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Havelland „Eine ganz neue Freiheit“
Lokales Havelland „Eine ganz neue Freiheit“
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07:06 13.08.2014
Spezielle Unterlage, die Linkshändern die Haltung beim Schreiben erleichtern soll. Quelle: Daniel Reinhardt

MAZ: Frau Neumann, wie sind Sie Linkshänderberaterin geworden?

Marina Neumann: Ich war selbst umgeschulte Linkshänderin. Das war die Ursache von vielen Problemen, die ich seit meiner Kindheit hatte. Wie sehr die Umschulung auf rechts mein Leben beeinträchtigt hatte, realisierte ich aber erst 1999, im Alter von 47 Jahren. Ein Bekannter hat mich wiederholt darauf aufmerksam gemacht. Ich habe viel recherchiert und mich dann ganz langsam und behutsam auf links zurückgeschult. Das war eine ganz neue Freiheit. Im Laufe der Zeit hat sich das herumgesprochen und dann kamen etwa Anfragen von Müttern, die wissen wollten, ob ihre Kinder Linkshänder sind. Auch Erwachsene meldeten sich. So kam ich zu meinem Beruf.

MAZ: Was genau machen Sie in der Linkshänderberatung?

Neumann: Da viele Betroffene nicht wissen, ob sie wirklich Linkshänder sind, muss das zunächst geklärt werden – mit einem komplexen Händigkeitstest. Der besteht aus einem Erstgespräch, praktischen Aufgaben und verschiedenen Malaufgaben. Nicht alle Menschen, die zu mir kommen, sind auch tatsächlich Linkshänder, aber viele. Wenn sie ihre Linkshändigkeit wiederentdecken, sind das oft sehr emotionale Momente. Viele fangen an zu weinen.

Berät Linkshänder und half sich einst selbst: Marina Neumann. Quelle: Privat

MAZ: Wie geht es dann weiter?

Neumann: Wenn die Menschen ihre Linkshändigkeit akzeptieren und sich für die Rückschulung entscheiden, unterstütze ich sie. Das Umstellen auf links gelingt nicht von heute auf morgen. Ich gebe den unterdrückten Linkshändern einfache Schreibübungen mit nach Hause. Nach einiger Zeit kommen sie wieder in die Praxis um den Lernstand zu besprechen und bekommen neue Übungen.

MAZ: Sollten sich Betroffene denn unbedingt zurückschulen lassen?

Neumann: Wie gesagt, das kann man nicht pauschal sagen, jeder muss es für sich entscheiden. Wer wirklich dazu bereit ist, kann ganz neue Seiten an sich entdecken und sich dadurch befreiter fühlen.

MAZ: Was hat das Unterdrücken von links mit Ihnen gemacht?

Neumann: Schreiben und Lernen fiel mir als Kind sehr schwer. Ich konnte nicht schön schreiben, der Füller ging immer wieder kaputt. Es gab viel Ärger in der Schule und mit meinen Eltern – ich verstand nicht warum. Ich litt an Konzentrationsstörungen und Bauchschmerzen. Die Gehirnhälften des Menschen sind diagonal mit den Händen verknüpft. Linkshänder haben eine stärkere rechte Gehirnhälfte und andersherum. Als gezwungene Rechtshänderin habe ich meine schwache, linke Gehirnhälfte stärker beanspruchen müssen. Als Jugendliche merkte ich, dass ich eigentlich nicht blöd bin. Aber ich wusste nicht, warum mir alles so schwerfiel und ich mich nicht auf mich selbst verlassen konnte. Das war ein schreckliches Gefühl. Betroffene leiden etwa an migräneartigen Kopfschmerzen, Burn-Out-Syndrom, Depressionen oder Essstörungen.

Verwirrte Gegner und umgespannte Saiten

„Es ist immer gut, einen Linkshänder im Verein zu haben“, erzählt Tischtennis-Trainer Olaf Verdonschot. Er trainiert Kinder und Jugendliche von fünf bis 17 Jahren in den Vereinen SV Falkensee-Finkenkrug und SV Motor Falkensee. Linkshänder seien laut Verdonschot eher die Ausnahme, daher könnten sie bei Tischtennis-Turnieren sehr gut punkten. Das Gleiche gelte für den Tennissport.
„Der wichtigste Schlag ist der diagonale Topspin“, erklärt Verdonschot. Dabei mache der Linkshänder mehr Druck auf die Rückhand des Gegners, statt wie der Rechtshänder auf die Vorhand. Der Gegner müsse sein Konzept dann komplett umstellen und wird zunächst verwirrt. Gerade in einem Rechtshänder-Linkshänder-Doppel könnten die Spieler die Gegner so gut austricksen.

