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Experten suchen Gründe für hohe Pegelstände

Rathenow Experten suchen Gründe für hohe Pegelstände

Im Sommer 2011 sorgten extreme Regenfälle rund um die Region Rathenow für voll gelaufene Keller und überflutete Leitungsschächte. Um die genaue Ursache der Überschwemmung zu ergründen und gegen eine Wiederholung gewappnet zu sein, wird nun ein hydrologisches Gutachten in Auftrag gegeben.

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Mitglieder der BI Grundwasser vor einigen Wochen beim Säubern des Körgrabens.

Quelle: Norbert Stein

Rathenow. Seit dem Sommer des Jahres 2011, als in Teilen der Stadt Rathenow hohe Grundwasserstände bei Hausbesitzern für nasse Keller und bei der Rathenower Wärmeversorgung für geflutete Leitungsschächte sorgten, hat sich die Lage entspannt. So nass jedenfalls wie vor sechs Jahren ist es seitdem nicht mehr geworden.

Das ist unter anderem auch der Bürgerinitiative Grundwasser zu verdanken, die seit den damaligen Ereignissen immer wieder auf Verbesserungen zum Schutz vor hohen Pegeln drängt. Allerdings gibt es trotz dieses Engagements bislang noch keine eindeutige Antwort auf die Frage, was die Ursache für extreme Nässe damals war.

Aufschluss soll ein Gutachten geben, das noch in diesem Jahr in Auftrag gegeben wird. Nach Auskunft von Rathenows Vize-Bürgermeister Hans-Jürgen Lemle geht es in dem Gutachten darum, Daten zu sammeln, auszuwerten und dann eine Art Masterplan zu entwerfen, mit dem in Zukunft bedrohliche Grundwasserstände verhindert oder zumindest abgemildert werden können.

„Der Wasserhaushalt rund um Rathenow ist ein hoch kompliziertes System, in dem sich viele Faktoren gegenseitig beeinflussen“, sagt Lemle. So sei beispielsweise erwiesen, dass 2011 überdurchschnittlich hohe Niederschlagsmengen den Grundwasserpegel ansteigen ließen. Aber das allein sei noch nicht die Erklärung für die gefluteten Keller und Leitungsschächte. Es gehe auch darum, wie und wie schnell das viele Regenwasser aus der Fläche abgeleitet werden könne. Und welche Rolle bei diesem Prozess die Entwässerungsgräben spielen.

Hintergrund

Das Thema Grundwasser hat nicht nur die Rathenower Stadtverordnetenversammlung beschäftigt, sondern war auch im Kreistag mehrfach Thema.

Die von der Linksfraktion beantragte Einsetzung eines Unterausschusses Grundwasser wurde abgelehnt. Stattdessen beteiligt sich der Kreis an der Erstellung eines hydrogeologisches Gutachtens zur Ursachenforschung.

Genau diese Zusammenhänge sollen in dem Gutachten, das vom Kreis Havelland finanziert wird, beleuchtet werden. Dazu ist es Lemle zufolge unerlässlich, Daten zu sammeln. Niederschlagsmengen, Havelpegel, Abflussgeschwindigkeit, Grundwasserstände – all diese Daten seien zu erheben. Und zwar über einen langen Zeitraum. Denn natürlich ändern sich dieses Faktoren je nach Jahreszeit. Ein einziger, womöglich trockener Herbst gebe keinen Aufschluss über das Pegelverhalten in der Region. „Erst wenn die genannten Daten über mehrere Jahre gesammelt und verglichen werden, kann man zu verlässlichen Antworten auf die Frage kommen, was die Ursachen für die damalige Flut waren.“

Es wird also mindestens zwei Jahre dauern, bis die Gutachter anfangen, aus den gesammelten Daten Schlüsse zu ziehen. Das heiße aber nicht, dass man die Dinge in dieser Zeit tatenlos geschehen lasse, so Lemle. Seit den hohen Pegelständen vor sechs Jahren seien diverse Dinge unternommen worden, um einer Wiederholung der Ereignisse entgegen zu wirken. Vor allem bei der Pflege und dem Unterhalt der Gräben habe die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Wasser- und Bodenverband einige Anstrengungen unternommen. Der Vorwurf, verkrautete Gräben würden den Abfluss des Wassers aus der Fläche behindern, könne heutzutage jedenfalls nicht mehr erhoben werden.

Allerdings wisse man eben immer noch nicht genau, welcher der etlichen Gräben rund um Rathenow welchen Effekt auf den Grundwasserspiegel in bestimmten Gebieten habe. „Es wird in alle Richtungen spekuliert“, so Lemle. Von dem in Auftrag zu gebenden Gutachten erhoffe man sich belastbare Aussagen zu Ursache und Wirkung bestimmter Aktionen. Dann könne bei drohenden Extrempegeln noch gezielter gegengesteuert werden. Es werde aber immer darum gehen, einen Kompromiss zu finden zwischen den Interessen der Hausbesitzer, die es in ihrer Umgebung so trocken wie möglich haben wollen, und den Interessen des Naturschutzes, der zum Schutz von Flora und Fauna eine gewisse Vernässung befürworte.

Von Markus Kniebeler

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