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Havelland Mit dem Smartphone vor der Leinwand
Lokales Havelland Mit dem Smartphone vor der Leinwand
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00:28 17.10.2015
Seneit Debese von der Firma „Greta und Starks“ erläutert den Kinobesuchern, wie die kostenlose App funktioniert. Quelle: Markus Kniebeler
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Rathenow

Kino ist ein Erlebnis für (fast) alle Sinne. Doch was machen Menschen im Kino, die nicht oder nur eingeschränkt sehen und hören können? Können sie eine Filmvorführung überhaupt genießen? Dieser Frage gingen jetzt rund 250 Schüler der Duncker-Oberschule Rathenow und der Awo-Schule für Sozialwesen Premnitz nach. Im Haveltor-Kino sahen sie den französischen Film „Die Sprache des Herzens“, in dem es um die 14-jährige Marie geht, die taub und stumm geboren wird und der es mit der Hilfe einer Nonne gelingt, mit der Außenwelt zu kommunizieren.

Die Filmvorführung war Teil der Woche des Sehens, die von den beiden oben genannten Schulen und dem Blinden- und Sehbehindertenverband gemeinsam veranstaltet wird. Die Schüler sollen sich im Besonderen mit dem Thema Blindheit befassen, aber auch ganz allgemein mit der Lebenssituation behinderter Menschen auseinander setzen.

Der Inhalt des Films passte also genau zum Thema der Woche. Wird in dem Werk des Regisseurs Jean-Pierre Améris doch einfühlsam gezeigt, wie ein Kind mit einer starken körperlichen Beeinträchtigung in die Welt der „Gesunden“ integriert wird. „Meine Schüler waren von der bewegenden Geschichte sehr angetan“, sagt Kerstin Müller, Leiterin der Premnitzer Schule für Sozialwesen. „Und weil zum späteren Berufsalltag auch der Umgang mit behinderten Menschen gehört, hat der Film auch in pädagogischer Hinsicht einiges gebracht.“

Schüler erweiterten ihren Horizont

Doch nicht nur das Thema des Films erweiterte den (pädagogischen) Horizont der Schüler, auch die Art der Rezeption eröffnete ihnen neue Perspektiven. Denn vor der Vorführung stellte Seneit Debese, Geschäftsführerin der Berliner Firma „Greta und Starks“, zwei kostenlose Apps vor, die hör- und sehbehinderten Menschen einen wahren Kinogenuss ermöglichen. Hörgeschädigten werden synchron zum Filme Untertitel auf das Smartphone geschickt, die sie dann vom Display ablesen können. Sehbehinderte erhalten über Kopfhörer einen ebenfalls mit dem Film synchronisierten Audiokommentar, der in groben Zügen das beschreibt, was auf der Leinwand zu sehen ist. Die Dialoge und den Sound des Films bekommen sie ja ohnehin mit.

Dank dieser Technik hätten sich die Schüler ganz realistisch in die Lebenssituation behinderter Menschen hineinversetzen können, sagte Kerstin Müller. „Wer verstehen will, was Menschen mit Behinderung bewegt, der muss sich in sie hineinversetzen können.“ Genau das sei Sinn und Zweck der Filmvorführung gewesen. Einige Schüler hätten ihr nach der Vorführung sogar mitgeteilt, das Kinoerlebnis durch die Zusatztechnik noch intensiver erlebt zu haben.

Am Ende des Filmnachmittags gab es im Foyer des Kinos ein kleines Buffet und dabei ausreichend Gelegenheit, sich über den Film und die besondere Art der Vorführung auszutauschen.

Von Markus Kniebeler

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