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Havelland Er ist der letzte gelernte Fischer von Ketzin
Lokales Havelland Er ist der letzte gelernte Fischer von Ketzin
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09:48 09.11.2017
Gerhard Cuhrts bei der Reparatur eine Ballreuse. Quelle: Wolfgang Balzer

Noch heute zeigt Gerhard Cuhrts gern die Fotos von seinem größten gefangenen Fisch. Gemeinsam mit seinem Fischerkollegen Achim Habicht zog er einen 42 Kilogramm schweren Wels am damaligen Kraftfuttermischwerk in Ketzin aus der Havel.

Mehr als ein halbes Jahrhundert lang stellte der heute 88-jährige Gerhard Cuhrtis als Fischer in vierter Generation zwischen dem Sacrow-Paretzer Kanal und dem Ende des Trebelsees seine Netze und Reusen. „Gemeinsam mit meinem Vater fuhr ich am 1. April 1943 mit dem Fahrrad nach Päwesin. Es war mein erster Tag als Fischer“, erinnert er sich. Dort lernte er drei Jahre lang auf dem Beetzsee das Handwerk, das auch in der Havelstadt Ketzin seit Jahrhunderten Tradition hat.

„Hecht war damals der Brotfisch“, weiß Cuhrts. Die wurden eigenhändig vermehrt und zur Bestandspflege ausgesetzt. „Wir haben große Exemplare ausgestrichen, also den Rogen gewonnen, und dann mit der Milch, dem Sperma der männlichen Hechte, vermischt. Anschließend wurden das Gemisch in großen Gläsern ins Havelwasser gehalten und ständig gerührt, bis nach zwei Wochen die Fischeier platzten“, schildert er eine seiner Aufgaben während der Lehrzeit.

„Ich bin der letzte gelernte Fischer in Ketzin“, sagt er heute stolz. Das sei früher ganz anders gewesen. Um 1900 habe es 29 Fischer in Ketzin/Havel gegeben. Vom Fischfang allein konnten die allerdings nicht leben. Sie hätten alle noch eine Kuh und etwas Landwirtschaft gehabt, berichtet Cuhrts.

Um 1950 gab es noch zehn, die in Ketzin/Havel ihre Fischereirechte ausübten. Sie standen alle in Konkurrenz um die besten Fischplätze, denn feste Reviere gab es an der Ketziner Havel nicht. „So versuchte oft einer den anderen auszutricksen und war eben schon sehr früh auf dem Wasser“, schmunzelt Gerhard Cuhrts. An bis zu 120 Stangen wurden die Netze befestigt und in die Reusen eingebaut, der Fachmann spricht von sogenannten Gebäuden.

„Das schönste an dem Fischerberuf ist, ständig in der Natur zu sein“, sagt der in Ketzin/Havel Geborene. Obwohl weiß und oft genug erlebt hat, wie launisch diese Natur sein kann. Wenn es stürmisch war, seien ihm vom Trebelsee bis zu zwei Meter hohe Wellen entgegengekommen. Trotzdem seien er und seine Kollegen rausgefahren.

1960 wurde die Brandenburger Fischereigenossenschaft gegründet. „Ich hatte die Mitglieds-Nummer zwei, Willi Bethke die Nummer eins und Achim Habicht die Nummer drei“, weiß Cuhrts noch ganz genau. Mit der politischen Wende war 1990 nach 30 Jahren Schluss mit der gemeinsamen Arbeit in der Genossenschaft. Die Fischer gingen wieder in die Selbstständigkeit. Das sei anfangs nicht leicht gewesen, so der erfahrene Cuhrts. „Zuerst mussten wir unsere Kaninchen und Hühner abschaffen sowie den Produktionsraum fliesen, so waren eben die Hygienevorschriften“, erinnert er sich an den Neustart.

Die Kunden musste er sich von einem Tag auf den anderen auch selbst suchen. Nach und nach belieferte Gerhard Cuhrts die Gaststätten in Ketzin/Havel und Umgebung. Das sei besonders donnerstags ein langer Arbeitstag gewesen. „Um 3 Uhr aufstehen, den Räucherofen anmachen, um 6 Uhr ging es aufs Wasser und gegen 9.30 Uhr war ich wieder zurück. Dann wurden die Fische gesäubert“, schildert er den damaligen Ablauf am Vormittag.

Ehefrau Hildegard, mit der Gerhard Cuhrts in absehbarer Zeit den 65. Hochzeitstag feiern wird, übernahm das Räuchern und produzierte unter anderem den beliebten Aal in Aspik.

Nach der Mittagspause wurde ausgeliefert, bis nach Mühlenbeck und Velten. Urlaub gab es nur im Winter. Anfang Dezember war je nach Witterung Schluss mit der Fischerei. Im Januar begannen die Reparaturarbeiten: Netze mussten geflickt und Reusen repariert werden, und an den Fischerkähnen war auch so einiges zu tun.

Die harte Arbeit forderte nach 51 Jahren auf der Havel ihren Tribut. Aus gesundheitlichen Gründen verstaute er 2002 seine Netze auf dem Dachboden. Einmal im Jahr holt er sie wieder hervor, und das ist Mitte August. So auch an diesem Wochenende, wenn das Fischerfest gefeiert wird. Ganz der Tradition folgend, werden sie als Dekoration an seinem Haus auf dem Ketziner Marktplatz zu sehen sein.

Schließlich hat er beim ersten Fischerfest im Jahr 1939, als „zehnjähriger Bengel“ wie er sagt, gemeinsam mit den Ketziner Fischerjungs Lothar Grünefeld, Willi Bethke und Achim Habicht die Fischertruhe, die der Aufbewahrung der Akten der Fischerinnung diente, getragen. Daran befestigt waren die Schleifen jedes Fischers.

Gerhard Cuhrts nahm bei jedem Fischerfest am großen Fischzug teil. Anders als heute, wo fast alles maschinelle geschiegt, wurde zu DDR-Zeiten das an jeder Seite 250 Meter lange Schleppnetz noch von acht bis zehn Fischern mit Muskelkraft an der Havelpromenade an Land gezogen. Bis 2014 half er bei dieser traditionellen Ketziner Veranstaltung mit. Inzwischen ist er Zuschauer. Aber mit den verschiedenen Knüttnadeln zur Reparatur der Netze kann er noch heute ebenso geschickt umgehen+, wie in seiner aktiven Zeit auf der Havel.

Von Wolfgang Balzer

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