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Ein Storchenjahr zwischen Leben und Tod

Havelland Ein Storchenjahr zwischen Leben und Tod

Widrige Wetterbedingungen waren der Grund, warum viele Jungstörche im Osthavelland sterben mussten, Gleichzeitig sorge die gute Nahrungssituation dafür, dass mehr Tiere geboren wurden als im Vorjahr. Dabei liegt die Zahl der Storchenpaare seit Jahren konstant bei 23.

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Durch den Regen fanden die Weißstörche in diesem Jahr ausreichend Futter für ihre Jungen.

Quelle: Fotos: privat

Havelland. Der Nachwuchs eines Storchenpaares in Pessin hatte in diesem Jahr Glück im Unglück. Kurz nacheinander verloren die drei Jungstörche ihre Eltern und waren so auf sich allein gestellt. „Einer der Altstörche wurde auf einer Wiese bei Pessin verletzt aufgefunden und konnte auch von den Tierärzten leider nicht mehr gerettet werden“, erzählt Claudia Jörg, ehrenamtliche Storchenbetreuerin des Naturschutzbundes für das Osthavelland. So zog der zweite Altstorch die Jungtiere schließlich allein groß, bis auch er verletzt auf einer Wiese gesehen wurde und seither verschwunden ist.

„Nun musste schnell gehandelt werden und die Eigentümerin des Horstes begann umgehend mit der Fütterung“, so Jörg. Sobald die Tiere ihren Horst verlassen konnten, hielten sie sich fortan auf einer nahegelegenen Wiese auf, wo sie Claudia Jörg und die örtliche Horstbetreuerin mit Hühnerherzen und -mägen fütterten. „Die Nahrungsaufnahme wurde langsam heruntergesetzt, damit die Tiere nicht abhängig werden und fit sind für ihren Flug in den Süden“, erklärt die Storchenexpertin. Und so begannen die Jungstörche selbstständig nach Futter zu suchen, bis sie ein fremder Storch zum Wegflug animierte. „Seither haben wir sie nicht mehr gesehen.“

Die Geschichte der drei Jungstörche aus Pessin ist beispielhaft für das diesjährige Storchenjahr, das geprägt ist von Glück und Pech. „Durch den heftigen Starkregen haben wir zwei gesamte Bruten und mindestens 18 weitere Küken verloren“, erzählt Claudia Jörg. Gleichzeitig wurden in diesem Jahr vier flügge Jungstörche mehr, als noch im vergangenen Jahr gezählt. So stieg die Zahl der Jungtiere von 48 auf 52. „Es hätten allerdings noch mehr sein können, wenn der Regen nicht einer Menge Küken das Leben gekostet hätte.“

Grundsätzlich sei Regen für die kleinen Störche kein Problem. Die Altstörche breiten einfach ihre Flügel über ihnen aus und schützen sie vor dem kühlen Nass. „Irgendwann sind die Tiere aber so groß, dass sie nicht mehr unter die Flügel passen. Da ihr Gefieder aber noch nicht fettend ist, verklammen sie“, erklärt Claudia Jörg. Die Folge ist häufig eine Erkältung, an der viele Küken sterben.

Gleichzeitig verbesserte der Regen jedoch die Nahrungssituation für die osthavelländischen Störche. „In der ersten Zeit brauchen die Tiere vor allem kleine Regenwürmer, die finden sie nur auf feuchten Wiesen“, so Jörg. Davon gebe es aber immer weniger. Die meisten Flächen werden heute bewirtschaftet, richtige Wiesen seien nur noch schwer zu finden.

Dennoch ist die Zahl der Horstpaare seit Jahren konstant. 23 Paare bringen hier jährlich ihren Nachwuchs zur Welt. In diesem Jahr zählten die Storchenbetreuer fünf Paare mit einem Jungstorch, sieben Paare mit zwei flüggen Jungstörchen und sogar elf mit drei Sprösslingen. So gesehen sei es, trotz der widrigen Wetterbedingungen, ein Bruterfolg für die Weißstörche im Osthavelland gewesen.

Es gab allerdings auch 14 Storchenpaare, die den Sommer ohne eigenen Nachwuchs verbracht haben. Die Gründe dafür seien vielfältig. „Manchmal sind die Störche einfach zu jung und unerfahren, es kann aber auch vorkommen, dass bei Kämpfen untereinander gleich die gesamte Brut vernichtet wird“, weiß die Storchenexpertin. Zudem kommen einige Storchenpaare zeitversetzt an. Das liege an den beiden verschiedenen Zugrouten, die in der Region aufeinander treffen.

Insgesamt 89 Horste sind quer über das Osthavelland verteilt. Doch nur wenige sind auch besetzt. „Das Verhältnis von 89 zu 23 ist natürlich sehr schlecht", erklärt Claudia Jörg. Vielen Horsten würden aber schlicht die nötigen Nahrungsgebiete fehlen. Meist steuern die Vögel immer wieder die gleichen Nester an. In Wagenitz, Ribbeck, Paulinenaue, Friesack, Pessin, Pausin, Brädikow, Buchow-Karpzow, Rohrbeck und Schönwalde werden regelmäßig Störche gesichtet. Aber auch in anderen Orten kann das Treiben der Weißstörche beobachtet werden.

Schon seit den 1960er-Jahren werden im Osthavelland Störche gezählt und beobachtet. Lange Jahre hatte Dieter Stark, vielen bekannt als Storchenvater, den Hut auf. Inzwischen ist Claudia Jörg in seine Fußstapfen getreten. Seither macht sie regelmäßig Touren durch die Region und sorgt sich um das Wohlbefinden der Störche. Unterstützung erhält sie dabei von vielen ehrenamtlichen Betreuern, die sich vor Ort um die Störche kümmern. Auch die Freiwilligen Feuerwehren, die in etlichen Orten bei der Nestsäuberung helfen, Energieversorger und Tierärzte sind ein wichtiger Bestandteil des Storchenschutzes.

Von Danilo Hafer

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