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Einkaufstüten mit Symbolwert

Falkensee Einkaufstüten mit Symbolwert

Falkenseer unterstützen eine landesweite Aktion, um Frauen vor Gewalt zu schützen und über ein ernstes Thema aufzuklären. Die Bäckerei Exner beteiligt sich mit Einkaufstüten, die aufklären und zum Nachdenken anregen wollen.

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Flagge zeigen, heißt auch Tüte zeigen: Aktion gegen „Gewalt an Frauen" in der Falkenseer Bäckereigeschäft von Exner.

Quelle: Marlies Schnaibel

Falkensee. Zwischen Mehrkornbrötchen und Sahneschnitten gab es am Montag Vormittag in der Falkenseer Exner-Filiale eine besondere Form des politischen Kampfes: Die Bäckerfiliale beteiligt sich in dieser Woche an der Aktion gegen „Gewalt an Frauen“ und packt den Kunden die Ware in besondere Tüten ein. Es sind Tüten, die nicht vollmundig für Knackfrisches werben, sondern die sachlich über ein bitter-ernstes Thema informieren: „Gewalt kommt nicht in die Tüte!“ heißt es werbe-flott, dazu werden Informationen über Frauenhäuser, Krankenhäuser und Opferberatungsstellen gegeben.

Eine Gruppe engagierter Frauen hatte zudem einen Informationstisch aufgebaut, um mit Flyern und Direktgespräch mehr zu dem Thema zu bieten. Die Falkenseerin Dagmar von Kleist war eine von ihnen. „Ich habe in meiner Arbeit als Ärztin in einem Spandauer Krankenhaus oft Frauen gesehen, die von ihren gewalttätigen Partnern zugerichtet worden waren“, erzählte sie. Sie hat auch erlebt, wie schnell diese Frauen ihren Männern vergeben, wie sie sich nicht wehren, keine Anzeige erstatten. „Mit unserer Aktion heute wollen wir aufklären“, sagte sie, „wir wollen Frauen und Mädchen zeigen, wo und wie sie Hilfe finden können.“

Dazu werden nicht nur Flyer in Geschäften ausgelegt, dazu werden auch Passanten angesprochen. Marlies Wutta hatte noch am Wochenende Plakate gebaut, um zu informieren und mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Manuela Dörnenburg, Falkensees Gleichstellungsbeauftragte, hat Erfahrungen in solchen Aktionen und kennt auch die Reaktionen der Männer. „Da wird oft abwertend und süffisant gefragt: Tun Sie auch was für mich, für die Männer?“ Ja, auch Männern wird Gewalt angetan, aber eben deutlich weniger als Frauen, antwortet sie darauf.

„13 Prozent der Frauen in Brandenburg gehören zu Betroffenen von sexualisierter Gewalt“, sagte Heiderose Geber vom Frauenpolitischen Rat des Landes, aber nur jede 7. Betroffenen zeigt die Gewalt auch polizeilich an.

„Es geht nicht um eine Machtübernahme durch Frauen, es geht uns um ein paritätisches, gewaltfreies Miteinander“, sagte Manuela Dörnenburg. In dieser Woche wollen sie deshalb auf das Thema aufmerksam machen. Bei der Tütenaktion arbeiten dazu der Frauenpolitische Rat des Landes Brandenburg mit der Bäcker- und Konditoreninnung des Landesverbandes Berlin-Brandenburg zusammen. Mehr als 150 Bäckereien machen mit.

Die Tüten sollen einen Denkanstoß geben. Für Männer und für Frauen. „Das Thema Gewalt gegen Frauen und vor allem Vergewaltigungen ist scham- und tabubesetzt“, sagte Ulrike Legner-Bundschuh, „es braucht eine gesellschaftliche Ächtung.“ Dafür ist es wichtig, dass darüber öffentlich diskutiert wird und dass Frauen den Mut finden, ihre Peiniger anzuzeigen, dass sie sich nach einer Vergewaltigung medizinisch versorgen lassen. Das Informationsmaterial, das am Montag verteilt wurde, informiert über medizinische Soforthilfe und vertrauliche Spurensicherung.

Es ist auch ein Nachdenken darüber, wie wir in der Gesellschaft leben wollen, meinte Marlies Wutta: „Was passiert mit einem Jungen, der mit einem prügelnden Vater aufwächst. Wahrscheinlich wird er dieses Verhaltensmuster mitnehmen.“ Dieser Teufelskreis soll durchbrochen werden. „Es hat sich schon viel zum Guten getan“, sagte Manuela Dörnenburg, aber eine Frau an der Regierungsspitze löse eben nicht alle Probleme der Frauen.

Wie viel so eine Tüten-Aktion bringe, lasse sich nicht messen. Aber jede Aktion bringe etwas: Aufklärung, Hilfsangebote, Nachdenken. Die Informationswoche dauert bis zum Sonnabend, dem internationalen Tag „Nein zu Gewalt an Frauen“. Dazu wird es am Freitag vor dem Falkenseer Rathaus eine symbolische Aktion geben, wird die Fahne „Frei leben“ gezeigt.

Von Marlies Schnaibel

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