Quelle: dpa-Archiv

In anderen Sparten kann die Linkshändigkeit auch Nachteile haben – was sich vor allem in höheren Preisen des Equipments niederschlägt. Im Sport ist das beispielsweise beim Golf der Fall. In der Musik betrifft es einige Instrumente. „Linkshändige Gitarrenschüler werden bei uns seitenverkehrt unterrichtet“, erzählt Oliver Fach, Gitarrenlehrer und Leiter der Musikschule „Amadeus“.

Ob die Schüler Links- oder Rechtshänder sind, sei die erste Frage, die Fach ihnen in der Probestunde stelle. Für die Musiklehrer sei das Umdenken nicht kompliziert. Bei einfachen Akustikgitarren könnten dann die Gitarren-Saiten umgekehrt aufgezogen werden und die Schüler würden seitenverkehrt unterrichtet. „Bei E-Gitarren ist das aufgrund der asymmetrischen Bauweise nicht ganz so einfach möglich“, sagt der Musiker. Hier gebe es spezielle Linkshändermodelle, die nach Schätzung von Fach jedoch etwa zehn bis 20 Prozent teurer seien. „Die Auswahl ist leider auch sehr viel geringer“, sagt er. Im Prinzip könnten Gitarristen ihre Rechtshändergitarre jedoch auch links herum spielen. „So hat Jimi Hendrix das ja auch gemacht – sieht zwar komisch aus, funktioniert technisch aber einwandfrei.“

MAZ: Warum gilt rechts als die normale dominante Hand?

Neumann: Das liegt nicht daran, dass mehr Menschen Rechtshänder sind. Ich denke, dass es in etwa gleich viele Links- und Rechtshänder gibt. Das ist aber nicht wissenschaftlich belegt. Statistiker gehen von zehn  bis 15 Prozent Linkshändern in der Bevölkerung aus. Viele umerzogene Linkshänder wissen gar nicht, dass sie umgeschult wurden. Das höhere Bewerten von Rechtshändigkeit hat vor allem einen religiösen Ursprung. Im Christentum, wie auch im Islam und im Hinduismus ist links negativ konnotiert. Im Jüngsten Gericht sitzen die Guten auf der rechten Seite Gottes, die Schlechten links. In der arabischen Welt gilt die linke Hand als unrein, damit wird der Allerwerteste gereinigt. Es gibt viele Redewendungen, in denen links schlechter dasteht: Zum Beispiel mit dem linken Fuß aufstehen oder jemanden linken.

MAZ: Brauchen wir heute noch einen Weltlinkshändertag?

Neumann: Ja! Die Realität sieht so aus, dass es auch heute noch viele unterdrückte linkshändige Kinder gibt, auch wenn seit den 1990er- Jahren im Schulgesetz festgeschrieben ist, dass Schüler nicht mehr zum Schreiben mit rechts gezwungen werden sollen.

MAZ: Wie kann das sein?

Neumann: Die Umgewöhnung auf das „richtige Händchen“ geschieht vor dem Schuleintritt. Kleinkinder ahmen etwa ihre rechtshändigen Geschwister oder Eltern nach. Und Erzieher oder Eltern achten oft nicht genug darauf, welche Hand bei den Kleinen die dominante ist und geben ihnen den Löffel oder Stift in die rechte Hand. Das Problem von unterdrückter Linkshändigkeit wird viel zu wenig ernst genommen. Deshalb ist der Weltlinkshändertag auch heute immer noch wichtig.

Weltlinkshändertag

Am 13. August ist der Internationale Linkshändertag, der 1976 von dem US-amerikanischen Linkshänder Dean Campbell ins Leben gerufen wurde.
Der 13. August 1976 fiel auf einen Freitag, Campbell wählte den Tag bewusst – für linkshändige Pechvögel.
Campbell gründete 1975 die „Lefthanders International“ als weltweit erste Vereinigung für Linkshänder.
Passend zum Linkshändertag erscheint Marina Neumanns Buch „Natürlich mit links“ über die Rückschulung bei Erwachsenen.

Interview: Anja Meyer

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