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Erika Guthjahr wäre am Montag 100 Jahre alt geworden

Geachtet und anerkannt Erika Guthjahr wäre am Montag 100 Jahre alt geworden

Erika Guthjahr war bekannt und beliebt. Die ehemalige Lehrerin und Ehrenbürgerin hat sich der Malerei und der Heimatgeschichte verschrieben und so ein umfangreiches Archiv über die Stadt angelegt.

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Erika Gutjahr – gemalt vom Maler Michael Student

Quelle: Repro MAZ

Rathenow. Gekannt haben sie alle. Wenn man sich so umhört in der Stadt, wie sie denn damals so war, die Erika Gutjahr, fast jeder weiß – das entsprechende Alter vorausgesetzt – etwas zu erzählen. Nicht nur die großen Anekdoten wie die von der Eiche und der Kette an der Schleusenbrücke (davon später mehr). Manchmal sind es auch ganz kleine, alltägliche Dinge: Wie sie nach der Wende in die Nachbarschaft nach Neufriedrichsdorf gezogen ist. Dass man sie früher tatsächlich noch als Kunstlehrerin erlebt hat. Solche Sachen. Wahrgenommen werden, überall irgendwie mitmischen, sich einmischen. Wer so präsent ist in der Stadt ist fast schon eine logische Kandidatin für die Ehrenbürgerschaft.

Leidenschaft für das Zeichnen

Erika Gutjahr wurde am Montag, 12. September 1916 in Rathenow geboren. Sie entwickelte früh eine Leidenschaft fürs Zeichnen und Malen und konnte nach einer Ausbildung zur Industriekauffrau 1946 für ein Jahr die Wredowsche Zeichenschule in Brandenburg besuchen. 1948 vertiefte sie ihre pädagogischen Kenntnisse an der am Lehrerbildungsinstitut in Ludwigsfelde und wurde 1949 Kunsterzieherin an der Bürgel-Schule in Rathenow. Fast 30 Jahre lang – bis 1977 – brachte sie Schülern die grundlegenden Techniken des Malens und Zeichnens bei. Nach ihrer Pensionierung unterrichtete sie noch bis 1991 an der Volkshochschule Kunst.

Bekannt durch den Unterricht

Im Laufe der Jahrzehnte waren also viele Hundert Rathenower bei ihr im Unterricht. Schon das verhalf ihr zu einer gewissen Bekanntheit in der Stadt. Dazu hatte sie noch ein besonderes künstlerisches Interesse an Rathenow und seiner Umgebung. Neben Blumenbildern (Sonnenblumen und Stiefmütterchen waren ihre absoluten Favoriten) malte sie Stadtansichten und Landschaften und hielt mit Pinsel und Farbe manches Gebäude am Leben, das im Krieg oder in der Nachkriegszeit zerstört wurde.

Verheiratet mit Rudolf Guthjahr

Erika Gutjahr war mit Rudolf Gutjahr verheiratet, dem Stadtarchivar Rathenows und unermüdlichen Kämpfer für ein Rathenower Heimatmuseum. Als nach dem Krieg alle anderen mit dem Wiederaufbau und Neuanfang beschäftigt waren, versuchte Gutjahr Fundstücke zusammenzutragen, die an die Vergangenheit der Stadt erinnerten. Gutjahr war ein leidenschaftlicher Archäologe und Sammler, der frühzeitliche Funde aus der ganzen Region dokumentierte und alles zusammentrug, was irgendwie mit Heimatgeschichte zusammenhing. In der Volksstimme – dem Vorgänger der MAZ – veröffentlichte er regelmäßig Beiträge zur Heimatgeschichte.

Erika Guthjahr übernimmt das Vermächtnis

Nach dem Tod Rudolf Gutjahrs im Jahr 1988 setzte Erika Gutjahr die Artikelserie ihres Mannes fort und machte es sich auch sonst zur Aufgabe, sein Vermächtnis weiterzuführen: Sie konnte aus dem umfangreichen Archiv ihres Mannes schöpfen und publizierte in den 1990er Jahren in schneller Folge mehrere Bücher zur Geschichte ihrer Heimatstadt. Überhaupt war die politische Wende von 1989 ein wichtiger Einschnitt: Rathenow musste sich wie das ganze Land sich neu finden und erfinden. Da konnte ausgerechnet der lange verpönte Blick auf die Zeit vor 1945 Halt geben. Rathenow interessierte sich plötzlich wieder für sein altes Stadtbild. Vieles war in Vergessenheit geraten und Erika Gutjahr konnte die Erinnerungslücken gleich in dreifacher Hinsicht füllen: Rudolf Gutjahr hatte in seinem Archiv so viel zusammengetragen. Sie selbst konnte sich noch gut an die Zeit vor dem Krieg erinnern - und malte unter anderem Bilder von der Sankt-Marien-Andreas-Kirche vor der Zerstörung oder von der Ausflugsgaststätte „Wilhelmsruh“ auf dem Weinberg. Und als durchaus streitbare Zeitzeugin hielt sie mit ihrer Meinung selten hinterm Berg. Von Anfang an engagierte sie sich stark für den Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche und im Förderverein der Bürgel-Schule.

Die Geschichte mit den Eichen

Wie stark sie sich für die Bewahrung des Alten einsetzte, zeigt vielleicht am besten die Geschichte mit der Eiche und der Kette an der Stadtschleuse: Als die Brücke an der Stadtschleuse erneuert werden musste, sollten für die Bauarbeiten auch einige Bäume gefällt werden, darunter eine besonders schöne und alte. Erika Gutjahr war der festen Überzeugung, dass das Fällen der Eiche nicht nur frevelhaft sondern auch sinnlos wäre. Sie drohte damit, sich an dem Baum festzuketten. Dazu kam es schließlich nicht, weil die Eiche schließlich in einer Nacht- und Nebelaktion gefällt wurde. Aber alle Beteiligten sind sich sicher, dass sie es tatsächlich getan hätte. Erika war seit 1996 Ehrenbürgerin der Stadt Rathenow. Sie starb am 23. Februar 2005. Am Montag wäre sie 100 Jahre alt geworden. Zur Feier ihres Geburtstages wird Bürgermeister Ronald Seeger am Montag an der Stadtschleuse einen

Von Ralf Stork

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