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Ein Stück Nauener Geschichte

Ehemalige Nauenerin schrieb ein Buch Ein Stück Nauener Geschichte

Mit 21 Jahren flüchtete die in Nauen geborene Gisela Schaupeter aus politischen Gründen mit Mann und Sohn in den Westen. Jetzt hat sie ein Buch über ihre Kindheit und Jugend in Nauen und über ihr Leben in Westdeutschland geschrieben. Heute lebt sie in Köln.

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Gisela Schaupeter malt für ihr Leben gern, hat auch schon mehrere Ausstellungen gemacht.

Quelle: Andreas Kaatz

Nauen. Wenn Gisela Schaupeter nach Nauen fährt, dann ist es für sie immer wie eine Reise in die Vergangenheit. Die 83-Jährige, die heute in Köln lebt, wurde in Nauen geboren und verbrachte dort die ersten 21 Jahre ihres Lebens. Jetzt kam sie wieder zu einem Klassentreffen in die Stadt. Neun von einstmals 28 Schülerinnen aus der Mädchenschule (heute Käthe-Kollwitzschule), konnten diesmal noch dabei sein. „Da haben wir wieder über die alten Geschichten gesprochen, was wir mit den Lehrern angestellt haben“, sagt sie verschmitzt. Gern erinnert sie sich an Fräulein Hudemann oder Fräulein Knappe. „Mein Klassenlehrer wurde Herr Breitung. Er war mein liebster Lehrer“, sagt sie.

Freudig überrascht war sie davon, dass zufällig während ihres Besuches eine Ausstellung mit dem Titel „Gesichter unserer Stadt“ in der Galerie am Blauen Haus lief. „An einer Tafel habe ich auch die Namen unserer damaligen Lehrer entdeckt“, sagt Gisela Schaupeter, die auch ihr Geburtshaus besichtigt hat. „In der Berliner Straße 64 bin ich zur Welt gekommen“, sagt sie.

Nun hat die einstige Nauenerin auch dazu beigetragen, dass ein weiteres Stück Stadtgeschichte erhalten bleibt. In der vergangenen Jahren brachte sie ihre Familiengeschichte zu Papier. Herausgekommen ist ein Büchlein mit dem Titel „Ich denke mal zurück – Ein Mädchen aus Nauen“. Erinnerungen, die für Ältere, aber auch Jüngere interessant sein dürften.

Aufgeschrieben hat Gisela Schaupeter, die als Tochter eines Postbeamten und einer Schneiderin auf die Welt kam, ihre eigenen Erlebnisse oder auch das, was sie noch aus Erzählungen weiß. Ihre ersten Kinderjahre beschreibt sie als „abwechslungsreich, lustig und sorglos“. Viele Verwandte lebten in Nauen. Beispielsweise hatte Onkel Franz ein Lebensmittelgeschäft in der Feldstraße und Onkel Willi arbeitete in der Zuckerfabrik. Im Winter ging sie wie die anderen Kinder nach der Schule auf dem zugefrorenen Nauener See nach Herzenslust Schlittschuhlaufen, und gern erinnert sie sich auch an die Spielnachmittage bei der Tochter des Nauener Seifenfabrikanten. Schwimmen gelernt hat sie dann wie viele andere Kinder bei Bademeister „Onkel Ernst“ im Schwimmbad am Havelländischen Hauptkanal.

Sechs Jahre war Gisela Schaupeter, als sich die so genannte „Kristallnacht“ ereignete – auch in Nauen, wo es viele jüdische Geschäfte gab. „Am Morgen danach ging ich mit meinen Eltern über die Potsdamer Straße“, berichtete sie. In der heutigen Goethestraße lagen Kleinmöbel, Geschirr und Garderobe herum, die durch die Fenster auf den Gehweg geworfen worden waren. Und sie bekam mit, dass Menschen abgeholt wurden und nie wieder kamen. Schlimm war auch der ständige Fliegeralarm und die Bombardierung Nauens am 20. April 1945.

Im September 1947 fing Gisela Schaupeter eine Lehre als Verwaltungsangestellte in der Kreisverwaltung an, besuchte dazu die Berufsschule in der heutigen Lindenplatzschule. 1952 heiratete sie den Reichsbahnangestellten Horst Schaupeter. Gefeiert wurde im Restaurant Demut, an der Ecke Schützen-/ Hamburger Straße, wo sich heute das Spielcasino befindet. Ein Jahr später mussten sie zusammen mit ihrem Sohn aus politischen Gründen in den Westen fliehen, sagt Gisela Schaupeter, die später Personalchefin in einem Lebensmittelkonzern in Hagen war.

„Die ersten 21 Jahre haben mich geprägt. Nauen ist meine Heimat und vielleicht komme ich hierher zurück“, meint sie. Auch deshalb hatte sie bei ihrem jüngsten Aufenthalt probeweise ein Zimmer im Seniorenpflegezentrum in der Ketziner Straße bezogen, wo ihre Schwester Gerda lebt. Gisela Schaupeter kann sich vorstellen, dort ihre letzten Jahre zu verbringen. Und eines hat sie sich auch noch vorgenommen. „Ich möchte Jürgen Drews mit netten Worten ein Exemplar meines Buches schicken“, sagt sie. Denn der Sänger ist bekanntlich in Nauen geboren.

Von Andreas Kaatz

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