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Erwin Bathe verabschiedet

Langjähriger Zweckverbands-Geschäftsführer geht in Ruhestand Erwin Bathe verabschiedet

Erwin Bathe hatte den Trink- und Abwasserzweckverband Glien aufgebaut, die geschäftliche Verantwortung lastete 18 Jahre lang auf seinen Schultern. Zum Jahresende ist damit Schluss, gestern wurde der 67-Jährige offiziell verabschiedet. 

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Erwin Bathe (r.) mit Geschenkkorb, dem Verbandsvorsteher Bodo Oehme (l.) und dem Ex-Vorsteher Kurt Hartley.

Quelle: Oliver Fischer

Paaren Im Glien. Erwin Bathe hat in seinem Leben vieles schneller gemacht als andere Menschen. Nur bremsen ‒ das war bisher nie seine größte Stärke. Das gilt fürs Autofahren wie fürs Leben. Bathe, 67, ist eigentlich schon seit zwei Jahren Rentner. Ganz loslassen konnte er damals aber nicht. Er hatte den Trink- und Abwasserzweckverband Glien aufgebaut, die geschäftliche Verantwortung lastete 18Jahre lang auf seinen Schultern. Deshalb ließ er beim Wasserbetrieb Owa in Falkensee noch ein Büro einrichten, von wo aus er sich noch ein bisschen um Schönwalder Abwasserprobleme kümmern konnte. Aber auch damit soll Ende des Jahres Schluss sein. Die Enkel sind jetzt dran, sagt Erwin Bathe.

Der Zweckverband hat deshalb seinen langjährigen Chef am Mittwoch gebührend verabschiedet ‒ und gleichzeitig in einer Feierstunde auf seine 20-Jährige Geschichte zurückgeblickt. Eine Geschichte, die mit den denkbar ungünstigen Voraussetzungen begann. "Wir haben bei null angefangen", sagt Verbandsvorsteher Bodo Oehme. Abwasserleitungen gab es zwischen Schönwalde-Siedlung und Grünefeld gar keine, Trinkwasserleitungen nur ein paar Meter. Oehme: "Die Leute hatten Brunnen und Gruben. Das Abwasser wurde ordnungsgemäß in die Erde entsorgt." So ließ sich aber in der neuen Zeit Grundstücke nicht mehr vermarkten ‒ und vor allem keine Gewerbebetriebe ansiedeln. Die heutigen Ortsteile von Schönwalde-Glien und die damalige Gemeinde Bötzow gründeten deshalb einen Zweckverband, fingen mit den Planungen an, stellten 1993 Erwin Bathe als Geschäftsführer ein und legten bei Wansdorf die ersten Leitungen in die Erde, um das dortige Gewerbegebiet anzuschließen. Danach wurden weitere Rohre in Richtung Pausin, Perwenitz und Paaren gelegt, um das Gewerbegebiet mit Kaiser’s und Coca-Cola anzubinden. Danach folgten Schönwalde-Dorf und die Siedlung. "Es gab Zeiten, da wurde überall gebaut, es gab Einwohnerversammlungen, die Leute beschwerten sich über Unannehmlichkeiten und Anschlussbeiträge und den Anschlusszwang", sagt Bodo Oehme. Mittendrin immer: Erwin Bathe, der regelte, was es zu regeln gab. Die Zeiten seien schwer gewesen, sagte Bathe selbst. "Aber ich bin ein Kämpfer. Und ich denke, ich kann heute durch die Straßen gehen, ohne dass mich die Leute anspucken."

Justiziar Jan Fiedler erzählte die Geschichte, die wohl am besten die Bedeutung Erwin Bathes für den Zweckverband zeigt: Der Verband hat 16,8 Millionen Euro Anschlussbeiträge erhoben, darunter auch von vielen Menschen, die kaum Geld hatten. Gerichtsakten, Klagen und Mahnverfahren habe es trotzdem in all den Jahren keine gegeben, sagte Fiedler. "Erwin Bathe ist zu jedem persönlich gegangen und hat so lange mit den Leuten geredet und verhandelt, bis sie eine Zahlungsvereinbarung unterschrieben haben. Und wenn es nur 20 Mark im Monat waren. Das gibt es woanders nicht."

Heute sind 99,3Prozent der Haushalte im Verbandsgebiet an das Abwassernetz angeschlossen. Die letzten Leitungen wurden in diesem Jahr in Bötzow gelegt.

Ob die restlichen paar Häuser, die zum Teil weit abseits liegen, jemals einen Anschluss bekommen, ist fraglich.

Von Oliver Fischer

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