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Fahnen und Kerzen im Nebel: Wer ist das Volk?

Demonstrationen für und gegen Asyl in Rathenow Fahnen und Kerzen im Nebel: Wer ist das Volk?

Während das der Pegida nahestehende Bürgerbündnis auf dem Märkischen Platz am Dienstag erneut heftig gegen Asylmissbrauch wetterte, trafen sich auf dem Bebel-Platz diejenigen, die sich für die Geflüchteten einsetzen wollen. Nächsten Dienstag könnte der Aufmarsch der Asyl-Gegner noch größer werden.

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„Herz statt Hetze“: Bürgermeister Ronald Seeger (links) und Robert Güse.

Quelle: Joachim Wilisch

Rathenow. „Wir sind das Volk“, hörte man die Teilnehmer der Versammlung des pegidanahen Bürgerbündnisses Havelland skandieren. Wenn man von der Zahl der Teilnehmer ausgeht, stand das Volk wohl auf dem Märkischen Platz. Denn das Bürgerbündnis hatte deutlich mehr Menschen motiviert, als die Gesprächs- und Musikversammlung des Bündnisses „Herz statt Hetze“. Auf dem Märkischen Platz befanden sich nach Polizeiangaben rund 600 Personen, auf dem Bebel-Platz etwa 350 Menschen.

Christian Kaiser und sein wohl organisiertes Bündnis

Das Bürgerbündnis startete mit Christian Kaiser, der mit seinem Namen „verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes“ zeichnet. Hinter dem Bürgerbündnis muss aber ein gut strukturierter Apparat stehen. Das wird deutlich, wenn man beobachtet, wie schnell Flugzettel mit dem Aufruf des Bürgerbündnisses verteilt waren. Und wenn man das hochwertige Papier sieht, auf dem die Flyer gedruckt sind, wird ebenfalls klar: da hat jemand Geld.Christian Kaiser also wetterte gegen Asylmissbrauch. Gegen diejenigen, die sowieso keine Chance haben, Asyl in Deutschland zu bekommen und er führte Klage, wie viel das alles kostet. Geld, das man doch so viel besser verwenden könne.

Lösungen hatte er keine, die präsentierte er nicht. „Merkel muss weg“, schrie die Menge und Kaiser forderte die Versammlungsteilnehmer auf, Nationalstolz zu zeigen. „Ich habe eine Deutschlandfahne an meinem Haus und das hat nix mit Fußball zu tun“, sagte er.

Bekenntnis zu einem toleranten, lauten und bunten Rathenow

Bekenntnis zu einem toleranten, lauten und bunten Rathenow.

Quelle: Joachim Wilisch

Musik und Gespräche auf dem Bebel-Platz

Einen kurzen Weg weiter auf dem Bebel-Platz hatte Robert Güse die Moderation übernommen. Er war Mitglied des Kinder- und Jugendparlamentes. Auf dem Platz ging es ruhiger zu. Friedlich eben. Kerzen wurden angezündet. Bürgermeister Ronald Seeger unterstrich, das Grundgesetz und die darin enthaltenen Asylregelungen seien Grundlage allen Handelns. „Wir Politiker haben einen Eid auf die Verfassung abgelegt und wir halten uns daran.“

Musik erklang. Ein Duo aus der Musikschule spielte und sang. Und dazwischen immer wieder die Aufforderung, man solle mit der anderen Seite ins Gespräch kommen. Bürgermeister Seeger lud die Teilnehmer der Versammlung auf dem Märkischen Platz an einen runden Tisch ein. „Lassen sie uns miteinander reden statt schwache Menschen zu verurteilen, die vor Krieg und Terror geflohen sind.“

„Herz statt Hetze“ diesmal laut und bunt

Sehr engagiert und mit viel Applaus bedacht meldete sich dann eine junge Frau zu Wort, die das Jugendfestival „Laut und Bunt“ in Rathenow mitorganisiert. Eben dieses Festival entstand aus dem Widerstand gegen rechtsextreme Strömungen in Rathenow und der Region. „Ich war vergangene Woche auf dem Märkischen Platz“, sagte sie. „Mir war schlecht von den Fahnen und vielen hohlen Fragen“ Besonders enttäuscht habe sie aber, dass dort Menschen waren, mit denen sie befreundet war. „Das hat mich tief getroffen. „Auch ich habe Angst“, sagte sie. „Angst davor, dass noch mehr Asylbewerberheime brennen, dass Menschen verletzt werden und dass es mehr Gewalt gibt.“ Und um dem Kontra zu geben soll es im kommenden Jahr auch wieder „Laut und Bunt“ geben.

Und kommende Woche ein Protestmarsch

Unterstützung bekam „Herz statt Hetze“ von vielen Seiten. Eine Abordnung der SPD aus Brandenburg an der Havel war da, Rathenower Stadtverordnete, Vertreter aus Unternehmen und Verbänden. Unterstützung wird das Bündnis brauchen. „Wenn das jede Woche so ist, muss man schauen, wie man sich dagegen stellt“, sagte Bürgermeister Seeger.

In der kommenden Woche wird das Demonstrationsgeschehen eine neue Qualität erreichen. Das Pegida-Bürgerbündnis hat einen Protestzug durch Rathenows Straßen angemeldet.

Von Joachim Wilisch

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