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Ein vielstimmiges Hallo

Erstes Treffen zwischen Elstalern und Asylbewerbern Ein vielstimmiges Hallo

Die Aula der Oberschule Elstal war am Sonnabend bis auf den letzten Platz gefüllt. Im Kennenlerncafé trafen Einheimische auf Flüchtlinge, die seit wenigen Tagen im Ort wohnen. Es ging sehr musikalisch zu.

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Die Aula war bis auf den letzten Pltz gefüllt.

Quelle: Hans Peter Theurich

Elstal. „Hallo“, war das am meisten gehörte und gesprochene Wort am Sonnabend im Willkommens-Café in der Heinz-Sielmann-Oberschule in Elstal. 120 Flüchtlinge aus Afghanistan und Syrien waren eingeladen, die Havelländer kennenzulernen. Seit Anfang Dezember leben sie in einer Unterkunft im Elstaler Demex-Park. „Hallo“ und „Danke schön“ sind ihre ersten deutschen Vokabeln.

„Es ist wichtig für uns von der Initiative Willkommen in Wustermark, dass auch Einheimische, die Unterstützung benötigen, zu unserem Café kommen“, sagte Luisa-Theres Sinate. Sie studiert Theologie an der Humboldt-Universität in Berlin und kümmert sich um die Pressearbeit.

Die Aula der Schule war festlich geschmückt, junge Männer befreiten eine große Tanne tatkräftig aus dem Transportnetz. Großer Jubel, als der Weihnachtsbaum in seinem Ständer Halt fand.

Auf den rot gedeckten Tischen der bis auf den letzten Platz gefüllten Aula standen bunte Teller mit Plätzchen. Zunächst bedienten sich die Neu-Elstaler schüchtern am großen Kuchenbüffet, später griffen alle in entspannter Atmosphäre tüchtig zu. Deutsche Großmütter versorgten junge Mütter von kleinen Kindern mit Milch und Kakao – das Eis war gebrochen. Ein schwarzhaariger Winzling bot mit strahlenden Augen seinen gerade gefundenen gelben Luftballon der MAZ-Mitarbeiterin an. Auf dem Flur spielte ein junger Syrer mit einer kleinen Havelländerin Fußball. Zwei Kinder aus Afghanistan schnappten sich auf der Bühne zwei Gitarren und wollten sie gar nicht mehr loslassen.

Wolfgang Schröder aus Wustermark spielte auf dem Keyboard, und bald sprang der Funke über: Der Sänger und Percussionist Basel Almousa Almatir aus Syrien sang zunächst für Freunde, fast privat in einer Ecke der Aula. Er wünscht sich sehnlichst ein paar Bongos. Später auf der Bühne entpuppte er sich als echter Entertainer – und trommelte zu seinem Gesang auf einer Kiste. Alle klatschten den Rhythmus mit, viele stimmten in die arabischen Lieder ein. Und als er fragte: „Ist das gut?“, fand der jubelnde Beifall kein Ende. Vor vier Monaten kam der 25-Jährige nach Deutschland und lebt jetzt in einer Dyrotzer Unterkunft.

Auch deutsche Neu-Elstaler waren gekommen und genossen das Fest. Anne und Max Ackermann lebten lange in England, seit einem Monat sind sie Havelländer. Auf den Tischen lagen dicke Papierpacken mit Texten deutscher Weihnachtslieder, doch die getragenen kirchlichen Melodien wollten so gar nicht zu den schwungvollen orientalischen Rhythmen passen, die gerade die Aula erfüllt und alle zum Klatschen animiert hatten. „Vielleicht hätten wir uns auf englische Weihnachtssongs konzentrieren sollen, die sind fröhlicher“, mutmaßte man in der Initiative. Nicht einmal die Brandenburger hatten rechte Lust, „Es kommt der Herr der Herrlichkeit“ zu singen.

Trotz aller Fröhlichkeit und glänzender Kinderaugen, in stillen Momenten zeigten sich manche Gesichter geprägt von tiefer Trauer. Den ausländischen Mädchen und Jungen war anzumerken, dass sie schon mehr Schrecken erlebt hatten als manch Erwachsener in Deutschland.

„Wir sind sehr zufrieden mit dem Zuspruch, die Gäste fühlen sich wohl, es ist ein gelungenes Fest“, sagte Luisa-Theres Sinate. Doch nicht alles war eitel Sonnenschein an diesem fröhlichen Tag: In der Unterkunft an der Demex-Allee hing im Obergeschoss ein Transparent mit der Aufschrift „Hier werden Bürger verdrängt“. Hintergrund: Manche fühlen sich offenbar nicht mehr wohl mit den neuen Nachbarn, denen im Haus ein Dach über dem Kopf geboten wird nach langer Flucht über das Mittelmeer und durch halb Europa.

Vielleicht hat ja der eine oder andere Havelländer ein Musikinstrument übrig. Die geflohenen Menschen würden sich darüber freuen und könnten die Tage des untätigen Wartens mit Musik gestalten.

Von Judith Meisner

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