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Eine Branche wünscht sich mehr Anerkennung

Mindestlohn für Friseure Eine Branche wünscht sich mehr Anerkennung

Seit 1. August bekommen Friseure deutschlandweit einen Stundenlohn von 8,50 Euro. Die Lohnerhöhung bringt aber nicht nur mehr Geld am Monatsende. Immer wieder müssen sich Friseure für die gestiegenen Preise rechtfertigen. Denn längst nicht alle die den Mindestlohn befürworten, sind auch bereit mehr zu bezahlen, verrät eine Saloninhaberin aus Premnitz.

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Petra Kanisch und Gabriele Viol wünschen sich mehr Anerkennung für ihren Berufsstand.

Quelle: Ch. Schmidt

Havelland. Seit 1. August bekommen Friseure – in Ost und West – einen Stundenlohn von 8,50 Euro. Damit ist nun auch das Friseurhandwerk auf dem Niveau des bundeseinheitlichen Mindestlohns angekommen. Was für die Angestellten in den rund 80 000 Salons in Deutschland mehr Geld am Ende des Monats bedeutet, heißt für die Kundschaft höhere Preise. Um sechs Euro pro Behandlung hat Petra Kanisch in ihrem Friseursalon in der Fontanestraße in Premnitz die Preise seit der stufenweisen Einführung des Mindestlohns 2013 erhöht. Längst nicht alle Kunden haben dafür Verständnis, wie die Unternehmerin berichtet. „Die meisten akzeptieren es, aber es gibt immer wieder Kunden, die sich über die Preise beklagen.“ Dabei kommt das Geld unmittelbar den Mitarbeitern zugute, so Kanisch.

Selbst mit Mindestlohn keine großen Sprünge möglich

Sie zahlt ihren Angestellten gern ein angemessenes Gehalt, aber sie ist es leid, sich immer wieder dafür rechtfertigen zu müssen, dass ein Haarschnitt nicht für sechs Euro zu haben ist. „Wir sind keine Hilfsarbeiter. Wir haben mindestens eine dreijährige Ausbildung absolviert“, betont die Unternehmerin. Zumal man selbst von 8,50 Euro keine große Sprünge machen kann. „Das ist zu wenig um davon allein zu existieren. Ohne ein zweites Gehalt geht es nicht“, sagt Gabriele Viol. Wie alle anderen sechs Angestellten im Salon in der Fontanestraße arbeitet auch sie in Teilzeit, sechs Stunden pro Tag. Was sie antreibt, sei die Liebe zum Beruf.

Einführung des Mindestlohns im Friseurhandwerk

2013 wurde der Mindestlohn in der Friseurbranche stufenweise eingeführt. Ab 1. August 2013 bekamen Angestellte in Ost 6,50 Euro, in West 7,50 Euro.

Ein Jahr später, am 1. August 2014, stiegen die Löhne auf 7,50 Euro in Ost und 8 Euro in West.

Seit 1. August 2015 gilt nun deutschlandweit auch für Friseure ein Mindestlohn von 8,50 Euro.

„Für die Arbeitnehmer ist der Mindestlohn natürlich ein Fortschritt, für die Arbeitgeber dagegen ein Zwang die Preise zu erhöhen, da es seitens der Regierung kein steuerliches Entgegenkommen gibt“, erklärt Kanisch. Die schrittweise Anpassung über zwei Jahre sollte helfen, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Löhne gegenfinanzieren zu können. Denn in einem margenschwachen Geschäft wie der Friseurbranche stellen die Personalkosten den mit Abstand höchsten Kostenfaktor dar. 50 bis 60 Prozent der Gesamtkosten entfallen auf die Löhne, schätzt Kanisch.

Trockenhaarschnitt kostet 14,50 Euro

Karin Voigt, die einen Friseursalon in Rhinow betreibt, zahlt ihrer Angestellten bereits seit Januar 8,50 Euro pro Stunden. Die Preise hat auch sie angehoben, allerdings nur minimal, wie sie sagt. Für einen Trockenhaarschnitt bei kurzen Haaren zahlen Kunden hier zehn Euro. Diskussionen über höhere Preise gab es so gut wie keine. „Die meisten wussten es, das Thema wurde ja ausführlich in den Medien behandelt“, so Voigt. Eine wirtschaftliche Gefahr für Unternehmen sieht sie im Mindestlohn nicht: „Wer dadurch in eine finanzielle Schieflage kommt, macht etwas falsch.“

Bei Petra Kanisch kostet der Trockenhaarschnitt mittlerweile 14,50 Euro. „Ich finde es nicht richtig, dass die Politik uns dazu verdonnert den Mindestlohn zu zahlen, ohne Konsequenzen für Unternehmer zu berücksichtigen“, sagt sie. Besonders für kleine Betriebe sei es schwierig, die finanzielle Mehrbelastung abzufedern. Wenn Kunden nicht bereit sind, mehr zu zahlen um damit den Arbeitnehmern ein faires Einkommen zu ermöglichen, bleibe nur die Schließung. Deshalb wünscht sich Petra Kanisch Unterstützung vom Staat. Schließlich würde man auch in anderen Bereichen jede Menge Fördermittel investieren.

 

Von Christin Schmidt

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