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Einmal Kartoffelsalat, bitte

Flüchtlinge aus Eritrea arbeiten bei der Nauener Tafel Einmal Kartoffelsalat, bitte

Seit einigen Monaten sind Senait, Beilul und Weikktu aus Eritrea in Deutschland. Sie leben in der Friesacker Asylunterkunft, haben sich dort kennengelernt. Gemeinsam mit weiteren Eritreern arbeiten sie seit knapp drei Monaten bei der Nauener Tafel, helfen in der Küche und in der Essensausgabe. Das Tafel-Team freut sich über die Unterstützung.

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Gute Stimmung in der Nauener Tafel.

Quelle: Laura Sander

Nauen. Eine Kartoffel nach der anderen fällt akribisch geschält in den riesigen Topf. Die drei jungen Frauen unterhalten sich leise und zurückhaltend. Sie lachen und wirken zufrieden. Senait, Beilul und Weikktu kommen ursprünglich aus Eritrea und sind seit einigen Monaten in Deutschland. Sie leben in der Friesacker Asylunterkunft, haben sich dort auch kennengelernt. Gemeinsam mit vier Männern, die ebenfalls aus Eritrea stammen, arbeiten sie seit knapp drei Monaten in der Nauener Tafel, helfen in der Küche und in der Essensausgabe. Die Männer sortieren Obst und Gemüse oder fahren mit den Tafel-Mitarbeitern Spenden abholen. „Sie sind eine große Hilfe für uns“, sagt Tafel-Chefin Marina Sult. „Am Anfang mussten wir noch viel erklären, aber das ist ja klar. Jetzt arbeiten sie schon sehr selbstständig, vor allem gewissenhaft und ordentlich.“

Fast lautlos und mit einem freundlichen Lächeln bewegen sich die Männer und Frauen durch die Räume der Nauener Tafel. Sie wissen wo sie gebraucht werden, sehen anfallende Aufgaben und packen mit an. Ein leises „Danke“ oder „Guten Appetit“bringen sie heraus, mit der deutschen Sprache fühlen sie sich ansonsten noch unsicher, wie sie selber sagen. „Seit ein paar Wochen machen wir einen Deutschkurs. Das hilft natürlich sehr“, erzählt die 19-jährige Senait. „Außerdem ist die Arbeit in der Tafel ist eine gute praktische Übung für uns – hier lernen wir eigentlich am meisten.“ Mit den Tafel-Mitarbeitern üben sie die Grundlagen der Umgangsformen, Zahlen und Wörter, die in der Essenausgabe wichtig sind, wie beispielsweise „Kartoffelsalat“. Leider war der Deutschkurs auch der Grund, warum Senait und die anderen in den vergangenen Wochen selten bis gar nicht in Nauen aushelfen konnten. „Sie haben gefehlt. Mittlerweile haben wir aber eine gute Lösung gefunden“, sagt die Tafel-Chefin. „Der Kurs findet für uns jetzt nur noch drei Mal in der Woche statt, damit wir zwei bis drei mal pro Woche in der Tafel arbeiten können“, so Beilul.

Mit Bus und Bahn pendeln die Eritreer zwischen Friesack und Nauen hin und her. „Das macht uns nichts aus. Wir sind dankbar für jede Abwechslung“, sagt der 37-jährige Azazi. In Friesack zu leben, sei zwar schön, nur eine richtige Beschäftigung würde ihnen fehlen. „Wenn wir nicht gerade im Deutschkurs sind, besteht unser Alltag häufig nur aus Schlafen und Essen. Das ist nichts für uns“, so Beilul. Von den Leuten die zur Essensausgabe kommen, hat das Tafel-Team bislang nur positive Reaktionen bekommen. „Die meisten freuen sich darüber, dass sie uns in unserer Arbeit unterstützen. Anfangs hatte ich jedoch einige Bedenken, wie die Menschen reagieren würden“, so Marina Sult.

Die Zusammenarbeit mit der Asylunterkunft in Friesack begann für die Nauener Tafel bereits im April. „In der Kinderoase haben wir gemeinsam mit Familien aus Syrien und Tschetschenien gekocht. Das war ein tolles Erlebnis und das Essen einfach himmlisch“, so Sult. Durch den anhaltenden Kontakt zu den Flüchtlingen und ihren Betreuern nach der Veranstaltung entstand schließlich die Idee, einigen Friesacker Bewohnern die Chance zu geben, bei der Tafel mit anzupacken und sich etwas dazu zu verdienen. Rund 80 Euro haben die Flüchtlinge so am Ende des Monats mehr. Besonders für die 18-jährige Beilul ist der finanzielle Aspekt entscheidend. Sie möchte im Januar in Berlin heiraten. Die Mitarbeiter der Nauener Tafel und Chefin Marina Sult sind natürlich auch eingeladen.

Von Laura Sander

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