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„Eine Komposition ist immer fürs Volk“

MAZ-Interview zur Havelsinfonie „Eine Komposition ist immer fürs Volk“

Kulturstaatssekretär Martin Gorholt kennt sie bereits, der Buga-Beauftragte des Landkreises Havelland Bruno Kämmerling ebenso und auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier dürfte sie schon im Ohr haben – die sinfonische Dichtung „Die Havel“. Komponist Marian Lux hat den Fluss vertont. Im MAZ-Gespräch erläutern er und Michael Omilian, wie es dazu kam.

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Musikmanager Michael Omilian (links) und Komponist Marian Lux auf der Havel.

Quelle: Ch. Schmidt

Havelland. MAZ: Herr Lux, hatten Sie sich vor der Arbeit schon mal intensiver mit dem Fluss befasst?
Marian Lux: Nein, beschäftigt mit der Havel habe ich mich erst, als der Auftrag kam und so richtig tatsächlich erst, als wir sie abgefahren sind. Das war der mentale Startpunkt für die Arbeit. Und ich glaube, das hört man auch in der Komposition.

Wie hört man diese Flussfahrten in dem Stück heraus?
Lux: Die ganze Komposition hat insgesamt etwas sehr Bewegendes, das ist ja klar, wenn man einen Fluss vertont. Es gibt ein Hauptthema für die Havel und die Idee dazu kam mir tatsächlich auf dieser Flussfahrt. Es ist ein sehr unspektakuläres, einfaches, unaufgeregtes Thema, was trotzdem eine Bewegung hat und sehr emotional ist.

Wie sind Sie an die kompositorische Arbeit herangegangen?
Lux: Ich hatte natürlich Ideen im Kopf. Ich dachte: Cool, Fluss, ich mach da so eine riesengroße Musik, und dann bin ich auf der Havel entlang gefahren und dachte: Ok, es darf überhaupt nicht so groß werden, nur an einigen Stellen. Ich erinnere mich, wie wir gefahren sind und auf einmal ging dieser riesige See auf, der Breitlingsee. Das war ein sehr magischer Moment. Aber der Fluss an sich hat doch etwas wahnsinnig Idyllisches und das bedient das Hauptthema.
Michael Omilian: Ich weiß noch wie dieser Kranich losflog, auch so ein Moment. Da merkte ich einfach diese Meilensteine, diese Entwicklung.
Lux: Vögel sind auch ein wichtiger Punkt in der Komposition geworden. Ganz einfach auch, weil ansonsten drumherum nicht so viel ist.

Welche Rolle spielen die Menschen der Region in Ihrem Werk?
Lux: Ich habe von Anfang an gesagt, dass es mir wichtig ist, dass jeder die Komposition versteht und etwas damit anfangen kann – auch jeder Dorf- und Stadtbewohner aus dem Havelland. Ich wurde oft gefragt, was für mich das Brandenburgische ausmacht und was davon in der Komposition wiederzufinden ist.

Sie sind Brandenburger. Spiegelt sich auch ein Teil Ihres Charakters in der Komposition?
Lux: Definitiv. Es spiegeln sich sogar viele Charakterzüge von mir wider. Die ganze Bandbreite. Zum Beispiel die dunkle Seite. Es gibt einen Teil im Werk, der ziemlich düster ist und die Havel beschreibt, wenn sie stürmisch ist oder mal über die Ufer tritt. Dann gibt es die romantische Seite. Es gibt einen Teil, der Flusslichtung heißt und sehr romantisch und liebevoll ist. Und es wird auch mal sehr lustig.

In einem Interview haben Sie verraten, dass Sie oft nachts an der Havel geschrieben haben, warum?
Lux: Tagsüber hast du viel Ablenkung. Umso mehr diese abnehmen, umso besser funktioniert meine Vorstellungskraft. Zumindest wenn es um kreative Prozesse wie Themenfindung geht.

 Ein gutes Jahr haben Sie an dem Werk gearbeitet. Hat sich währenddessen Ihr Blick auf den Fluss verändert?
Lux: Sagen wir mal, er hat sich erweitert. Der Fluss ist geblieben, wie ich ihn kannte. Aber durch die Komposition sind noch andere Aspekte hinzugekommen. Die Sage vom Untergang von Wust war zum Beispiel eine tolle Inspirationsquelle.
Omilian: Innerhalb der Komposition haben wir diesen Teil übrigens als Sturm bezeichnet.

Wie ist die Komposition aufgebaut?
Omilian: Das Werk besteht aus neun Abteilungen und beginnt mit den Quellen. Die Havel hat ja nicht nur eine Quelle. Sie wird danach zu einem kleinen Flüsschen. Der stürmische Teil, also die dunkle Havel, hat einen gewaltigen dramaturgischen Anteil und danach wird sie wieder sanft und alles wird ausgeglichen fließend.

Und wie endet das Stück?
Lux: Es endet in der Tat so, wie die Havel auch endet. Sie wird ja verschlungen von der Elbe. Im letzten Teil der Komposition schiebt sich die Elbe musikalisch immer weiter an die Havel heran. Man hört ein tiefes Blechbläserthema, was viel größer ist als das Havelthema. Es kommt erst ganz leise, wird immer lauter, strahlt am Ende über die Havel hinaus und verschluckt quasi das Havelthema. Und danach gibt es noch eine ganz kleine Reminiszenz an Herrn Smetana.
Omilian: Das heißt dann bei uns die Verneigung.

