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Havelland Engelsfelde: Reise in die Vergangenheit
Lokales Havelland Engelsfelde: Reise in die Vergangenheit
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06:05 12.04.2016
Günter Lange pflügt mit seiner 10 Jahre alten Kaltblutstute Paula noch per Hand. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Engelsfelde

21,22,23 – nur wenige Augenblicke, nachdem ein Auto die Engelsfelder Ortseinfahrt passiert hat, ist das Dorf auch schon durchquert und nur noch im Rückspiegel zu erkennen. In Sekundenschnelle ziehen die Seeburger Pferdeklinik, die Kleintierpraxis, der Hof der Familie Fischer, ein paar einzelne Häuser und der große Wohnblock vorbei. Viel mehr gibt es auf den ersten Blick in der kleinen Dallgower Ortslage nicht zu entdecken. Und doch ist Engelsfelde viel mehr, als nur ein Verbindungsstück zwischen Seeburg und Spandau.

Vor dem Wohnblock zupft eine Anwohnerin Unkraut in einem kleinen Garten, hinter dem Haus hat jeder seinen eigenen Schuppen, einige Bewohner haben sich sogar einen kleinen Garten angelegt. Mit etwas Glück kann man Günter Lange an trockenen und vorzugsweise sonnigen Frühlingstagen bei seiner Arbeit auf dem Feld beobachten. Gemeinsam mit seiner zehn Jahre alten Kaltblutstute Paula pflügt Lange die Felder um und bereitet sie auf die Saat vor. Was in der Landwirtschaft seit Jahrzehnten maschinell passiert, macht der 80-Jährige noch per Hand und bringt ein Stück Vergangenheit in den oftmals hastigen Alltag zurück. „Ich bin auf dem Land großgeworden und habe schon früh richtig pflügen gelernt. So macht es mir heute noch am meisten Spaß“, sagt Lange, der 1959 angefangen hat auf dem damaligen Gut Karolinenhöhe zu arbeiten. „Bewegung ist eben die beste Therapie gegen das Älterwerden. Außerdem muss man aufstehen, wenn man ein Pferd hat“, lacht der 80-Jährige, der rund einen Viertel Morgen bestellt und außerdem Kaninchen hält. „Ich baue Kartoffeln, Kohlrabi und Möhren sowie Rüben für Paula an. Alles für den Eigenbedarf, denn ich habe schließlich drei Kinder und sechs Enkel.“ Etwa vier Stunden täglich arbeitet Günter Lange so an der frischen Luft – und das schon seit 20 Jahren. „Im Frühling und Sommer kann es aber schon mal mehr werden“, wirft Ehefrau Hannelore ein, mit der er seit 1965 in dem Engelsfelder Wohnblock lebt. „Wir gehören zu den Erstbeziehern und wollten nie weg von hier. Im Moment fahre ich noch Auto, was aber wird, wenn ich mal keins mehr habe, weiß ich noch nicht“, so Lange, der bis zur Wende als Produktionsleiter in der Feldwirtschaft gearbeitet hat. Viele ältere Leute seien aus diesem Grund schon weggezogen. „Man ist sehr auf sein Auto angewiesen, da es hier weder Einkaufsmöglichkeiten noch Ärzte gibt. Und dass jetzt auch noch die Busverbindung so stark eingeschränkt wurde, finde ich nicht richtig“, sagt Hannelore Lange. Seit über einem Jahr fährt durch Engelsfelde lediglich von Montag bis Freitag einmal in der Stunde ein kleiner Shuttlebus, der die Bewohner mit Buslinien nach Falkensee, Potsdam und Spandau verbindet.

Benno und Annemarie Schimke haben sich mit dieser Situation arrangiert. „Als wir hörten, dass unsere Busverbindung gestrichen werden soll, war das erstmal ein Schock. Aber wir haben uns daran gewöhnt und kommen mit dem Shuttle ganz unproblematisch nach Spandau zum Einkaufen“, so Annemarie Schimke. Sie lebt gemeinsam mit ihrem Mann seit 1946 in Engelsfelde. „Wir kamen aus Niederschlesien, die Verwandtschaft meiner Mutter hatte uns Arbeit und einen Schlafplatz auf dem Hof hier in Engelsfelde organisiert. Bis 1949 haben wir in einem ausgebauten Schafstall gelebt, bis wir dann mit dem Bau unseres Hauses begonnen haben“, erinnert sich Benno Schimke. „Wir haben dort gearbeitet, wo es etwas zu arbeiten gab, hatten immer etwas Ackerland und haben angebaut. Bis vor drei Jahren haben wir noch kleinere Flächen bewirtschaftet“, so der 84-Jährige, der bis heute einige Hühner hält. „Da wo jetzt die Pferdeklinik steht, gab es damals schon Ställe, in denen Schafe oder Kälber gehalten wurden. Hier war also immer etwas los“, lacht Benno Schimke. An das Leben im Sperrgebiet kann sich der Engelsfelder noch genau erinnern. „Es gab eigentlich nie Probleme. Man kannte sich und hat auch schon mal zusammen ein Bier getrunken.“ In jeder freien Minute kümmern sich die Schimkes um ihren Garten, der aufgrund des nahegelegenen Waldstücks oft von Wildschweinen und Rehen heimgesucht wird.

In dem Waldstück hinter Familie Schimkes Haus in Richtung Seeburg lässt ein versteckter Gedenkstein ein dunkles Kapitel in der Geschichte von Engelsfelde erahnen. Hier wurden während des Zweiten Weltkriegs zum Tode verurteilte und erschossene deutsche Kriegsdeserteure begraben – ohne Grabstein und ohne, dass ihre Familien davon wussten. Ein Augenzeugenbericht von Hans-Hermann Barz, der von 1939 bis 1951 für die Staakener Schäferei Scheu tätig war und oftmals seine Schafe auf den Feldern zwischen Engelsfelde und Seeburg hütete, berichtete für das Buch „Spandau im Zweiten Weltkrieg“ über seine Erlebnisse. Mehrmals habe er beobachtet, wie Lkws in der Nacht Särge auf den Wiesen vor Engelsfelde abluden. Von der Straße aus nicht zu sehen, erinnert heute ein Mahnmal, an die töteten. „Viele finden den Gedenkstein nicht oder wissen gar nicht, dass es ein Massengrab in Engelsfelde gibt“, erzählt Benno Schimke, der schon vielen Menschen den Weg zur Gedenkstätte gezeigt hat.

Neben den Engelsfelder „Ur-Einwohnern“ leben inzwischen auch Neu-Engelsfelder im Dorf. Zwischen Wohnblock und Pferdeklinik sind seit dem letzten Jahr drei neue Häuser entstanden. Friedhelm Zurmühl lebt hier seit knapp einem Jahr mit seiner Familie. „In Engelsfelde hat man zum einen das richtige Landleben mit Schafen, Pferden und Gänsen, zum anderen ist man in nicht einmal zehn Minuten in Berlin.“, so Zurmühl. „Ich habe schon einige Leute aus Engelsfelde kennengelernt und fühle mich wohl. Ich arbeite in der Stadt und lebe auf dem Land – was will man mehr?“ Und das finden wohl die meisten Bewohner – Leerstand gibt es in Engelsfelde derzeit jedenfalls nicht.

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Wohnhaus in Engelsfelde

Von Laura Sander

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