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Erinnerung an einen Skandalminister

Preußischer Minister auf Weinbergfriedhof beerdigt Erinnerung an einen Skandalminister

Friedrich Christoph von Goerne war ein preußischer Minister zur Zeit Friedrich des Großen. Eine schillernde Persönlichkeit, dessen Karriere reich war an Skandalen und Skandälchen. Die wenigsten wissen, dass der Tausendsassa auf dem Rathenower Weinberg-Friedhof begraben ist. Das soll sich ändern.

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Der Beweis: Unter Position 78 ist im Rathenower Kirchenbuch die Beerdigung des Ministers von Görne, vermerkt.

Quelle: Markus Kniebeler

Rathenow. Auf dem Rathenower Weinbergfriedhof hat im Laufe der vergangenen Jahrhunderte die ein oder andere regionale Größe ihre letzte Ruhestätte gefunden. Bedeutende Industrielle wie Vertreter der Optiker-Dynastien Duncker und Busch, Militärs wie Heinrich von Rosenberg, Dichter wie Johann Christian Blum und etliche andere Persönlichkeiten. Auf dem Friedhof begraben wurde, heute so gut wie vergessen, auch ein Politiker aus der Hochzeit Preußens, dessen Karriere alles andere als einen rühmlichen Verlauf vernahm. Die Rede ist von Friedrich Christoph von Goerne, einem Minister unter Friedrich dem Großen. Das Grab ist nicht mehr vorhanden, aber ein Eintrag im Kirchenbuch der Sankt-Marien-Andreas-Kirchengemeinde zeugt von dem prominenten Verblichenen.

„Goerne gilt als das Zerrbild eines korrekten, pflichtbewussten preußischen Beamten, hat er doch nicht nur seine ministeriellen Obliegenheiten grob vernachlässigt, sondern durch Misswirtschaft, Fahrlässigkeit und Verschwendung die ihm anvertraute Seehandlung fast in den Ruin geführt“, schreibt der Historiker Rolf Straubel, der sich mit dem vielleicht nicht ganz so edlen Edelmann befasst hat, der von 1734 bis 1817 lebte. Das politische Wirken Goernes einzuschätzen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Unbestritten ist, dass er mit der Leitung des Finanzdepartements, das es von 1775 bis 1782 führte, restlos überfordert war. Straubel zitiert einen Zeitgenossen des Ministers, der das Wirken Goernes wenig schmeichelhaft kommentierte als eine Aneinanderreihung von „Windbeuteleien, unseriösen Projekten und unüberlegten Vorschlägen.“

Ohne Folgen blieb diese Arbeitseinstellung nicht. Der Minister fiel bei seinem Monarchen nicht nur in Ungnade, sondern wurde wegen betrügerischer Geschäfte sogar zu acht Jahren Festungshaft verurteilt. Danach, so lassen es die spärliche Quellen vermuten, zog er sich ins Havelland zurück, wo die Familie von Goerne Güter besaß. Die Tatsache, dass im Kirchenbucheintrag vom 29. Oktober 1817 („Minister von Görne beerdigt“) kein Verwandter benannt ist, sondern lediglich ein Pächter Dennert, deutet darauf hin, dass das Begräbnis alles andere war als ein Staatsakt, sondern eine einsame. nüchterne Angelegenheit.

In diesem Teil des Weinbergfriedhofs wurde von  Goerne beerdigt

In diesem Teil des Weinbergfriedhofs wurde von Goerne beerdigt. Das Grab existiert nicht mehr, aber ein Grabplatte soll bald an den Politiker erinnern.

Quelle: Markus Kniebeler

In heutiger Zeit würden die Eskapaden des Mannes, die unseriöse Lebensweise und das skandalöse Wirtschaften, sicher für Schlagzeilen in der Regenbogenpresse sorgen. „Der war schon ein lustiges Vögelchen“, sagt Eva Lehmann. Vorsitzende des Vereins Memento, der sich um den Weinbergfriedhof kümmert. Und zum Beweis führt sie des Ministers Manöver in Liebesdingen an: Weil er es vor allem auf eine gute Partie abgesehen hatte, machte er im Jahr 1763 einer 13-Jährigen von blauem Blut den Hof, deren Familie über einen immensen Reichtum verfügte. Nachdem dieser Versuch gescheitert war, heiratete er ein Jahr später eine fast 40 Jahre ältere Frau, die zwei Jahre nach der Ehe planmäßig verschied und dem Hinterbliebenen viel Geld, drei Güter sowie beste Kontakte in die Wirtschaftswelt vererbte. Ein lustiges Vögelchen, fürwahr, aus heutiger Sicht jedenfalls. Der Verein Memento wird sich Eva Lehmann zufolge bemühen, den preußischen Minister Goerne – Lotterleben hin, Skandale her – mit einer Gedenktafel dem Vergessen zu entreißen.

Mehr über den Minister

Der Historiker Rolf Straubel hat sich intensiv mit Leben und Wirken des Ministers Friedrich Christoph von Goerne befasst.

Sein 2014 erschienenes Buch trägt den Titel „Friedrich Christoph von Goerne (1734 – 1817). Selbstherrlicher Minister König Friedrichs II. oder Spielball seiner Sekretäre und fremder Magnaten?“ Erschienen ist es im Berliner Wissenschafts-Verlag (BWV) und kann unter der ISBN 978-3-8305-3261-3 im Buchhandel bestellt werden. (Preis 79 Euro)

Rolf Straubel hat seit 1978 herausragende Beiträge zur brandenburgisch-preußischen Geschichte und Personengeschichte veröffentlicht. Er ist promoviert und habilitiert sowie Mitglied der Brandenburgischen Historischen Kommission. Derzeit ist er Projektmitarbeiter bei Dietmar Grypa am Institut für Geschichte (Neuere und Neueste Geschichte, Bayerische Landesgeschichte) an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

 

Von Markus Kniebeler

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