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„Es muss auch das Innovative geben“

11. Galmer Hofkultur „Es muss auch das Innovative geben“

Am 5. September treffen zwischen Pferdekoppeln und Wäldern, im kleinen Dorf Galm zum 11. Mal zeitgenössische Musik und bildende Kunst aufeinander. In Vorbereitung auf die Hofkultur begibt sich Gastgeber Gerhard Göschel auf eine Zeitreise. Er erweckt das kinetische Objekt „Makrokosmus“, das er 1967 baute und zerstörte, wieder zum Leben.

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Makrokosmus 2015: Gerhard und Annette Göschel zeigen im Atelier die noch unfertige Reproduktion des Werkes, das Gerhard Göschel 1967 schon einmal gebaut hatte.

Quelle: Foto: Ch. Schmidt

Galm. Eine schmale Landstraße führt durch satte Wälder, vorbei an Pferdekoppeln hin zu einem kleinen Dorf am Rande des Milower Landes, wo Brandenburg an Sachsen-Anhalt grenzt und der Himmel weit ist. Hier, in Galm – oder wie Ortsansässige sagen, auf dem Galm – hat sich die Gegenwartskunst eine kleine Oase geschaffen. Seit dem Jahr 2000 vereint die Galmer Hofkultur zeitgenössische Musik und bildende Kunst und zieht damit jedes Jahr im September mehr als 200 Menschen aus verschiedensten Teilen der Republik auf den Dreiseitenhof von Annette und Gerhard Göschel.

Während an anderen Orten ähnliche Veranstaltungsreihen am mangelnden Interesse des Publikums scheiterten, gelingt es dem Ehepaar Göschel gemeinsam mit dem Komponisten Jörg Arnecke bereits über Jahre hinweg ein Alleinstellungsmerkmal in der brandenburgischen Kunst- und Kulturlandschaft zu pflegen - und vermutlich noch darüber hinaus. „Meines Wissens gibt es das auch nicht in Schleswig-Holstein oder Niedersachsen“, sagt die Kunstpädagogin Annette Göschel.

Rückkehr zu den künstlerischen Wurzeln

Für ihren Mann ist die Hofkultur in gewisser Weise eine Rückkehr zu seinen künstlerischen Wurzeln. Bereits Mitte der 1960er Jahre hatte er an Ausstellungen mitgewirkt, die zeitgenössische Kunst, Musik, Literatur und Tanz zusammenbrachten. Die erste fand im Januar 1966 unter dem Titel „Begegnungen 1966“ in Nürnberg statt, Ideengeber war der Komponist Dieter Salbert. Der Lyriker Gottlob Haag und Göschel selbst steuerten ihre Werke bei. Im Juni folgte eine weitere Schau in Berlin und schließlich im Oktober 1967 die dritte Auflage in der Berliner Galerie Prisma. Dieses Mal wirkte der japanische Tänzer Shinya Tanaka mit.

Das Interesse war stets Mal groß, die Veranstaltungen ausverkauft, erinnert sich Göschel. Das wäre vermutlich auch weiterhin so gewesen, hätten sich die Künstler nicht heftig gestritten. In einem Anflug von Wut und Enttäuschung zerstörte Göschel seine gesamten Werke und sagte sämtliche Ausstellungen ab . „Das war ein großes Vergnügen, es war einfach nötig“, erinnert er sich. Erst 1989 kehrte Göschel zur Kunst zurück.

Göschel nimmt die Herausforderung an

Dass er heute so intensiv an diese Zeit zurückdenkt, ist Wolfgang Siano zu verdanken. Bei einem Besuch zur Vorbereitung der Galmer Hofkultur vor knapp zwei Monaten entdeckte der freie Kunstwissenschaftler ein Foto von Göschels kinetischem Objekt „Makrokosmus“, das 1967 entstand. „Bau das doch mal nach“, forderte Siano und der Künstler nahm die Herausforderung an. Seither werkelt Gerhard Göschel in seinem Atelier am Makrokosmus 2015. Als Vorlage dienen ihm alte Schwarz-Weiß-Aufnahmen, Farbfotos existieren nicht. Insofern gibt es mit Sicherheit Unterschiede zum Original. Auch den Scheibenwischermotor des 2CV, den Göschel damals verbaute, hat er durch ein geräuschloseres Modell ersetzt. Schließlich geht es um die Bewegung als Kunstmittel und nicht um den Ton.

Jede Zeit hat ihre Kunst und die Kunst unserer Zeit wollen Göschels nicht nur zeigen, sie wollen deutlich machen, dass der Blick nach vorn für die Künste so essenziell ist wie für die Wissenschaft. „Es muss auch das Innovative geben. In der Wissenschaft ist das selbstverständlich, in der Kultur leider nicht. Man tut gut daran, nicht nur die gewohnten Dinge zu präsentieren“, betont Annette Göschel. Dass das nicht immer leicht ist, weiß das Paar. In den ersten fünf Jahren musste die Galmer Hofkultur ohne Förderung auskommen. Das hat sich mittlerweile geändert. Inzwischen zeigt sich auch die Politik gern auf dem Dreiseitenhof. Ob Gerhard Göschel noch mehr alte Werke nachbaut? „Kann sein. Ich weiß nicht“, sagt er in seiner schlichten Art.

Info: 11. Galmer Hofkultur mit Musik, Bildern und Skulpturen. Die Veranstaltung beginnt am 5. September um 14 Uhr auf dem Galm bei Zollchow (Gemeinde Milower Land).

Von Christin Schmidt

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