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Eine Pute wird zur Storchenmutter

Störche im Osthavelland Eine Pute wird zur Storchenmutter

Die Zahl der Jungstörche im Osthavelland ist weiter rückläufig. Wurden 2014 noch 66 gezählt, sind es 2016 nur noch 48. Allerdings registrierte der Naturschutzbund auch mehr nesttote Küken. Einen ungewöhnlichen Erfolg gab es aber dennoch.

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Immer angenommen wird das Nest auf dem Storchenhof in Paretz.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Havelland. Im Osthavelland gibt es in diesem Jahr mit 48 Jungstörchen genau drei weniger als 2015. Die fallende Tendenz wird noch sichtbarer im Vergleich zu 2014, als der Naturschutzbund 66 junge Störche registrieren konnte. Ob es sich einfach nur um geburtenschwache Jahrgänge handelt, kann die Storchenbeauftragte des Osthavellandes Claudia Jörg nicht sagen.

Was sie aber weiß ist, dass „wir dieses Jahr mindestens 17 tote Storchenküken in den Nestern hatten. Viermal so viele wie im Vorjahr.“ Einerseits würden die Horste von den ehrenamtlichen Betreuern genauer beobachtet und tote Tiere sofort gemeldet. Vielleicht seien aber auch wegen der Trockenheit und des Wasser- und Nahrungsmangels einige gestorben. „Die Küken brauchen in den ersten Lebenswochen viel Wasser und Regenwürmer, weil leicht zu schlucken sind. Um die Würmer an die Oberfläche zu locken, wäre es wichtig, dass Wiesen in der Nähe der Horste benässt würden“, sagt Jörg.

In 23 Horsten wachsen Junge auf

In 23 von 84 Horsten im Osthavelland haben die Nestbetreuer in diesem Jahr flügge Jungstörche registriert – exakt die gleiche Erfolgsquote wie 2015. „Es gibt eben Nester, in denen sich immer ein Bruterfolg einstellt und welche, in denen keine Eier liegen. Deswegen aber reißen wir solche Horste nicht ab, denn auch nach Jahren kann sich eine Änderung ergeben“, weiß Claudia Jörg.

Die 61-jährige Falkenseerin ist in diesem Jahr selbst zur Lebensretterin für ein Storchenjunges geworden. Sie kletterte hoch in ein Nest auf dem Foxberg-Hof in Paaren im Glien und entnahm dort das Gelege, weil das Muttertier zuvor schwer verletzt auf einer Wiese gefunden wurde und somit die Brut zu scheitern drohte. „In dem Nest lagen vier Eier: eines war stark verformt, zwei waren storchenuntypisch, lediglich eins sah normal aus“, erzählt sie. Besagtes Ei brachte Claudia Jörg zum Storchenhof Loburg bei Magdeburg, was nicht ganz einfach war: „Das Eis musste immer bei 38 Grad Temperatur gehalten werden“. Schließlich wurde es von einer Pute ausgebrütet und der Jungvogel dann in ein anderes Storchennest gesetzt. „Weil Störche ihre Jungen nicht zählen, hat die Aufzucht geklappt“, so Jörg.

Aus dem Nest gefallen

Ebenfalls gerettet wurde auf dem Storchenhof Loburg das Leben eines Jungvogels, der in Paulinenaue aus dem Nest gefallen war. Der Familie Kaatz auf dem Storchenhof Loburg gelingt es seit Jahren, Jungtiere aufzupäppeln. Ein Erfolgsgeheimnis ist die Art und Weise der Fütterung, erklärt Claudia Jörg: „Die Küken oder Jungtiere bekommen ihre Nahrung aus dem Schnabel einer Storchenattrappe, so dass sie immer denken, von einem Alttier gefüttert zu werden. Das ist wichtig, wenn sie später wieder in ein anderes Nest gesetzt werden.“

Die ehrenamtliche Arbeit der vielen Nestbetreuer und der Mitarbeiter des Naturschutzbundes Osthavelland sowie Fotos von kämpfenden und sich paarenden Störchen waren von Mitte Juni bis Ende Juli in der Ausstellung „Störche im Ost-Havelland“ im Fintelmannhaus in Senzke zu sehen. Mehr als 70 Besucher sahen sich die Schau an. Claudia Jörg sichert zu: „Die Ausstellung kann jederzeit auch an anderen Orten gezeigt werden. Wir würden uns freuen.“

Von Jens Wegener

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