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Erinnerung an die Nazi-Befreiung

Dallgow-Döberitz Erinnerung an die Nazi-Befreiung

Veteranen und Politiker von Linken und SPD legten auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof in Dallgow Blumen nieder und sprachen über das Ende des Zweiten Weltkrieges sowie über Lasten, die Soldaten der Roten Armee zu tragen hatten.

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Veteran Erhard Stenzel aus Falkensee.

Quelle: Peter-Paul Weiler

Dallgow-Döberitz. Margot Platzek ist die Erste, die auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof in Dallgow an der Bundesstraße 5 Blumen niederlegt. Es ist Sonntag, ein Tag vor dem 72. Jahrestag der Befreiung, der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Die 87-jährige Falkenseerin, früher Lehrerin russischer Soldaten, bleibt nicht lange allein. Nach ihr treten rund 25 meist hochbetagte Gäste auf den umzäunten Gedenkplatz.

Aufgerufen hat dazu die Partei Die Linke. Weil Bundestagsabgeordneter Harald Petzold und der Falkenseer Linken-Fraktionschef Frank Barz „verhindert sind“, springt Barz-Vize Eric Heidrich ein, übergibt aber bereits nach wenigen Sätzen an Wolfgang Jähnichen, den Vorsitzenden der SPD in Falkensee. Jähnichen, der in seinen Jugendjahren den Krieg erlebte, folgte nach eigenen Worten „gern der Einladung der Linken“. Denn der Antifaschismus verbinde beide Parteien. Er stehe auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof, da die Soldaten der Roten Armee die Hauptlast des Zweiten Weltkrieges getragen hätten. Jähnichen sagt, keine Generation solle sich „für Taten schuldig fühlen, die weit vor ihrer Geburt verübt wurden“. Aber niemand dürfe auch die „tiefdunklen Seiten der deutschen Vergangenheit“ verdrängen oder beschönigen.

Das zentrale Denkmal des Ehrenfriedhofs, ein tiefroter Sowjetstern auf einem Monolithen, steht seit dem Ausbau der Bundesstraße so nahe an der B 5, dass die Gedenkveranstaltung ohne Mikrofon und Verstärker unter dem Brausen Sonntagsausflügler-Autos untergehen würde.

Linken-Veteran Erhard Stenzel, der stolz in seinem bislang 93-jährigen Leben „72 Jahre Mitglied in linken Parteien“ war, nutzt die Gelegenheit, um an die „ruhmreiche sowjetische Oktoberrevolution“ zu erinnern, die sich im Herbst zum 100. Mal jährt. Er schimpft in einem kurzen Rückblick auf Stalin und lobt Lenin, der viel zu früh gestorben sei.

Deutschlehrerin Margot Platzek steht am Rand. Sie hat anstatt der traditionellen Nelken rote Rosen für die Gräber gewählt. „Zwei Winter lang habe ich den jungen Männern, die allesamt noch vor Kurzem an der Front gestanden hatten, Unterricht gegeben“, erzählt sie. Die beiden Wörterbücher, die ihr der sowjetische Kommandant als Anerkennung zum Abschied schenkte, hegt sie noch immer, wie ihre Erinnerungen an die Zeit, als sie mit 18 Jahren den ersten Unterricht gab.

Von Peter-Paul Weiler

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