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Erste Islamische Gemeinde gegründet

Rathenow Erste Islamische Gemeinde gegründet

Sieben junge Syrer haben in Rathenow eine Islamische Gemeinde gegründet, die für alle Religionen offen sein soll. Rund 40 Mitglieder gehören bereits dazu, sie kommen aus Syrien, Afghanistan, Somalia und Tschetschenien. Die Mitglieder wollen Ansprechpartner für alle Fragen zum Islam sein. Dabei stellen sie sich auch den kritischen Themen.

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Alaa Alhafez, Nawraz Murad, Hasan Al Sharkawe, Mayar Sakram , Fadi Al Saleh und Wassim Aldoughri (v.l.) gehören zum Vorstand der Islamischen Gemeinde. Sie alle sind anerkannte Flüchtlinge.

Quelle: Christin Schmidt

Rathenow. Warum verstecken muslimische Frauen ihre Haare unter einem Kopftuch? Tun sie das freiwillig oder weil es ihre Männer verlangen? Was bedeutet Ramadan und warum gibt es so viele Konflikte innerhalb der muslimischen Welt? Auf diese und viele anderen Fragen zum Islam sollen die Rathenower künftig eine Antwort bekommen. Dafür wollen sieben junge Männer aus Syrien sorgen, die gerade die erste Islamische Gemeinde in der havelländischen Kreisstadt gegründet haben.

Die Gemeinde ist seit Kurzen im Vereinsregister eingetragen. Jeder kann die Satzung lesen und jeder kann selbst Mitglied werden, unabhängig von seinem Glauben. „Wir wollen mit allen reden, ihnen unsere Religion näher bringen und gemeinsam Feste feiern“, betont der Vereinsvorsitzende Hasan Al Sharkawe. Der 42-Jährige floh vor dem Krieg in Syrien und lebt nun mit seiner Frau und fünf Kindern in Rathenow. In seiner Heimatstadt Latakia arbeitete er als Chefkoch, jetzt ist er Mitarbeiter der Migrationsberatung der Arbeiterwohlfahrt, die ihn und seine Mitstreiter bei der Gründung des Vereins unterstützte.

Gemeinde zählt bereits rund 40 Mitglieder

„Wir kooperieren mit der neuen Islamischen Gemeinde weil ihre Ziele auch unserem Leitbild entsprechen. Es geht ihnen nicht nur ums Beten. Sie wollen den Deutschen ihre Kultur und Religion näherbringen und sich integrieren. Das unterstützen wir gern“, erklärt Björn Steinberg, Leiter der AWO-Migrationsberatung. Zudem seien alle Vorstandsmitglieder anerkannte Flüchtlinge, die inzwischen in Rathenow angekommen sind und jetzt den Kopf frei haben für die Ressourcen, die sie mitbringen, so Steinberg.

Rund 40 neu zugewanderte Menschen aus Syrien, Afghanistan, Somalia, Tschetschenien und anderen Staaten sind bereits Mitglied. Die meisten von ihnen kommen aus Rathenow. Der Verein ist aber für alle Havelländer offen.

Ende Juni feierten in Rathenow Deutsche und Muslime erstmals gemeinsam das Zuckerfest

Ende Juni feierten in Rathenow Deutsche und Muslime erstmals gemeinsam das Zuckerfest.

Quelle: Christin Schmidt

Zwischen 300 und 400 Muslime leben mittlerweile im Westhavelland, schätzt Hasan Al Sharkawe. Die meisten von ihnen wohnen in der Kreisstadt. Der Verein möchte dafür sorgen, dass diese Menschen ihre Traditionen auch in der neuen Heimat ausleben können. Bereits Ende Juni hatten die Mitglieder alle Rathenower zum ersten gemeinsamen Zuckerfest eingeladen, um das Ende des Fastenmonats Ramadan zu feiern. Rund 140 Gäste nahmen die Einladung an, darunter zahlreiche Deutsche.

Zudem lädt die Gemeinde jeden Freitag zum Gebet. „Wir beten in einem Nebengebäude des Übergangswohnheims im Birkenweg, suchen aber dringend nach größeren Räumen, auch um Kinder in Arabischer unterrichten zu können“, sagt Alaa Al Hafez. Der 34-Jährige floh 2015 aus Damaskus. Er hat einen Universitätsabschluss in Ökonomie und arbeitet in Rathenow im Institut für Kommunikation und Wirtschaftsbildung (IKW).

Zum Freitagsgebet kommen bis zu 80 Männer

60 bis 80 Männer kommen zu den Freitagsgebeten. Frauen sind ausgeschlossen, da es derzeit für sie keinen separaten Raum gibt, so wie es der Koran vorschreibt, erklärt Al Hafez. Der Vater von drei Kindern versucht ein friedliches Bild des Islam zu vermitteln und scheut auch nicht vor kritischen Fragen zurück. „Ich weiß, dass viele Deutsche inzwischen ein schlechtes Bild von Muslimen im Allgemeinen haben. Mir ist es wichtig, ihnen die Angst zu nehmen. Wenn wir das schaffen, wird vieles einfacher“, ist sich Alaa Al Hafez sicher.

Genau wie seine Mitstreiter ist er froh, dass er mit seiner Familie jetzt in einem friedlichen Land leben kann. Auf die Frage, ob er auch bereit ist, sich den deutschen Gesetzen anzupassen und zum Beispiel darauf verzichtet, eine Zweit- oder Drittfrau zu heiraten, erklärt er: „Der Koran stellt die Interessen der Frauen über denen der Männer, weil Frauen emotionaler sind. Unser Prophet verbietet es uns, ihre Herzen und ihren Willen zu brechen. Die Vielehe ist nur eine Option, statt einer Scheidung.“

Es gibt viel Redebedarf

Viele Männer würden fremdgehen und neben ihrer Frau eine Freundin haben, das sei nur ein anderes Wort für Zweitfrau. In jedem Fall werde er, bevor er ein Gesetzt bricht, sich diesen Schritt sehr gut überlegen, so Alaa Al Hafez.

Er und seine Mitstreiter wissen, es gibt viel Redebedarf. Sie hoffen, dass viele Menschen die Möglichkeit nutzen und künftig alle von der neue Gemeinde in Rathenow profitieren werden.

Laut Einschätzung des Verfassungsschutzes Brandenburg dient die Islamische Gemeinde Rathenow der freien Religionsausübung und bietet keinerlei Anhaltspunkte für islamistische Bestrebungen. Wer Kontakt zur Gemeinde aufnehmen möchte, wendet sich per E-Mail an: i.g.r.verein@gmail.com

Von Christin Schmidt

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