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Einsam im Havelland genießen

MAZ-Serie zur Fußball EM Einsam im Havelland genießen

Der Ball rollt in Frankreich. Endlich Live-Fußball und nicht immer Vorberichte. Aber Public Viewing ist nichts für jedermann. Der echte Fan genießt die Spiele allein, ohne Störgeräusche und Zwischenrufer..

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In Ruhe Fußball gucken ist angesagt.

Quelle: dpa

Havelland. Spätestens seit dem Finale der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien steht für mich eins fest: Public Viewing ist out. Wir waren eine mit Frauen und Männern bunt gemischte Truppe, saßen bei einem Freund im Wohnzimmer vor einem riesigen Fernseher, hatten Chips, Cola, Bier. Alles schien perfekt. Bis zum Anpfiff. Als der Ball rollte, waren wieder alle Jogi Löw. „Warum hat der den aufgestellt?“ „Der andere wäre doch viel besser.“ „Das war doch Abseits oder Foul.“ Dazu knisterte ständig einer mit der Chipstüte. Ab der 30. Minute begannen die ersten Toilettengänge. Wenn einer von der Couch aufstand, mussten alle anderen sich auch erheben und den durchlassen. Genauso auf dem Rückweg. Ständig irgendwelche Zwischenrufe – ich war genervt. Natürlich spielte die Aufregung eine Rolle. Wenn dort Albanien gegen Nordirland gespielt hätte, wäre mir alles egal gewesen. Aber Deutschland im WM-Finale und man hörte vom Kommentar des Fernsehreporters so gut wie nichts. Hätte eigentlich nur noch gefehlt, dass einige Leute um mich herum angefangen hätten zu qualmen. Das ging zum Glück nicht, die Raucher gingen nach draußen.

Nach den nervenaufreibenden 90 Minuten und keinem Tor sagte einer der Gäste: „Ich fahre jetzt nach Hause.“ Er müsse morgen früh raus. Okay, es war Sonntagabend. Aber es war ein WM-Finale. Ich dachte, dass der einen Witz gemacht hätte, aber weit gefehlt. Der verschwand. Mit Beginn der Verlängerung fragten die ersten „Fußball-Expertinnen“, wie das denn nach einer Verlängerung weitergehen würde und wie viele Elfmeter geschossen werden. Ich wollte doch einfach nur Fußball gucken, einfach mir ein WM-Finale ansehen, es genießen. Ohne Tröten, ohne bunte Hüte oder blöde schwarz-rot-goldene Brillen. Es ging nicht. Ganz schlimm wurde es, als einer der Partygäste nur aus Gaudi ständig den Argentiniern den Sieg wünschte.

Ich glaube die Fußballpartys im Garten oder bei Freunden sind schön, sicher ist auf der Fanmeile vor dem Brandenburger Tor in Berlin und in den Kneipen im Havelland bei Deutschlandspielen eine tolle Stimmung. Wer’s mag soll dort feiern. Viel Spaß! Ich nicht. Jedenfalls nicht, wenn Deutschland spielt. Maximal gucke ich gemeinsam mit ein zwei wirklich Fußballinteressierten. Aber ich bin auch nicht traurig, wenn ich die EM-Spiele allein genießen kann. Es ist eben Fußball. Nur Fußball.

Von Jens Wegener

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