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Waggons in Nauen brannten lichterloh

Elstaler war 1945 beim Bahnunglück im Einsatz Waggons in Nauen brannten lichterloh

Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich vor 70 Jahren, am 10. Oktober 1945, bei Nauen. Nach 22 Uhr fuhr ein Vorortzug aus Spandau auf einen stehenden Kohlegüterzug auf. 16 Menschen starben dabei. Johannes Müller (86) war damals als junger Feuerwehrmann im Einsatz.

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Wurde später Eisenbahner: Johannes Müller.

Quelle: Andreas Kaatz

Nauen. Noch immer hat Johannes Müller die schrecklichen Bilder vor Augen. Der heute 86-Jährige war als frischgebackener Feuerwehrmann bei dem schweren Eisenbahnunglück dabei, das sich am 10. Oktober 1945 östlich von Nauen ereignete. „Die ersten zwei bis drei Waggons des Personenzuges brannten“, weiß er noch. 16 Menschen kamen ums Leben.

Wie berichtet, fuhr an diesem Tag nach 22 Uhr ein Personenzug aus Spandau kurz vor dem Nauener Bahnhof auf das hintere Ende eines dort stehenden Kohlezuges auf. Die Lok kippte um, die ersten beiden Waggons legten sich quer. Glühende Kohlen fielen auf die Wagen und entzündeten sie. Es brannte lichterloh. Für die meisten Fahrgäste in dem Bereich kam jede Hilfe zu spät. Es gelang ihnen nicht, die Waggons zu verlassen, auch weil die Türen klemmten.

Müller war damals 16 Jahre alt. „Die Bürger waren nach dem Krieg aufgerufen, sich bei der Feuerwehr zu melden“, sagte der Elstaler, der nicht lange gezögert hatte. „Ich war ein begeisterter Feuerwehrmann“, meinte er. Der Einsatz bei dem Unglück brachte aber auch ihn an seine Grenzen, vor allem psychisch. „Es kostete mich schon Überwindung“, sagte er. Denn er musste auch die Toten bergen, „die eben noch quicklebendig gewesen waren“. So erinnert er sich, dass er gemeinsam mit einem anderen Feuerwehrmann eine schwere tote Frau aus den Trümmern herausgetragen hat. „Man kam aber angesichts der Trümmer kaum richtig heran“, weiß er noch.

Johannes Müller hatte sich auf den Artikel unseres Autors Ulrich M. Schönknecht über das Unglück gemeldet und kann noch einiges erzählen über die Rettungsarbeiten. „Die Berufswehr bestand damals nur aus sechs Mann, drei in jeder Schicht“, erinnert er sich und ebenso daran, dass aus der ersten Meldung gar nicht hervor ging, wie schlimm es tatsächlich war. Es sei nur von einem Brand die Rede gewesen. Als die Feuerwehrleute dann das Ausmaß sahen, wussten sie, dass sie allein nicht viel ausrichten konnten. Sie fuhren in die Stadt zurück und alarmierten die freiwilligen Kräfte, darunter Johannes Müller. Mit einem Löschfahrzeug, das 2500 Liter Wasser im Tank hatte, ging es an die Unglücksstelle. „Aber wir konnten mit dieser Menge kaum etwas ausrichten. Eine Wasserentnahmestelle gab es vor Ort nicht“, sagt er. So musste das Auto immer wieder zurück nach Nauen, um den Tank neu aufzufüllen.

Diese Erlebnisse haben den Elstaler später aber nicht davon abgehalten, selbst Eisenbahner zu werden. 43 Jahre lang war er dabei und hatte unter anderem als Betriebsingenieur im Reichsbahnamt in Potsdam mit der Koordination von Hilfeleistungen nach Eisenbahnunfällen sowie mit Ursachenforschung zu tun. 1956 machte er seine Ausbildung zum Lokführer, fuhr auch auf der Strecke, auf der sich 1945 das Unglück ereignete. Da er beruflich mit den Folgen von Einsenbahnunfällen zu tun hatte, machte er sich auch so seine Gedanken zu den Ursachen des Unglückes am 10. Oktober. „Die Tragik war, dass der Russe das zweite Gleis weggerissen hatte und auch die Signaltechnik“, meint er. Somit musste immer ein schriftlicher Fahrbefehl ausgestellt werden. Zudem geht Müller davon aus, dass der Fahrdienstleiter im Bahnhof Brieselang die Rückmeldung seines Kollegen in Nauen nicht abgewartet hatte. Dann nämlich hätte er gewusst, dass das Gleis noch blockiert ist. Der Vorortzug hätte nicht losfahren dürfen.

Bis 1957 war Johannes Müller bei der Nauener Feuerwehr. Ab Ende der 40er-Jahre schrieb er auch die Einsatzberichte. Einer seiner Vorgänger hat zu dem Unglück vom 10. Oktober 1945 unter der laufenden Nummer 442 einen Eintrag vorgenommen. Dabei ist sogar von 40 Toten die Rede. Der Schriftführer berichtet, dass der Vorortzug mit etwa 60 Kilometer pro Stunde auf den Kohlegüterzug aufgefahren ist. Dabei sollen drei Güterzugwaggons, die Lok des Vorortzuges und zwei Personenwagen vollkommen verbrannt sein. „Gegen Morgen trafen Hilfsgerätezüge aus Grunewald und Wittenberge auf der Unfallstelle ein“, heißt es wörtlich. Die Nauener Feuerwehr war bis 8 Uhr dort.

Auf unseren Beitrag hatte sich auch Bruno Helbig aus Brieselang gemeldet. Der damals 10-Jährige saß mit seiner Mutter und seiner drei Jahre jüngeren Schwester auch in dem Zug, zum Glück in der Mitte, „weil in Brieselang, wo wir einstiegen, in der Höhe der Fahrkartenschalter war und der Zug schon im Bahnhof stand“. Sonst stieg die Familie lieber vorne ein, da die Wagen besser beheizt waren. Verletzt wurde er nicht.

Von Andreas Kaatz

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