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Havelland Eine Mauer zieht sich durch Rathenow
Lokales Havelland Eine Mauer zieht sich durch Rathenow
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02:15 29.01.2016
Kunstaktion der „Freunde der toten Kinder“: Eine Mauer als Symbol für Unfreiheit, Hass und Unterdrückung. Quelle: Fotos: Ch. Schmidt
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Rathenow

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr versammelten sich am Dienstagabend im Rathenower Stadtzentrum Asylbefürworter und -gegner. Auf dem Märkischen Platz forderten etwas mehr als 300 Anhänger des asyl- und regierungsfeindlichen Bürgerbündnisses Havelland die sofortige Abschiebung krimineller und abgelehnter Asylbewerber. Nur wenige Meter weiter bot das Aktionsbündnis Rathenow auf dem August-Bebel-Platz Bürgern die Möglichkeit, mit Kerzen ein Zeichen für Hilfsbereitschaft, Gastfreundschaft, Weltoffenheit und Toleranz in ihrer Stadt zu setzen. Unter den rund 100 Teilnehmern war auch Bürgermeister Ronald Seeger. „Er machte in einer kurzen Ansprache deutlich, dass die Probleme nicht zu lösen sind, wenn man nicht miteinander ins Gespräch komme.

Auch die „Freunde der toten Kinder“ hatten sich wieder mit einer Kunstaktion Aufmerksamkeit verschafft. Die anonyme Gruppe Kulturschaffender aus dem Westhavelland errichtete eine Mauer aus Pappkartons. „Unsere Stadt wird eingemauert. Eingemauert von Leuten, die lauthals schreien ’Wir sind das Volk’ – und alle ausgrenzen, die ihren Nationalismus, ihr vermeintliches Deutschsein, ihren Hass auf Presse und Politik nicht teilen“, erklärte die Gruppe in einem Schreiben an die Presse. „Wir machen diese Mauer um unsere Stadt satirisch sichtbar. Sie symbolisiert nicht Sicherheit, sondern Unfreiheit, Hass und Unterdrückung – ein Zustand, vor dem wir Rathenow gemeinsam beschützen müssen.“

Zur Kundgebung des asylfeindlichen Bündnisses waren dieses Mal trotz milder Temperaturen deutlich weniger Menschen gekommen. Organisator Christian Kaiser zeigte sich dennoch optimistisch und verkündete lautstark: „Wir kämpfen gegen die Islamisierung unserer Heimat.“ Schriftlich wolle er Bürgermeister Ronald Seeger zum Gespräch einladen, erklärte Kaiser. Der Rathenower Wolf Erler, der nicht zum ersten Mal auf einer Veranstaltung der Asylgegner sprach, warnte in seiner Ansprache vor den „fremden Eindringlingen, die immer weiter in unsere Heimat kommen“ und erntete Zustimmung für seine Worte. Als Dankeschön für die treuen Anhänger hatten die Organisatoren des Bürgerbündnisses 200 Bratwürste spendiert. Auch der zweite Demo-Abend in diesem Jahr in Rathenow endete mit einem „Abendspaziergang“ der Asylgegner durch die Innenstadt.

Weniger Anhänger als bisher zog das Bürgerbündnis am Dienstagabend auf den Märkischen Platz. Quelle: Ch. Schmidt

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Von Christin Schmidt

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