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Entstanden aus einer Kleingartensparte

MAZ-Serie: „Zu Hause in Waldsiedlung“ Entstanden aus einer Kleingartensparte

Im Zuge der Serie „MAZ zu Hause in ...“ geht es diesmal in den Nauener Ortsteil Waldsiedlung. Der entstand aus einer Kleingartensiedlung, die ab den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts angelegt worden war. Heute ziehen vor allem junge Leute in den Ortsteil, zu dessen Gebiet auch der Nauener Stadtwald gehört.

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Dietmar Kratzsch (l.) und Wolfgang Johl am Denkmal, das auf einem Hügel an den ehemaligen jüdischen Friedhof erinnert.

Quelle: Andreas Kaatz

Waldsiedlung. Viel zu sehen bekommt der Autofahrer vom Ortsteil Waldsiedlung nicht, wenn er auf der B 273 von der Kernstadt Nauen in Richtung Norden fährt. Die Siedlung mit ihren aktuell 501 Einwohnern versteckt sich auf der linken Seite hinter hohen Bäumen. Dabei ist der Ort nur ein Bruchteil dessen, was Waldsiedlung ausmacht. „Es hat sich noch nicht so richtig eingebürgert, dass noch viel mehr dazu gehört“, sagt Ortsvorsteher Dietmar Kratzsch.

Denn das nördlich angrenzende Funkamt zählt ebenso dazu wie der mehr als 1000 Hektar große Stadtwald Nauen samt dem historischen Forsthaus und dem ehemaligen Vorwerk Stolpshof. Letzteres war bis vor Kurzem vom Jugendaufbauwerk genutzt worden. Aber auch der Bereich am Eichhorstweg, wo Kratzsch selber wohnt, ist darin eingeschlossen. Er war auch der Initiator dafür, dass es heute den Namen „Waldsiedlung“ gibt, denn auf älteren Karten findet man nur die Bezeichnung „Am Weinberg“. „Das war im Zuge der Kommunalwahl 2008 entschieden worden“, so Kratzsch. Denn ihm war aufgefallen, dass etwa der Bereich Eichhorstweg nirgendwo zugeordnet ist, „er gehörte weder zur Stadt noch zum Weinberg“. Nur wenn er mit Alteingesessenen spricht, verwendet er noch den alten Namen.

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Der Nauener Ortsteil Waldsiedlung entstand aus einer Kleingartensiedlung, die ihre Ursprünge in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts hat. Heute ziehen vor allem junge Leute in den Ortsteil, zu dessen Gebiet auch der Nauener Stadtwald gehört.

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Waldsiedlung ist ein Nauener Ortsteil, der nie eigenständig war. „Wir fühlten uns immer als Städter, haben uns nie als Ortsteil betrachtet“, sagt Jürgen Gaßmann. Der 64-Jährige lebt seit 1955 in der Siedlung und kennt noch die Zeiten, als es dort unter anderem eine Schule und eine Kita gab. „Als der Kindergarten zugemacht wurde, das war schon sehr bedauerlich“, meint er. Gerade auch vor dem Hintergrund, dass jetzt viele junge Familien mit kleinen Kindern im Ort leben. Rund 50 Kinder bis 14 Jahre sind heute dort gemeldet. Momentan nutzt der Verein Horizont die früheren Schul- und Kitaräume in den beiden letzten Baracken aus den 30er-Jahren. Diese dienten zusammen mit drei weiteren Baracken erst dem Reicharbeitsdienst als Unterkunft und später Menschen, die durch Bombardierungen ihr Zuhause verloren haben. Gaßmann vermisst zudem auch den Konsum, der als zentraler Treff diente. „Da hat man immer erfahren, was passiert ist – ob beispielsweise Geburten oder Sterbefälle.“

Waldsiedlung hat seine Ursprünge in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Ein Herrmann Schulz aus Nauen, den man Motorschulz nannte, kaufte dort damals große Flächen auf, parzellierte sie und bot sie insbesondere Berlinern zum Kauf an. Eine Kleingartensiedlung entstand und 1932 ganz offiziell der „Verein der Kleingärtner- und Eigenheimbesitzer“. In den Achtzigern wurde der ganze Bereich zum Bebauungsplangebiet.

Auch Wolfgang Johl, der Vorsitzende der Nauener Heimatfreunde, nutzte die Möglichkeit und baute sich dort mit seiner Familie ein Häuschen. So kam er seinem Arbeitsplatz auf dem nahen Funk-amt-Gelände noch näher. „Als wir 1989 dort ein Grundstück kauften, lebten in der Siedlung etwa 200 Menschen“, erinnert sich Wolfgang Johl, der davor im Neubaublock am Eichhorstweg gelebt hatte. Jetzt sind es mehr als doppelt so viele. Vor allem junge Leute ziehen dorthin. Kein Wunder, dass der 2008 erneuerte Spielplatz mitten im Ort gut nachgefragt ist. „Er wird sehr gut angenommen“, freut sich Dietmar Kratzsch. Und er ist stolz darauf, dass „alles gut behandelt wird. Das zeigt, dass es sich gelohnt hat, den Spielplatz zu erneuern“, meint er. Mittags sitzen die Mütter in den beiden Sitzgruppen und beaufsichtigen ihre spielenden Kinder, abends kommen die Jugendlichen. Selbst von auswärts schauen immer mal wieder Leute vorbei.

Froh ist der Ortsvorsteher darüber, dass seit längerer Zeit auch die Gaststätte „Am Weinberg“ wieder geöffnet hat. Ende 2000 kaufte Ahmed Al-Gaddooa das seit sechs Jahren leerstehende Gebäude. Es war zu DDR-Zeiten ein beliebtes Ausflugsziel. Dort wurde viel gefeiert und zu so manchem Frühschoppen eingeladen. Demnächst will Al-Gaddooa auch eine kleine Pension eröffnen. „Dann stehen vier Zimmer und zwei Appartements zur Verfügung“, sagt er. Allerdings macht ihm etwas Sorgen. Denn geplant ist, dass in absehbarer Zeit die B 273 durch Waldsiedlung ausgebaut wird. Vor seiner Haustür soll ein Kreisverkehr entstehen, die Straße dazu komplett gesperrt werden. Er fürchtet deshalb um seine Kundschaft. „Dann mache ich zu“, kündigt er an – was wiederum Kratzsch gar nicht gefallen würde. „Das ist der Mittelpunkt fürs Dorf, hier treffen sich unter anderem auch der Ortsbeirat und die Bürgerinitiative ’Pro Weinberg’“, meint er. Beide Gremien versuchen zusammen, Änderungen an der Planung herbeizuführen. Gegründet wurde die BI aber vor ein paar Jahren, um gegen die vom Ministerium geplante Erhöhung des Grundwasserstandes vorzugehen.

Den Namen „Am Weinberg“ hatte die Siedlung erhalten, weil man dort früher Wein angebaut haben soll. Als Indiz dafür werden die Weinbergschnecken gesehen, die man bei einem Spaziergang entdecken kann. Ob die wohl schon vor 1500 Jahren da waren? So alt ist nämlich das komplett erhaltene Dorf Bärhorst, das man 1937 in der Nähe ausgegraben hatte.

Von Andreas Kaatz

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