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Havelland Erkundungen in der kunterbunten Bücherwelt
Lokales Havelland Erkundungen in der kunterbunten Bücherwelt
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20:13 06.11.2017
Erika Dück kommt gerne mit ihren Töchtern Li und Katharina (r.) in die Nauener Bibliothek. Da gibt es viel zu entdecken. Quelle: Andreas Kaatz
Nauen

Rainer Ramin kommt des Öfteren in die Nauener Stadtbibliothek. Dann stöbert er in den Bücherregalen, sucht vor allem nach heimatgeschichtlicher Literatur. Das interessiert ihn. „Ich bin Nutzer, seit ich 1965 nach Nauen kam, damals noch in der Vorgängereinrichtung“, sagt der Rentner.

Heute interessiert ihn vor allem ein neu erschienenes Buch von Uwe Timm, „Ikarien“. Ein Roman über die ersten Tage nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Buch hat Bibliothekschefin Ute Hein jedoch nicht vorrätig. So macht sie das, was sie in einem solchen Falle immer macht: „Ich versuche es über die Kreisbibliothek zu bekommen.“ Das klappt auch häufig. Und ohne die Bücher vom Kreis ginge es gar nicht, denn der Bestand der Nauener Bibliothek umfasst derzeit 10 000 Medien, früher waren es 16 000. Da kann nicht alles dabei sein.

„Ich würde mir wünschen, dass es mehr Geld für Neuanschaffungen gibt“, sagt Rainer Ramin. Zufrieden ist er allerdings mit den neugestalteten Bibliotheksräumen, nachdem die Einrichtung im November 2015 nach Umbauarbeiten wieder geöffnet hatte. „So wie es jetzt eingerichtet ist, ist es in Ordnung“, meint er.

Eine Menge positiver Rückmeldungen bekommt dazu auch Ute Hein: „Es ist zwar jetzt von der Fläche etwas kleiner, aber es ist offener gestaltet und moderner geworden. Deshalb sind viele Besucher sogar der Meinung, dass die Fläche größer ist als früher.“ Vor allem ist es gemütlicher. Es gibt Sitzbereiche, auch für die Kinder. „Die können dort herumlümmeln und in Bücher schauen“, sagt Ute Hein.

Allerdings dürfen gerne noch deutlich mehr Mädchen und Jungen der Aufforderung an der Bibliothekswand folgen: „Schockt eure Eltern, lest Bücher!“. Denn von den derzeit 515 festen Lesern der Bibliothek sind lediglich 116 Kinder bis 12 Jahre. „Wir versuchen aber alles, um die Kinder frühzeitig für die Bücherwelt zu begeistern“, sagt Annett Lahn, Leiterin des Familien- und Generationenzentrums (FGZ), zu dem die Bibliothek gehört.

Kein einfaches Unterfangen in Zeiten des Internets. Trotzdem kommen Kitagruppen und Schulklassen gerne auf die Bibliothek zu. Thematische Veranstaltungen liegen dabei hoch im Kurs. So wird sich am heutigen Dienstag eine Kitagruppe mit dem Thema Hexen befassen – im Nachgang zu Halloween. Aber auch Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf liegt hoch im Kurs, „und sehr beliebt sind Ritter“, weiß Ute Hein. Da werden Geschichten vorgelesen und es gibt Rätsel. Mit einem Schwert schlägt sie dann die Mädchen und Jungen zum Ritter.

Für drei siebte Klassen der Graf-Arco-Oberschule gibt es in Kürze eine Lesung mit der Schriftstellerin Antje Wagner, und zudem beteiligt sich die Bibliothek mit drei Veranstaltungen an den Berliner Märchentagen vom 9. bis 26. November. „Das Thema ist diesmal die Liebe“, sagt Ute Hein, die überwiegend weibliche Leser in ihrer Kartei hat. Und die ganz jungen haben es immer wieder auf Prinzessinenbücher abgesehen. „Die werden geliebt, davon kann ich gar nicht genug haben“, sagt die Bibliothekschefin lachend.

Erwachsene leihen hingegen am liebsten Krimis aus. „Sebastian Fitzek wird stark nachgefragt.“ Aber auch für andere Autoren wie Lucinda Riley gibt es eine Warteliste, natürlich insbesondere für deren Neuerscheinungen. Denn von jedem Buch kann Ute Hein nur ein Exemplar vorhalten. Generell stellt sie fest, dass sich vor allem Familien, die nach Nauen ziehen, in der Bibliothek anmelden. Da ist von der DVD über Hörspiele bis hin zu Kinderbüchern und Romanen alles gefragt. Und wenn es letztlich auch nur rund 500 Nutzer sind, so liegt die Zahl der Leser wahrscheinlich weit darüber. Denn es ist nicht selten, dass Familien oder auch andere Leser – beispielsweise aus den Ortsteilen – mit großen Taschen voller Bücher erscheinen, ausgelesene Exemplare zurückgeben und frischen Lesestoff wieder einpacken. Bei nur 10 Euro Beitrag im Jahr kommt man nicht günstiger an die Schmöker heran.

Auch Erika Dück nutzt häufig die Möglichkeiten, die die Bibliothek bietet und besucht diese mit ihren Töchtern. „Ich bin gern im FGZ, es ist ein großartiges Angebot. Auch der Service, um die Bücherausleihe zu verlängern, stimmt. Wenn man mal vergessen hat anzurufen, dann gibt’s nicht gleich ein Mahnschreiben wie woanders“, sagt sie.

Von Andreas Kaatz

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