gab es auch dort personelle Veränderungen. Frank Wasser, bislang Chef der Havelländischen Musikfestspiele, unterstützt künftig Bettina Götze bei der Führung der Geschäfte. „Ich bin überzeugt, dass sie das Haus gemeinsam ein Stück voran bringen“, so der Landrat. Die Situation in Schloss Ribbeck sei zwar nicht kritisch, „aber unsere Ansprüche sind höher. Wir reden hier nicht von irgendeinem, sondern von dem Zentrum des Kulturtourismus im Havelland.“ Ein Vorzeigeobjekt – so wie der Bahntechnologie-Campus, den der Landkreis für 12,8 Millionen Euro auf Elstaler Bahngelände errichten wird. Anfang Dezember gab der Kreistag grünes Licht für eines der größten Infrastrukturprojekte in der Geschichte des Havellandes.

Die Buga lockte viele Besucher in die Region

Die Buga lockte viele Besucher in die Region.

Quelle: Archiv

Von April bis Oktober wurde in der Havelregion die Bundesgartenschau gefeiert. Im Osthavelland waren das Schloss Ribbeck und das Landgut in Groß Behnitz als Referenzstandorte dabei. Die Tourismuszahlen in der Region waren so gut wie noch nie: Im Juli 2015 kletterte die Reiseregion Havelland, zu der allerdings auch noch die Stadt Brandenburg an der Havel und Teile Potsdam-Mittelmarks gehören, erstmals auf Platz eins unter den 13 Brandenburger Reisegebieten.

In Paulinenaue wurde ein Jäger in einen Häcksler gezogen

In Paulinenaue wurde ein Jäger in einen Häcksler gezogen.

Quelle: julian stähle

Doch es gab auch Grund zur Trauer. Am 19. Januar erschoss ein Landwirt aus Klein Behnitz einen Veterinär des Landkreises mit einer Schrotflinte – Frank Matschke, den Ortsvorsteher von Vietznitz. Er war mit zwei Kolleginnen der Kreisbehörde gekommen, um die Tiere des Bauern wegen nicht artgerechter Haltung zu beschlagnahmen. Ende Januar fand die Trauerfeier für Matschke statt. Er hinterlässt eine Frau und drei erwachsene Kinder. Der 72-jährige Todesschütze muss für sieben Jahre ins Gefängnis, entschied im September das Landgericht Potsdam. Dort sah man es als erwiesen an, dass der Bauer vorsätzlich gehandelt hat und es kein Unfall war. Matschke war nicht der einzige Tote durch Feuerwaffen in diesem Jahr. Im September kam ein Fußballer von Blau-Weiß Groß Behnitz beim einem tragichen Jagdunfall in Tietzow ums Leben. Ein Jäger hatte auf ihn und seine Begleiterin geschossen, als er ein Rascheln im Maisfeld vernahm und ein Wildschwein vermutete. Die Frau überlebte schwer verletzt. So wie der 81-jährige Jäger, der Anfang Oktober bei der Maisernte in Paulinenaue in einen Häcksler gezogen wurde.

Von Philip Häfner

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