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Ein Stück Schiffshebewerk aus Groß Behnitz

Lehrlingssituation Ein Stück Schiffshebewerk aus Groß Behnitz

Die Groß Behnitzer Firma G & P Metallbau GmbH mit ihren zehn Mitarbeitern hat derzeit einen Auftrag fürs neue Schiffshebewerk in Niederfinow. In den vergangenen Jahren fand der Betrieb immer geeignete Lehrlinge, zuletzt jedoch nicht mehr. Dieses Problem haben aber auch andere Handwerksbetriebe.

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Burghard Günnel (r.) im Gespräch mit Claudia Seeligmann und Roger Lewandowski.

Quelle: Andreas Kaatz

Groß Behnitz. Zahlreiche Metallelemente, jeweils mehrere Meter lang, lagern bereits auf dem Hof. Weitere Profile befinden sich in der Werkstatt, müssen noch geschweißt und mit Öffnungen versehen werden. Die Teile gehören allesamt zum größten Auftrag, den die Groß Behnitzer Firma G & P Metallbau GmbH je hatte. Sie arbeitet am neuen Schiffshebewerk in Niederfinow mit, errichtet dort eine Stahlkonstruktion. „Nach Fertigstellung des Schiffshebewerkes wird davon aber nichts zu sehen sein“, sagt Burghard Günnel. Die Konstruktion ist dann verkleidet.

Für ihn und seinen Geschäftspartner Axel Piotrowski ist der Auftrag eine Bestätigung ihrer guten Arbeit. Das Unternehmen hat mittlerweile zehn Mitarbeiter, darunter ist auch ein Lehrling, der seine Lehre bald vorzeitig beendet und über den Günnel voll des Lobes ist: „Er war ein Glücksgriff, da passt alles.“ Überhaupt hatten Günnel und Piotrowski bei ihren Lehrlingen immer ein glückliches Händchen. Unter den Facharbeitern des Unternehmens sind vier, die sie selbst ausgebildet haben.

Doch zuletzt lief es nicht mehr so gut. Neue Lehrlinge kamen nicht hinzu. Entweder gab es erst gar keine Bewerbung oder die Kandidaten haben sich nicht geeignet. G & P ist damit nicht allein. Es ist ein Problem, dass viele Handwerksbetriebe haben, wie auch gestern bei einem Besuch des amtierenden Landrates Roger Lewandowski deutlich wurde. Er wurde bei G & P auch von Claudia Seeligmann, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, sowie weiteren Vorstandsmitgliedern empfangen, um sich über die Situation des Handwerks ein Bild zu machen.

In Bezug auf die Ausbildungssituation sagte Lewandowski: „Wir haben großes Interesse, junge Leute im Landkreis zu halten.“ Anlass für diese Äußerung ist ein Erlebnis in Rathenow, als er in einer Klasse fragte, wer nach der Schule im Landkreis seine Lehre anfangen will. Nur ein Drittel hob die Hand.

Nicht nur Lewandowski sieht gerade bei der Berufsorientierung großen Nachholebedarf. „Viele wissen gar nicht, wenn sie fertig sind, was sie werden wollen, obwohl es noch nie so viele Möglichkeiten gab, sich zu informieren.“ Claudia Seeligmann kritisierte, dass dieses Thema den Schulen oft allein überlassen wird. „Es gibt Schulen, die sind sehr engagiert, andere hingegen weniger.“ Und offenbar fehle es zunehmend an Geld für Fahrten ins Zentrum für Gewerbeförderung in Götz, wo sich die Jugendlichen auf vielen Gebieten ausprobieren können. Aber auch die Elternhäuser sieht man beim Thema Berufsorientierung in der Pflicht.

Nach Ansicht von René Haase vom Vorstand der Kreishandwerkerschaft würden heutzutage die Kinder viel zu sehr gedrängt, Abitur zu machen. „Die fehlen uns im Handwerk.“ Seiner Ansicht nach müsste man die Einstiegshürden, um Abitur machen zu können, höher setzen.

Schon seit Längerem trägt auch der Landkreis seinen Teil zum Thema Berufsorientierung bei, unter anderem mit dem Projekt „Komm auf Tour“. Dabei werden die Stärken der Schüler herausgearbeitet. Als nicht ganz einfach schätzte Lewandowski die Berufsbildungsmesse ein, da die Schüler dort hin müssen. Daneben müsse es auch freiwillige Angebote geben. So setzt der Landkreis auf eine neue Form der Berufsorientierung. Wie Lewandowski sagt, habe es unter anderem für das Berufsfeld Logistik Bustouren in zwei Betriebe gegeben, wo sich die Schüler auch ausprobieren können. „Da fahren nur die mit, die wirklich Interesse haben. Vielleicht wäre dies auch etwas fürs Handwerk“, sagte er.

Er will zudem eine am Donnerstag gegebene Anregung umsetzen. Dabei sollen die WAT-Lehrer aus den Schulen sich mit der Kreishandwerkerschaft zusammensetzen. „Wir werden als Kreis an die Schulen herantreten und den Vorschlag unterbreiten“, sagt Lewandowski. Denn wie René Haase zuvor gesagt hatte, wüssten oft auch die Lehrer nicht, welche Perspektiven es im Handwerk gibt. Das soll jetzt vermittelt werden.

Dass sich die Lehrstellensituation künftig auch für den Groß Behnitzer Betrieb verbessert, hofft Axel Piotrowski. Wie er sagt, habe der Betrieb einst klein angefangen, ist seit August 2000 auf dem jetzigen Gelände. „Damals mussten wir uns erst einmal einen Kundenstamm erarbeiten.“ Der jährliche Umsatz stieg stetig – von anfangs 10 000 Mark auf 900 000 Euro im Jahr 2015.

Burghard Günnel war froh, dass sich Lewandowski für die Handwerkerprobleme interessiert, sagte aber zum Landratskandidaten: „Ich hoffe, dass sie öfter kommen und nicht nur im Wahlkampf.“

Von Andreas Kaatz

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