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Havelland Eine spannende Zeit
Lokales Havelland Eine spannende Zeit
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16:33 22.02.2018
Künstler Jörg Bringmann aus Elstal mit Pflegestationsleiterin Bettina Reske (l.) und Mandy Böttcher, Standortleiterin Falkensee. Die Bilder in den Räumen der neuen Sozialstation in Schönwalde werden mehrere Monate hängen bleiben. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Nauen

1989, zur politischen Wende, fuhr Andrea Kotsch noch mit ihrer Schwalbe oder auch mit dem Fahrrad durchs Ländchen Friesack. Rein beruflich – als Gemeindeschwester. Ihr Arbeitgeber war der Wutzetzer Bürgermeister. „Ich hatte meine Patienten damals in Wutzetz, Damm und Zootzen“, sagt Andrea Kotsch, die täglich Spritzen gegeben und Verbände gewechselt oder aber mit dem Arzt Sprechstunden abgehalten hat. Die Patienten waren es gewohnt, dass sie ihre Gemeindeschwester vor Ort hatten.

Doch mit dem gesellschaftlichen Umbruch änderte sich dann vieles. „Anfangs wusste keiner, wie es weitergeht. Die Ängste um den Arbeitsplatz waren da“, erinnert sie sich. Auch die Patienten waren aufgeregt. Doch dann entstand die Idee, das Gemeinschaftswerk Soziale Dienste ins Leben zu rufen, um die ambulante Pflege in der Region aufrechtzuerhalten. Im September 1990 wurde der Verein gegründet. Geschäftsführerin war Cornelia Ortelbach. Viel Unterstützung beim Aufbau kam vom Fördererverein Heerstraße Nord in Spandau und seinem Chef Gerhart Ottschowski. Die Partnerschaft besteht bis heute.

„Es war eine richtige Aufbruchstimmung“, sagt Andrea Kotsch, die zu den Gründungsmitgliedern gehört und die die turbulente Zeit als „sehr spannend“ empfand. Zum 1. Januar 1991 hatte sie ihren neuen Arbeitsvertrag mit dem Gemeinschaftswerk, leitete mit ihren 26 Jahren die Sozialstation in Friesack. „Wir fingen damals mit vier Mitarbeitern an“, sagt die heutige Pflegeleiterin. Und immer weitere kamen mit den Jahren dazu. So wurden Gemeindeschwestern und Mitarbeiter der Volkssolidarität übernommen. Zudem schulte man Frauen, die mit der Wende ihren Arbeitsplatz in der Landwirtschaft verloren hatten, zu Pflegekräften um. Heute sind allein im Bereich Friesack rund 65 Mitarbeiter tätig.

Noch 1990, am 1. Dezember entstand in Falkensee die erste Sozialstation, bevor im Januar 1991 neben der in Friesack auch eine weitere in Nauen ins Leben gerufen wurde. Heute arbeiten mehr als 300 feste Mitarbeiter, größtenteils Frauen, beim Gemeinschaftswerk, das sich Anfang 2015 neu aufgestellt hat. So gibt es jetzt neben dem Verein die Gemeinschaftswerk Wohnen und Pflege GmbH. Deren Geschäftsführer ist Werner Futterlieb, der erst im Vorjahr dazugestoßen ist. Das Credo des 54-Jährigen ist: „Ambulant vor stationär“. Ein Prinzip, welches das Gemeinschaftswerk aus seiner Sicht schon frühzeitig erkannt und umgesetzt hat. „Die Tagespflege, die 1995 in Falkensee errichtet wurde, war eine der ersten im Land Brandenburg überhaupt“, sagt er. 2004 folgte dann die Tagespflege in Friesack, auch in Nauen gibt es eine.

„Wir werden niemals ein Pflegeheim bauen, sondern auch künftig unsere ambulante Ausrichtung beibehalten“, kündigt Futterlieb an. Beabsichtigt ist ein Mix aus Tagespflege, betreutem Wohnen, Wohngemeinschaften und ambulantem Pflegedienst. Das Ziel besteht darin, dass die Menschen so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung bleiben und ihr Leben dort selbstbestimmt bestreiten können. Die Betreuung erfolgt direkt vor Ort. „Sie sollen dort weiterleben können, wo die Kirchenglocken läuten, die sie ein Leben lang gehört haben, und wo sie die Nachbarn kennen“, sagt Futterlieb. Deshalb setzt das Gemeinschaftswerk verstärkt auf Dezentralisation. Im Zusammenspiel mit Privatleuten oder auch Kommunen, die für entsprechende Wohnungen sorgen, sollen in vielen Orten Wohngemeinschaften entstehen. Eine wird demnächst in Groß Behnitz eröffnen, am Standort des Pfarrhauses. In Ketzin/Havel ist für 2016 eine weitere für sieben Menschen in der alten Sparkasse geplant. Und nachdem 2015 die erste Wohngemeinschaft in Wustermark eröffnet wurde, werden im Sommer noch zwei weitere für sieben und acht Menschen gegründet.

„Auch in Falkensee haben wir im Stadtzentrum eine Wohnung vorgesehen, das Projekt steht kurz vor der Vertragsunterzeichnung“, so Futterlieb. Weil der Bedarf groß ist, hat er mit dem Gemeinschaftswerk zudem vor, unter anderem Wohngemeinschaftsplätze in Nauen zu schaffen, darunter in der einstigen Industriellenwohnung über dem Kaufhaus in der Mittelstraße. Und in Paulinenaue ist ein weiteres Projekt im ehemaligen Rinderstall des alten Gutes geplant. Darüber hinaus beschränkt sich das Unternehmen mit seinen Aktivitäten aber nicht nur aufs Havelland. „Wir haben jetzt auch den Pflegedienst im Potsdamer Oberlinhaus übernommen“, sagt der Geschäftsführer.

Ein Sache, die ihn ärgert, das sind die Baumängel im „Haus Nauen“ am Standort in der Nauener Paul-Jerchel-Straße. Das Gebäude ist mittlerweile leergezogen, die Bewohner sind unter anderem in der Nauener Dammstraße untergekommen. Laut Gutachten seien die vier Lüftungsanlagen aus brandschutztechnischen Gründen nicht für ein Alten- und Pflegeheim geeignet. „Wir wollen das Haus aber wieder in Betrieb nehmen“, kündigt Werner Futterlieb unmissverständlich an. Mitte Juni werden die Reparaturarbeiten beginnen, die Bauzeit soll rund drei Monate betragen. Dann werden wieder acht Wohnungen für betreutes Wohnen zur Verfügung stehen sowie zwei für jeweils zehn Menschen mit Pflegebedarf. Und auch die Verwaltung soll dann dort einziehen. Die alte Villa an der Straße wird vermietet.

Vorher allerdings wird kräftig gefeiert. Mit einem Fest für Jedermann will das Gemeinschaftswerk am Sonnabend, dem 28. Mai, von 11 bis 16 Uhr seinen 25. Geburtstag in der Berliner Allee 3 in Schönwalde-Glien feiern sowie gleichzeitig die Eröffnung der neuen Sozialstation an dem Standort.

Von Andreas Kaatz

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