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Havelland Viel notreifes Getreide
Lokales Havelland Viel notreifes Getreide
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00:36 05.07.2015
Dirk Peters (l.) im Gespräch mit Kreisbauernverbands-Geschäftsführer Johannes Funke vor einem neuen Mähdrescher. Quelle: Foto: Jens Wegener
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Havelland

Gleich zwei nagelneue Mähdrescher stehen auf dem Hof der Agro-Farm GmbH in Neukammer. Sie warten auf ihren ersten Einsatz in einem Wintergerste-Schlag. „Ich denke in drei, vier Tagen werden wir loslegen. Etwas Sonne brauchen wir noch“, sagte Dirk Peters. Der Chef der Agro-Farm in Neukammer ist erst vor wenigen Wochen zum neuen Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Havelland gewählt worden und muss sich schon vor dem Erntestart mit den Sorgen der Landwirte befassen. Die große Trockenheit der vergangenen Wochen habe dafür gesorgt, dass viel Getreide notgereift ist, sagt Peters und ergänzt: „Dann sind natürlich die Erträge geringer. Es gibt sogar Roggenschläge in Hohennauen, Stechow und Gülpe, die sind so schlecht entwickelt, dass sich das Dreschen nicht lohnt. Dort wird das Getreide gehäckselt , was die Einnahmen drückt.“

Während im gesamten Land Brandenburg etwa 90 Liter Regen pro Quadratmeter Acker weniger gefallen ist, sind es im Havelland noch etwas schlimmer aus. Im Zeitraum vom 1. Januar bis 30. Juni sind 223 Liter je Quadratmeter niedergegangen. 2014 waren es 326 Liter, 2013 sogar 339 Liter.

Im Osthavelland, und speziell auf der Nauener Platte, wo es die besseren Böden gibt, werden die Ernteverluste zwischen 20 und 25 Prozent liegen, schätzt Peters. Daran ändern auch die Niederschläge den letzten Tage nichts. Noch schlimmer aber sehe es im Westhavelland aus. „Die Kollegen prognostizieren bis zu 35 Prozent weniger gegenüber dem Vorjahr. Wobei man aber sagen muss, dass wir in den letzten drei Jahren mit guten Wetter und guten Erträge verwöhnt worden sind.“

Gegen die Trockenheit können die havelländischen Landwirte nichts machen. Bewässerungsanlagen rechnen sich einfach nicht, sagt der Kreisbauernverbandsvorsitzende. Hinzu komme in diesem Jahr ein gesunkener Getreidepreis gegenüber 2014. Für C-Weizen, der für Futter verwendet wird, werden derzeit 155 Euro pro Tonne gezahlt, im Vorjahr waren es 166 Euro. Die Nachfrage auf dem Weltmarkt sinkt, weil China weniger abnimmt und Russland wegen des verhängten Einfuhrverbots nichts abnimmt. Also bleibt den Landwirten zwei Möglichkeiten, billiger verkaufen oder einlagern, bis der Preis wieder steigt.

Fakten und Zahlen zur Landwirtschaft

Winterroggen ist das meistangebaute Getreide im Land Brandenburg mit 186 500 Hektar, gefolgt vom Winterweizen mit 157 000 Hektar und Wintergerste mit 85 800 Hektar.

Der Landesbauernverband rechnet in diesem Jahr mit einem Gesamtgetreideertrag von etwa 49 Dezitonnen je Hektar, was unter dem Mittel der letzten fünf Jahre von 51 dt/ha liegt.

Im Havelland schätzt der Kreisbauernverband die Erträge bei Roggen im Mittelwert auf 50 dt/ha (in 2013 waren es 54,3 dt/ha) und bei Gerste auf 40 dt/ha (2013: 61,7 dt/ha).

Die Erzeugerpreise für Getreide liegen zum Erntestart auf Jahrestief (15 Prozent unter dem Vorjahr). Einzig beim Raps konnte das Preisniveau des Vorjahres erreicht werden.

Zu kämpfen haben die Landwirte aber noch mit einem Verkehrsproblem. Sie dürfen mit ihren riesigen Traktoren oder gar Mähdreschern die Bundesstraßen 5 und 188 nicht befahren und müssen statt dessen durch Ortschaften wie Nauen und Rathenow schlängeln. „Es ist fast ein Wunder, dass es dabei noch keinen großen Unfall mit Verletzten geben hat“, sagt Dirk Peters. Man ganz abgesehen davon, dass die Landwirte weitere Wege zurücklegen müssen, um auf den Acker oder zum Landhandel zu kommen, wo sie das Getreide verkaufen. „Besonders die neugebauten engeren Straßen und Verkehrsinseln sind zu eng für unsere Maschinen. Ein Traktor mit zwei Hängern ist 18,50 Meter lang. Der muss über Borde fahren.“ Einen Hilferuf hat der Kreisbauernverband bereits an Landesbauernpräsident Udo Folgart und Landrat Burkhard Schröder abgesetzt. „Wir wollen saisonal, also vom 1. Juli bis 30. August, die Bundesstraßen nutzen. Das muss möglich sein“, fordert Peters. Bisher hat der Landesbetrieb Straßenwesen das aus Sicherheitsgründen abgelehnt, weil die landwirtschaftlichen Fahrzeuge zu langsam sind.

Von Jens Wegener

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