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Einmal am Glücks-Tau ziehen

Rund 1000 Besucher beim Dorffest Markee Einmal am Glücks-Tau ziehen

Höhepunkt des bunten Festes am Sonnabend war das Tauziehen. Dabei setzten sich die Gastgeber aus Markee gegen Lietzow und Berge durch. Die Markeer waren stolz, die Berger traurig. Sie hatten den Wanderpokal nach zwei Siegen in den Vorjahren wieder in ihr Dorf holen wollen.

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Die Siegermannschaft aus Markee beim Tauziehen.

Quelle: Wolfgang Balzer

Markee. Den Jüngsten aus der Markeer Kita „Kunterbunt“ schien die lähmende Hitze am Sonnabendnachmittag kaum etwas auszumachen. In ihren bunten Kostümen spielten und tanzten sie zur Eröffnung eines Festes, dass es in Markee so seit 18 Jahren nicht mehr gegeben hat, wie sich Ortsvorsteher Ralph Bluhm erinnerte. Damals, 1997, war es die Feier zum 800-jährigen Bestehen des Ortes, diesmal das Nauener Ortsteilfest. Und bereits zu dieser frühen Nachmittagsstunde sahen sich an die 1000 Festgäste unter den Schatten spendenden Bäumen das Programm der Jüngsten des Ortes an, ließen ihre Sprösslinge beim örtlichen Reit- und Fahrverein eine Rund reiten oder beim 1946 gegründeten Fußballclub FC Markee auf die Torwand schießen. „Ich muss das erst richtig mitkriegen“, mühte sich Maximilian (10) beim Poolangeln. Manfred Sauerbaum vom 1973 gegründeten Anglerverein und Ortsbeiratsmitglied zeigte mit scheinbar unendlicher Geduld, wie man richtig wirft. Plötzlich war es mit der beschaulichen Ruhe auf dem Dorfanger vorbei. Die Feuerwehr rückte mit Sondersignal an. Meterhoch schlugen die Flammen. Doch damit war in sekundenschelle Schluss. Die sechs Eleven der erst vor zwei Jahren gegründeten Jugendfeuerwehr hatten bei dieser Übung ihr Können bewiesen. Beschaulicher ging es indessen an der benachbarten Christuskirche zu. Die Seniorinnen des Ortes hatten noch am Vorabend die Fläche davor und die Kaffee-Tafel darauf hergerichtet. Hans-Georg Dürr, ehemaliger Ortspfarrer, führte durch die vollbesetzte Kirche. „Die Kirchentür klemmt, der Außenputz bröckelt“, nannte er den Verwendungszweck der bescheidenen Einnahmen des Tages. Kuchen waren auf dem Festplatz auch bei der Kita Kunterbunt im Angebot. Fast 30 verschiedene, wie Leiterin Silke Finke erzählte. Muttis, Omas, Tanten, sie alle hätten sich beteiligt. „Die Einnahmen werden in neues Sandspielzeug angelegt. Und für unsere neue Küche brauchen wir noch einiges“, merkte sie an. In dieser Minute setzte sich auf der Straße am Festplatz eine ungewöhnliche Fahrzeugkolonne in Bewegung. Trabant-Cabrio mit Queck-Junior am Haken, zwar alte aber aufgehübschte Landmaschinen, unzählige Mopeds und Motorräder aus DDR-Zeiten – mehr als 40 Oldtimer aus dem Ort waren aufgefahren und wurden gebührend begutachtet. Roland Bergemann mit seinem Deutz, Baujahr 1965, hatte den Hänger zur Familienkaffeestube umfunktioniert. Stolz zeigt er an der Motorhaube des wie neu aussehenden Treckers auf ein Foto. „Das sind Mama und Papa, die haben den Deutz für die Landwirtschaft genutzt. Ich mache nur noch Heu damit“, erzählte er am Rande des Geschehens. Dort öffnete gerade Reinhard Störmer die Kisten und ließ genau 122 weiße Brieftauben über den Festplatz flattern. Hier präsentierten sich alle Vereine des Ortes, auch die Fazenda und die Havellandschule. An deren Stand war Basteln von Filzblumen angesagt. „Das sind alles Arbeiten der Werkstufenschüler (16-18 Jahre)“, erzählte Schulleiterin Brigitte Großer und zeigte auf alle die hübschen Gefäße, Sparschweine und Untersetzer aus Keramik.

Gegen 16.30 Uhr bahnte sich das Spektakel des Tages an. Ein dickes Seil wurde ausgelegt, sorgfältig Grenzlinien markiert und die Kräftigsten aus Lietzow, Markee und Berge taxierten erst mal ihre Gegner. Minutenlang und mit äußerster Kraftanstrengung aber auch unter den Anfeuerungsrufen hunderter Zuschauer rangen die Markeer mit den Lietzowern beim Tauziehen um jeden Zentimeter. Es ging hin und her. Schließlich hatten die Gastgeber das Quäntchen Kraft mehr auf ihrer Seite, dann auch noch gegen Berge! Ortsvorsteher Ralph Bluhm war mächtig stolz über den Gewinn des Wanderpokals. Manuel Meger und seine Mannschaft aus Berge dagegen weniger. Ihr festes Ziel war es, nach zwei Siegen in den Vorjahren den Pokal endgültig nach Berge zu holen. Der späte Nachmittag war offensichtlich den starken Männern vorbehalten. Die Schlangen an den Eis- und Getränkeständen waren ein wenig kürzer geworden, als Patrik Baboumiam, einer der stärksten Männer Deutschlands und seit zwei Jahren zufriedener Markeer Neubürger, zu einem Spektakel auf die Dorfstraße einlud. Knapp vier Zentner galt es als Anfangsgewicht über die Straße zu schleppen.

„Ich bin stolz auf die Mitwirkung so vieler Markeer beim ersten Ortsfest nach 18 Jahren“, bilanzierte der Ortsvorsteher als sich die Festwiese langsam leerte. Dafür füllte sich die aufwändig dekorierte Scheune zusehends – für den Ausklang des Ortsteilfestes. Der Organisator des nächsten wird allerdings noch gesucht.

Von Wolfgang Balzer

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