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Ein Stück Zuhause erhalten

20 Jahre Tagespflege in Falkensee Ein Stück Zuhause erhalten

Wenn die Dinge für Menschen ihren Sinn verlieren, wenn die Angehörigen mit der Pflege demenzkranker Mütter und Väter überfordert sind, dann leistet die Tagespflege viel zur Betreuung dieser Mitmenschen.

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Geselligkeit und Geborgenheit auf der Weihnachtsfeier der Tagespflege „Harmonie“.

Quelle: Peter-Paul Weiler / berlin-event-foto.de

Falkensee. Das Wort „gerontopsychiatrische Tagespflege“ werden die Besucher des Hauses Harmonie wohl kaum aussprechen können. Das Haus am Falkenseer Stadtrand ist spezialisiert auf die Betreuung von Menschen mit Demenz. Seit 20 Jahren ist die Tagespflege des Gemeinschaftswerkes Wohnen und Pflege GmbH in Falkensee bei der Arbeit. 2001 wurde das Haus in der Martin-Luther-Straße im Nordosten von Falkensee errichtet.

Das Herzstück des Hauses ist die offene Küche. Hier wird jeden Tag gekocht. Mal riecht es nach Schichtkohl im Haus, mal nach gebackenen Plätzchen. Ein bisschen wie zu Hause. Und so soll es auch sein, sagt Claudia Küper. Sie leitet die Tagespflege. Etwa zwölf Frauen und Männer aus Falkensee, Schönwalde, Elstal, Dallgow und Spandau werden hier betreut. Morgens werden sie mit dem Bus des Gemeinschaftswerkes aus den Orten abgeholt. „Sie kommen aus der Häuslichkeit und hier bleibt die Häuslichkeit erhalten“, erklärt Claudia Küper die Idee der Pflege. Nach dem Frühstück wird gemeinsam etwas unternommen. Haushaltsarbeit etwa, wer kann, trocknet Geschirr ab, schnippelt Obst, rührt Kuchenteig oder hilft beim Kartoffelschälen. Dann folgen Obstpause, Zeitungsschau. „Wir lesen gemeinsam, vertiefen Monat, Jahreszeit, Tag“, sagt Claudia Küper. Diese Form der Beschäftigung im Tagesablauf bietet viel Zeit für Kommunikation und soziale Einbindung, erklärt sie. Gemeinsam wird das Kreuzworträtsel enträtselt.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen geht es an eine Ruhezeit. Im Wohnzimmer werden die Sessel in eine bequeme Liegeposition gebracht, die Beine eingewickelt. Manche schlafen, andere ruhen nur. Wieder andere sind unruhig und wandern durchs Haus. „Wir behalten unsere Besucher ständig im Auge“, sagt Claudia Küper, das ist ein sehr hoher Betreuungsaufwand, der viel Einfühlungsvermögen und Zeit beinhaltet. „Nach der Kaffeepause lassen wir mit unseren Besuchern den Tag gemütlich ausklingen mit Singen oder dem Vorlesen einer Geschichte.“ Danach fahren unsere Busse die Besucher wieder in Ihre Häuslichkeit. Die meisten sagen „war wieder schön“.

Mitarbeiter aus der Pflege und dem Fahrdienst kümmern sich die ganze Woche mit viel Engagement und persönlichem Einsatz liebevoll um ein Dutzend Besucher. „Wir bieten eine spezielle Art von Dienstleistung“, sagt Gregor David. Er ist Standortleiter in Falkensee. Das Gemeinschaftswerk ist auch in Potsdam, Rathenow, Nauen, Friesack, Wustermark und Ketzin aktiv. Gregor David will den Falkenseer Standort entwickeln. „Der Bedarf ist viel größer, als wir ihn abdecken können“, erklärt er. Das Konzept „ambulant vor stationär“ findet er gut, unter dem Slogan der „geteilten Verantwortung“ arbeiten Angehörige, Pflegedienst und der Betroffenen eng zusammen. Aber der gute Ansatz ist eben nur ein Ansatz. Hier müssen noch mehr Angehörige, Nachbarn, aber auch Kommunen und Städte stärker eingebunden werden, regt er an.

„Es fehlt noch an vielem“, sagt Gregor David, so wird es immer schwieriger, Personal zu finden. „In Berlin sind die Einrichtungen finanziell deutlich besser ausgestattet“, weiß er. Er wünscht sich ein einfaches und einheitliches System, das neue Gesetz zu den Pflegegrade ist erst ein Stück auf dem richtigen Weg.

Trotzdem haben die Falkenseer einige Pläne. Dazu gehört der Aufbau einer Sozialstation in Schönwalde. Dazu gehört auch, in Falkensee eine Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz aufzubauen. „Aber dafür fehlt erst mal eine passende Immobilie, ein passendes Haus“, sagt Gregor David. Aber er hat immer wieder erfahren, dass solche Wohn- und Betreuungsformen gefragt sind; sie sind ein Bindeglied in der Betreuungskette der ambulante Versorgung, wenn die Betreffenden von den Angehörigen nicht mehr zuhause gepflegt werden können.

Von Marlies Schnaibel

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