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Havelland Endlosdebatte über Dallgower Stolperstein
Lokales Havelland Endlosdebatte über Dallgower Stolperstein
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00:27 24.10.2015
Im Jahr 2009 wurde in Dallgow-Döberitz ein Stolperstein für Martin Karpinski verlegt. Über einen weiteren Stein wird gestritten. Quelle: Foto: privat
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Dallgow-Döberitz

Seit 2008 wird in Dallgow-Döberitz über die Verlegung eines Stolpersteins in der Nauener Straße gestritten. Die Gegner geben nicht nach, die Befürworter geben nicht auf.

Zu denen, die nicht aufgeben, zählt der Dallgower Rüdiger Schäfer. Der 60-Jährige gehört zur Vorbereitungsgruppe Stolpersteine Falkensee und Umgebung, das ist eine Gruppe von Menschen, die sich ehrenamtlich für das Kunstprojekt Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig engagiert. Der will mit seinen kleinen, in den Fußboden eingelassenen Steinen an die Vertreibung und Vernichtung von Juden und anderen Verfolgten im Nationalsozialismus erinnern. Das jüdische Ehepaar Herta und Richard Katz gehört dazu. Es lebte in den Dreißiger Jahren in Dallgow, der Mann starb in Theresienstadt, seine Frau wurde in Auschwitz ermordet.

Rüdiger Schäfer gehörte zu denen, die Material über die Familie erforschte und sich seit Jahren für die Verlegung eines Stolpersteins einsetzen. Ein im Frühjahr gestellter Antrag wurde abgelehnt. Ines Oberling von der Vorbereitungsgruppe Stolpersteine hatte immer wieder nachgehakt, aber nichts tat sich.

Dabei hatten sich die Gemeindevertreter nach endlosen Debatten prinzipiell für die Verlegung des Steines ausgesprochen, ihren Beschluss aber mit dem Zusatz versehen: „mit Zustimmung der Anwohner“.

„Der Beschluss ist eindeutig“, sagte Bürgermeister Jürgen Hemberger (Freie Wähler), „ohne Einvernehmen ist der Stein nicht zu verlegen.“ Er und die Mehrheit im Ort sperren sich nicht gegen die Gedenkaktion, 2009 war in Dallgow ein Stolperstein für den jüdischen Dichter und Theologen Martin Karpinski verlegt worden. „Aber ich will keine Zwietracht im Ort“, sagte Hemberger, ohne Einvernehmen laut Beschluss gibt es vom Amt keine Zustimmung zum Verlegen des Steines im öffentlichen Straßenraum.

Unklar ist, ob sich nach dem aktuellen Beschluss überhaupt jemand um die Zustimmung der Anwohner bemüht hat. Das betreffende Ehepaar hat vor Jahren seine Ablehnung gegen die Aktion öffentlich kundgetan. Es wohnt seit fast zwanzig Jahren hier, hatte auf dem Grundstück ein neues Haus gebaut, ein solcher Stein wäre für die Anwohnerin eine schwere emotionale Last, war ihr Vater doch nach Kriegsende im einen NKWD-Lager ums Leben gekommen. Von ihrer Meinung sind die Eheleute nicht abgerückt.

Bürgermeister Jürgen Hemberger schlägt vor, die Sache erst einmal ruhen zu lassen und erneut zu diskutieren, wenn die bisher unbefestigte Nauener Straße umgebaut wird. Die Straße steht im Bauprogramm bis 2020. Rüdiger Schäfer will sich auf solche Hängepartie nicht einlassen. Er tritt dafür ein, dass die Gemeindevertretung ihren Beschluss mit der „Zustimmungsklausel“ ändert.

„Wir haben kein Problem mit der Gedenkform der Stolpersteine, aber hier ist der Ort emotional sehr aufgeladen“, sagte Ralf Böttcher, Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes. Trotzdem sollte man die Sache noch mal besprechen. „Man kann und muss jeden Beschluss prüfen, ob er noch Bestand hat“, sagte er mit Blick auf den Stolpersteinbeschluss der Gemeindevertreter. „Wir hatten schon vor Jahren angeregt, den Stein nicht direkt vor der Einfahrt zu verlegen“, sagte er. Das könne doch ein Kompromiss sein.

Von Marlies Schnaibel

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