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Eine Direktorin in turbulenten Zeiten

Elstal Eine Direktorin in turbulenten Zeiten

Christine Scharschmidt ist gerade 65 geworden. Im Sommer verabschiedet sich die Leiterin der Elstaler Oberschule in den Ruhestand. Aber an der Planung für eine neue Grundschule ist sie beteiligt.

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Christine Scharschmidt ist seit 1990 an der Elstaler Oberschule.

Quelle: Ralf Stork

Elstal. Das Büro von Christine Scharschmidt liegt im Altbau der Heinz-Sielmann-Oberschule in Elstal. Als sie vor 27 Jahren als Schulleiterin hierher kam, war an den lichtdurchfluteten Neubau, in dem heute der Großteil der Unterrichtsräume untergebracht ist, nicht zu denken. Heute wird sogar der Ausbau des Standortes zum Schulzentrum geplant: Auf der Grünfläche, auf die man aus ihrem kleinen Zimmer blickt, könnte in ein paar Jahren eine neue Grundschule stehen.

Das Schuljahr 2017/2018 wird das letzte für Christine Scharschmidt sein. Gerade hat sie ihren 65. Geburtstag gefeiert. Im Sommer geht sie in den Ruhestand. Grund genug, um auf ihre turbulente Lehrerlaufbahn zurückzublicken: Scharschmidt wurde 1953 in Erfurt geboren und kam 1971 zum Studium nach Potsdam. „Ich hatte gehört, dass Potsdam so eine schöne Stadt ist, und eine Uni, direkt neben dem Park vom Schloss Sanssouci fand ich auch eine sehr schöne Vorstellung“, sagt Scharschmidt und lacht.

Ihr studentisches Leben war nämlich doch weniger malerisch als erträumt: Im Studentenwohnheim musste sie ihr Zimmer mit sieben Kommilitonen teilen. Nach ihrem Lehramtsstudium für die Fächer Mathe und Chemie hängte sie trotzdem noch drei weitere Jahre an der Uni dran: Ein Forschungsstudium in organischer Chemie, das sie mit der Doktorarbeit abschloss. Immerhin hatte sich die Wohnsituation deutlich verbessert. Weil sie während des Studiums geheiratet hatte, konnte sie mit ihrem Mann in ein sogenanntes Ehepaarzimmer umziehen.

Nach dem Studium ging sie nicht direkt in den Schuldienst, sondern gemeinsam mit ihrem Mann für drei Jahre nach Mozambique. „Da wurden dringend Lehrer gesucht, deshalb sind wir da hin.“ Ein Internat für 700 Schüler, ohne fließend Wasser, mitten im Busch. Unterrichtssprache portugisisch. „Ein halbes Jahr haben wir fast nichts anderes gemacht, als Vokabeln zu pauken. Jeden Tag 40 neue Wörter“, erinnert sich Scharschmidt.

1981 folgte die Rückkehr nach Wustermark, ihre beiden Söhne wurden geboren, 1985 begann sie als stellvertretende Schulleiterin in Wustermark und wechselte im Februar 1990 als Schulleiterin nach Elstal.

„Das waren sehr turbulente Zeiten“, sagt sie. Die Wiedervereinigung war bereits im vollen Gange. Die polytechnischen Oberschule musste zur Gesamtschule umgeformt werden und wurde erst einmal stark verkleinert. Die Klassen 1 bis 6 wanderten zur Grundschule in Wustermark ab. Zurück blieben insgesamt nur acht zum Teil sehr kleine Klassen in einem stark renovierungsbedürftigen Gebäude.

Auch in der Lehrerschaft gab es damals kaum Kontinuität. Viele Lehrer wechselten an andere Schulen und mussten ersetzt werden. „Es dauerte eine Zeit, bis das neue Kollegium zu einer Einheit zusammen gewachsen war. Die 90er-Jahre waren ein echter Überlebenskampf für die Schule“, sagt Scharschmidt.

2000 erfolgte eine erste wichtige Weichenstellung für die heutige Schule: Um die Berufschancen der Absolventen zu verbessern, wurde die enge Kooperation mit der Wirtschaft gesucht. Dazu gehören unter anderem Schnuppertage in verschiedenen Betrieben der Region, Bewerbungstraining, Berufsberatung und Praktika.

Der nächste wichtige Schritt erfolgte Anfang des neuen Jahrtausends. Da entschloss sich die Gemeinde, den Schulstandort zu erhalten und auszubauen. Der schöne Neubau wurde 2007 eröffnet. „Spätestens ab da ging es richtig aufwärts. Von den Schülern hören wir immer wieder, dass es Spaß macht, in den neuen Räumen zu lernen“, erzählt die Leiteri. 2012 erfolgte die Umbenennung in „Heinz-Sielmann-Oberschule“ mit einer Kooperation mit der Heinz-Sielmann-Stiftung in Elstal.

Weil mittlerweile auch der Übergang zur Ganztagsschule abgeschlossen ist, kann die Schulleiterin eigentlich mit gutem Gewissen ihrem Ruhestand entgegensehen. Zumal sie dafür gesorgt hat, an der weiteren Planung für die Schule möglichst viele Personen zu beteiligen. „Vor einigen Jahren haben wir einen Schulleitungsbeirat installiert, der bei allen wichtigen Themen mitentscheidet. Das sichert die Kontinuität bei der Planung.“ Am Anfang sei es ihr nicht leicht gefallen, einen Teil der Verantwortung abzugeben, gibt sie zu. Inzwischen hat sie sich gut damit arrangiert. Weil das so ist, wird ihr der Abschied im Sommer vielleicht nicht ganz so schwer fallen.

Von Ralf Stork

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