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Havelland Etwas abgelegen, aber mit viel Grün
Lokales Havelland Etwas abgelegen, aber mit viel Grün
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06:45 03.08.2016
Auf einer schnurgeraden Lindenallee geht es direkt nach Kienberg hinein. Quelle: Andreas Kaatz
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Kienberg

Ein Erlebnis in seiner Jugend hat Alexander Schmunk ganz besonders geprägt. „Als ich 17 war, fuhr ich mit dem Motorrad die Lindenallee nach Kienberg hinein. Es war Frühjahr, das Grün sprießte, es war ein herrlicher Anblick“, sagt der Ortsvorsteher. Immer hatte er ein wachsames Auge auf den grünen Schatz. „Wenn Bäume abgeholzt werden, werde ich wild.“ Er hofft, dass die Stubben an der Dorfstraße bald wegkommen und dass da, wo Bäume fehlen, wieder welche gepflanzt werden.

Viel zu bieten hat das etwas abgelegene Dorf, das König Friedrich Wilhelm I. im Jahre 1718 mitten im Luch anlegen ließ, nicht. Die Kneipe, die sich gegenüber der Feuerwehr befand, gibt’s schon lange nicht mehr. Auch eine feste Einkaufseinrichtung sucht man vergebens. Früher hatte Kienberg wie viele Dörfer wenigstens einen Konsum. Trotzdem ziehen die Leute heutzutage dort hin. Von rund 350 Menschen zur Wende ist die Bevölkerungszahl auf 481 gestiegen. „Es gibt Kinder, die wollen bleiben, aber wir haben kaum noch Platz zum Bauen“, sagt Schmunk.

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Die Kapelle in Kienberg

Nach der Wende entstand am Ortseingang die Siedlung Am Wiesengrund, deren Architektur im Dorf kontrovers diskutiert wurde. Zudem sorgte die Insolvenz des Investors für Ärger. „Durch die Siedlung kamen aber viele junge Familien ins Dorf“, so der Ortsvorsteher. So konnte die Kita, die seit Anfang der 90er-Jahre ihr Domizil in der einstigen Schule hat, besser ausgelastet werden. „Als wir von der Stadt Nauen geschluckt wurden, bestand die Gefahr, dass die Kita aus politischen Gründen geschlossen werden soll“, sagt der Ortsvorsteher, der froh ist, dass es nicht dazu gekommen ist. Derzeit ist die Kita gut ausgelastet, 41 der 48 Plätze sind belegt. Die Kinder kommen nicht nur aus Kienberg, sondern auch aus Börnicke und Nauen. Manche Eltern, die ihre Kinder nur übergangsweise betreuen lassen wollten, haben sie dort belassen. „Es geht hier sehr familiär zu. Die Kinder sind viel an der frischen Luft“, sagt Jutta Genge, Leiterin der Kita. Die Eltern seien sehr zufrieden.

Seit 1980 arbeitet sie in der Kita, damals noch im ehemaligen Gutshaus. Das ist jetzt privat, im Haus sind Wohnungen. Die Mieter schauen auf den einstigen Wirtschaftshof, der schon bessere Zeiten gesehen hat. Der Stall sieht aus, als wenn die Kühe ihn gerade eben verlassen haben, auf dem Hof steht landwirtschaftliche Technik, das Unkraut wächst. Schmunk wäre es am liebsten, wenn sich bald jemand fände, der aus dem Areal etwas macht. Ein Altersheim und Seniorenwohnungen würden passen. „Auch der Geschäftsführer der Agrar GmbH ist daran interessiert, dass hier eine Entwicklung stattfindet“, sagt der Ortsvorsteher.