CD und noch ein Konzert

Die Idee zu der Sinfonie hatte der Musikmanager Michael Omilian. Die Finanzierung teilen sich der Rotary Club Havelland und das Ministerium für Kultur des Landes Brandenburg. Der Rotary Club Havelland hat die Havel-Sinfonie zu seinem Projekt zur Bundesgartenschau 2015 gemacht.
Am 13. Juni wird die Havel auf dem Landgut A. Borsig vom Filmorchester Babelsberg uraufgeführt. Das Konzert findet im Rahmen der Havelländischen Musikfestspiele statt. Die Organisatoren rechnen mit bis zu 1000 Gästen.
Karten für das Konzert können unter Tel. 033237/85963 oder per E-Mail karten@havellaendische-musikfestspiele.de bestellt werden.
Zeitgleich mit der Uraufführung wird „Die Havel“ auch auf CD veröffentlicht. Auf dem Tonträger ist außerdem das Werk „Dreamwalks“ von Marian Lux, „Berge und Meer“ von Jörg Iwer und ein weiteres Werk komponiert von Lux, geschrieben und gesungen von Gayle Tufts.
Weitere Aufführungen der Havel-Sinfonie während der Bundesgartenschau sind in Vorbereitung. In Rathenow wird es in diesem Sommer noch ein Konzert unter dem Motto „Moldau trifft Havel“ geben, bei dem die Lux-Sinfonie gespielt wird.
Derzeit proben das Filmorchester Babelsberg und der Komponist fleißig an der Sinfonie. Die Instrumentalisten zeigten sich genauso begeistert von dem Stück wie die Rotarier des RC Havelland bei einer ersten Hörprobe.

War Smetanas Moldau auch eine Inspirationsquelle?
Lux: Natürlich haben mich das viele gefragt, aber ich habe von vornherein gesagt, den Kampf verliere ich sowieso, den will ich erst gar nicht aufnehmen. Weil er es einfach so fantastisch komponiert hat und die Havel ist auch ganz anders geworden.

Herr Omilian, können Sie kurz beschreiben, wie Sie auf die Idee gekommen sind, die Havel zu vertonen?
Omilian: Als ich damals las, dass die Buga entlang der fünf Standorte am Blauen Band der Havel stattfindet, habe ich gesagt: Es gibt die Moldau und die Rheinische Sinfonie, kann es nicht auch die Havel geben? Es lag einfach auf der Hand.

Wie ist es für Sie als Ideengeber das fertige Stück jetzt zu hören?
Omilian: Es ist schon ein gewaltiges Erlebnis, auch emotionaler Art. Das Baby bekommt plötzlich Kopf und Körper und ist nicht mehr nur imaginär vorhanden, sondern es entwickelt sich. Die Studioarbeit war für mich unglaublich wichtig. Am 30. März hatten wir das Stück vor den Rotariern präsentiert, die auch Hauptsponsor sind. Das ist super angekommen.

Warum haben Sie ganz gezielt Marian Lux ausgewählt?
Omilian: Ich weiß, wie er schreibt. Ich kannte von ihm ein sinfonisches Werk und es hat mich inspiriert, wie er sinfonisch denkt. Seine Fähigkeiten als Pianist, als Arrangeur, als Musiker – das war für mich klar und genauso habe ich mir das auch vorgestellt.
Lux: Ich kann die eine oder andere Angst sehr gut verstehen. Es hätte ja auch sein können, dass ich ein total modernes Werk schreibe. Es war aber schnell klar, dass es keine zeitgenössische Komposition sein kann, sondern dass es ein Thema sein muss, das die Menschen mental berührt und wo sie ihre Interpretationen wiederfinden. Denn letztlich ist eine Komposition immer etwas fürs Volk.

Was erhoffen Sie sich für „Die Havel“?
Lux: Ich wünsche mir, dass die Menschen den Fluss erkennen und die Musik emotional mit der Havel verbinden. Dass sie da sitzen, die Augen zumachen und den Fluss sehen. Egal welche Stelle sie sehen, wichtig ist, dass jeder seinen Fluss sieht und erkennt, dass ist nicht der Rhein und auch nicht die Moldau, sondern das ist die Havel.
Omilian: Und diese Eigenständigkeit ist mit Gewissheit voll getroffen.

Was glauben Sie, wird die Havel noch in 100 Jahren gespielt und wenn ja, warum?
Omilian: Ja, denn wir wollen einen Nachhalleffekt schaffen. Das war auch der Grund, warum wir für dieses Projekt Fördermittel akquirieren konnten. Wie wollten nicht nur etwas für ein Event erschaffen. Es gibt viele Veranstaltungen und Gelegenheiten, zu denen die Havel hervorgeholt werden kann. Natürlich muss sie nicht jedesmal mit Orchester gespielt werden, deshalb haben wir auch eine CD produziert. Ich habe nicht den Anspruch einer Hymne, aber eines symphatischen Stückes für die Region.

Die Havel wird also nur in Brandenburg gespielt?
Omilian: Nein. Das Stück kann in großen Konzerten gespielt werden. Zum Beispiel wie das in Rathenow geplante Konzert „Moldau trifft Havel“.

Interview: Christin Schmidt

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