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Havelland Engagement für Flüchtlinge
Lokales Havelland Engagement für Flüchtlinge
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02:15 25.06.2015
Martin Nguyen engagiert sich in seiner Freizeit. Quelle: Vivien Boche
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Falkensee

Marode Boote im Mittelmeer, überfüllte Flüchtlingslager in Italien, neue Asylbewerberheime in Deutschland. Die Nachrichten über die Flüchtlingsproblematik sind omnipräsent.

Dennoch fällt es vielen Leuten nicht schwer, Abstand zu nehmen von der großen Flut an neuen bestürzenden Nachrichten. Wer nicht möchte, der unterlässt den Griff zur Zeitung, wer sich nicht danach fühlt, der schaltet den Fernseher aus. Das geht zumindest so lange, bis Asylsuchende in der eigenen Stadt Unterschlupf finden wollen.

In immer mehr Orten im Havelland und in Oberhavel sind Flüchtlingsunterkünfte geplant. So zum Beispiel in Bärenklau oder auch in Nauen. Auch für Falkensee stand im Januar 2014 fest, dass Platz für Flüchtlinge geschaffen werden muss.

In einigen Teilen der Falkenseer Bevölkerung löste diese Meldung jedoch keine Freude aus. In einer öffentlichen Facebook-Gruppe entluden mehrere Personen ihren Ärger und stachelten sich mit rassistischen Kommentaren auf. „An diesen Tagen fing alles an“ erinnert sich der Schüler Martin Nguyen (19) aus Falkensee. Martin und andere Bürger aus der Stadt hielten online dagegen, kommentieren zurück und leisteten so Widerstand. „Wir, die Gruppe, die sich klar gegen die rassistischen Äußerungen gestellt hatte, mobilisierte sich dann durch Nachrichtenaustausch. Uns war klar, dass wir aktiv werden müssen“, berichtet Martin.

Bald schon trafen sie sich persönlich. Zunächst fand sich eine Gruppe von 20 Leuten, die die Initiative „Willkommen in Falkensee“ gründete. „Es war toll zu sehen, wie Menschen aus den verschiedensten Altersgruppen und Berufszweigen gekommen waren“, sagt Martin. „Wir alle waren uns einig: Die Einfindung in Falkensee muss jedem Flüchtling gelingen. Sowohl den Asylbewerbern, als auch den Anwohnern müssen Ängste genommen werden.“

Um die junge Initiative in ein größeres Blickfeld zu rücken, war Martins größte Aufgabe die Öffentlichkeitsarbeit. Er organisierte Stände auf Festen, um auf die Initiative aufmerksam zu machen und weitere Bürger zum Mitmachen zu bewegen. Der Bau des Flüchtlingsheims nahm Zeit in Anspruch, noch gab es keine Flüchtlinge in Falkensee. Gearbeitet wurde innerhalb der Gruppierung trotzdem viel. Bald bildeten sich interne Gruppen, die sich auf unterschiedliche Gebiete konzentrierten. So setzt sich zum Beispiel die Medizin-Gruppe mit unterschiedlichsten Fragen der medizinischen Versorgung der Flüchtlinge auseinander, während das Kultur-Team eine Musikgruppe organisieren will.

Mittlerweile ist auch die erste Asylunterkunft in Falkensee bezugsfertig. Es heißt, schon sehr bald werden 65 Menschen einziehen. Die Initiative ist deutlich gewachsen, aus anfänglich 20 wurden später 200 aktive Mitglieder. Martin, als eines der Gründungsmitglieder, freut sich sehr über das, was zusammen schon erreicht wurde. Er sieht der Ankunft der Flüchtlinge zuversichtlich entgegen.

Mehr Informationen und Kontakte

Interessierte können sich engagieren. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.fluechtlingsrat-brandenburg.de, auf der Seite der Willkommensinitiative Falkensee (willkommen-in-falkensee.jimdo.com) und in der Facebook-Gruppe „Wir für Flüchtlinge“.

Ähnliche Aktionen gibt es auch in Oranienburg, Hennigsdorf und Oberkrämer.

Den ersten Kontakt mit Flüchtlingen hat er schon vor Monaten gesucht. „Zwar sind hier in Falkensee noch keine Flüchtlinge angekommen, es gibt aber durchaus Nachbarorte, die schon weiter sind und Asylbewerber beherbergen“, erzählt er. „Es ist so wichtig, dass die Flüchtlinge Kontakte knüpfen können, sonst ist ein richtiges Ankommen gar nicht möglich.“

Martin ist sich sicher: „Man bekommt immer mehr zurück, als man gibt!“. Ganz konkret heißt das zum Beispiel für ihn, einen neuen Freund gefunden zu haben. Mit einem Flüchtling in seinem Alter versteht er sich sehr gut, und sie unternehmen oft was zusammen. „Anfangs haben wir uns auf Englisch unterhalten, aber mittlerweile kann er Deutsch sprechen“, sagt Martin. Manchmal muss Martins Vor- oder Nachbereitung des Schulstoffs etwas zurück treten, aber er denkt nicht daran, in seinem Engagement Halt zu machen: „Allein schon der positive Zuspruch durch meine Lehrer und Mitschüler motiviert mich sehr“, erzählt er.

Nicht zuletzt habe Martin sein Einsatz auf so vielen Ebenen auch persönlich weitergebracht, so schätzt er das auch selbst ein. Er hat neue Freunde gefunden, eine Podiumsdiskussion im Brandenburger Landtag in Potsdam geleitet, er hält Vorträge in Schulen und darf bald ein Praktikum in der Landesgeschäftsstelle der Linken antreten. „Deswegen kann ich allen nur empfehlen, sich zu engagieren“, sagt er.

Von Jonas Ambs

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