Er ist zudem froh, dass es gelungen ist, den Anbau ans Feuerwehrdepot zu errichten. Nun hofft er, dass 2019/20 auch das alte Gebäude instandgesetzt wird. „Die Feuerwehr hat einen hohen Stellenwert im Dorf“, sagt der stellvertretende Ortswehrführer Doneiko Heyer. „Leider ist die Beteiligung nicht ganz so wie gewünscht. Wir haben 15 Aktive, es könnten mehr sein.“ Vor ein paar Monaten wurde nun sogar ein Förderverein der Feuerwehr gegründet, „um das Dorfleben in die Gänge zu bringen“, wie Heyer meint. So hat der Verein bereits das Frühlingsfeuer veranstaltet und auch „Kienberg rockt“ am 9. Juli mit mehr als 100 Besuchern. „Eine gelungene Veranstaltung“, so Doneiko Heyer. Zudem soll der Förderverein die Jugendfeuerwehr unterstützen, in der fünf Kinder sind. Der Vize-Ortswehrführer würde sich über Zuwachs bei den Feuerwehrleuten freuen. „Und wer nicht aktiv dabei sein will, der kann sich ja im Förderverein engagieren“, lädt er zur Mitarbeit ein.

Dass generell etwas mehr für die Jugend im Dorf getan wird, würde sich Schmunk wünschen. Er bedauert, dass es mit dem Jugendclub nicht funktioniert hat. Dieser sollte im Flachbau an der Hauptstraße entstehen – da wo früher der Konsum war, die Post, das Bürgermeisterbüro und die Arztpraxis. Doch der geplante Umbau des Gebäudes erwies sich als zu teuer. „Jetzt sind dort ausschließlich Mietwohnungen drin. „Besser als nichts“, meint der Ortsvorsteher.

Darüber hinaus hat Kienberg einen Sportverein, einen Schützenverein und eine kleine Kapelle, die unlängst erst einen neuen Fassadenanstrich bekommen hat. Die Glocke, die früher im Turm war, steht schon seit Langem auf einem Gestell neben dem kleinen Gotteshaus.

Die älteren Kienberger können sich noch daran erinnern, dass früher durch den Ort die Kleinbahn fuhr. Peter Schröder wohnte damals bei seinen Großeltern direkt an der Strecke Nauen-Kremmen – in dem Haus, in dem er heute noch immer lebt. Der Opa arbeitete gegenüber auf dem Bahnhof Kienberg, das Bahnhaus wurde Anfang der 70er-Jahre abgerissen. Auch Schröder war sein Leben lang bei der Bahn angestellt. Jetzt ist er Rentner. Sein Grundstück ist nicht zu verfehlen – es befindet sich da, wo die Bahnschranke steht. Dahinter ist ein Sammelsurium an Bahnutensilien aus früheren Tagen, praktisch ein Stück Eisenbahngeschichte. Zuletzt hat er sich noch eine kleine Lok selbst gebaut, ebenso einen Mini-Waggon. Von überallher kommen die Leute, um sich das anzuschauen. „Letztens waren welche aus Frankfurt/Oder da.“ Peter Schröder fühlt sich wohl in Kienberg. „Es ist auch schön, wenn die Kraniche im Herbst wieder kommen“, meint er.

Und die pausieren auch in der Nähe von Teufelshof, einer etwas abseits gelegenen Siedlung, die mit zu Kienberg gehört und zu der erst seit 1996 eine Bitumenstraße führt. In dem Bereich befand sich früher ein Dampfpumpwerk zur Entwässerung des Luchgebietes sowie ein Gutshaus, von dem aber nichts mehr zu sehen ist. Die Russen sollen es nach dem Krieg zerstört haben. Heute ist Teufelshof eine Ansiedlung mit einigen wenigen Häusern inmitten von viel Grün, zu der auch die Gutenberg-Sparte gehört. Die Kleingartenanlage mit 80 Parzellen entstand in der zweiten Hälfte der 80er-Jahre, wurde für die Mitarbeiter der Zeitung „Neues Deutschland“ gegründet, wie Schmunk sagt. „Nach der Wende war sie verrufen, es gab einen Runden Tisch. Einige forderten gar, die Anlage zurückzubauen.“ Doch es gibt sie bis heute, viele neue Eigentümer sind hinzugekommen.

Von Andreas Kaatz

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