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Falkenhorst: Ruhig, grün, bezahlbar

Falkensee Falkenhorst: Ruhig, grün, bezahlbar

Gute Nachbarschaft statt Bronx-Feeling herrscht im Falkenseer Wohngebiet Falkenhorst. Bei einem Spaziergang durch das häufig verurteilte Viertel erlebte MAZ familien- und seniorenfreundliche Angebote, gepflegte Blumenbeete, hilfsbereite Nachbarn graffitiarme Häuserwände und müllfreie Straßen.

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Anlässlich der Fertigstellung des zweiten barrierefreien Hauses der WGF wurde ein Mieterfest gefeiert. 23 neue Wohnungseinheiten sind seit dem Spatenstich im März 2015 entstanden. Auch Peter Pohl (vorne) zieht gemeinsam mit seiner Frau in eine der neuen Wohnungen ein.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Falkensee. Knallig rote Geranien rankeln aus den Blumenkästen. Im dritten Stock zupft eine Bewohnerin emsig an einem ausladenden Margeritenstrauch. Auf den Wäscheleinen baumeln Kindersocken, Bettwäsche und Nachthemden.

Discounter, Drogerie und Postfiliale fehlen

Kurz nach Schulschluss füllen sich die kleinen Spielplätze im Falkenseer Wohngebiet Falkenhorst und Kinderstimmen durchbrechen die Ruhe in den Hinterhöfen. Zu stören scheint das jedoch niemanden. Auf einer Bank haben es sich Sabrina Lassel und Mutter Marita Wiedemann gemütlich gemacht. „Meine Kinder finden die Geräte super und verbringen viel Zeit an der frischen Luft. Da wir direkt hier wohnen, ist das gar kein Problem“, so die 32-jährige Lassel. Marita Wiedemann lebt bereits ihr ganzes Leben in Falkensee, seit 15 Jahren ist sie im Falkenhorst Zuhause. „Seitdem Kaisers weg ist, muss ich im NP-Markt einkaufen. Das Sortiment ist viel kleiner und versuchen Sie mal um 17 Uhr noch Brötchen zu bekommen“, so die 63-Jährige mit einem Kopfschütteln. „Wir älteren Leute sind aber darauf angewiesen, dass es eine Einkaufsmöglichkeit in der Nähe gibt. Der alte Kaisers-Markt sollte wiederbelebt werden, vielleicht mit einem preisgünstigeren Discounter“, so Wiedemann, die sich außerdem eine Drogerie und eine Postfiliale zurückwünscht.

Gepflegte Balkone wohin das Auge blickt

Gepflegte Balkone wohin das Auge blickt.

Quelle: Laura Sander

Gute Nachbarschaft statt Bronx-Feeling

Ähnlich sieht das Anwohner Peter Kray, der seit 1992 im ehemaligen „Lehrerblock“ an der Habichtstraße lebt und sich gerade um das kleine Stück Grün neben seiner Eingangstür kümmert. „Der Wohnblock wurde in den 1960er-Jahren gebaut, um Lehrer in Falkensee zu halten. Ich wohne hier gerne und fühle mich wohl – Kaisers fehlt jedoch sehr“, sagt der 74-Jährige auf seine Harke gestützt. Dass sein Wohngebiet von einigen Falkenseern so abgewertet wird, kann der Rentner nicht verstehen. „Das ist hier ja nicht die Bronx in New York und Wellblechhütten stehen hier auch keine. Ich habe ein gutes Verhältnis zu meinen älteren Nachbarn und selbst der Generationswechsel hier im Fakenhorst hat nicht viel verändert“, sagt Peter Kray, der gerne Zeit im Familiencafé des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) verbringt.

„Ich will hier nicht mehr weg“

Die vielen Kinder und Jugendlichen, die sich oft und gerne auf den Spielplätzen des Wohngebiets treffen, kommen im Falkenhorst ebenfalls auf ihre Kosten. Schräg gegenüber der Diesterweg-Grundschule, die derzeit rund 500 Schüler besuchen, befindet sich der ASB-Jugendklub „Die Brücke“. Hier wird gebacken, musiziert, gebastelt und bei den Hausaufgaben geholfen. „Es ist sehr familiär im Falkenhorst“, findet auch Anwohnerin Ilona Schwarz. „Meine vier erwachsenen Söhne haben bereits eigene Wohnungen und auch Oma bin ich schon geworden“, so die Falkenseerin. „Sie sind hier aufgewachsen und zu meiner großen Freude geblieben. Kürzlich ist nun auch meine Mutter hergezogen, in eines der altersgerechten Häuser – es ist wie Mehrgenerationenwohnen, nur dass man auch mal komplett für sich sein kann“, lacht die 53-Jährige. „Im Falkenhorst ist es ruhig, grün und vor allem bezahlbar. Ich will hier nicht mehr weg.“

Barrierefrei und seniorenfreundlich

Bereits vor zwei Jahren hatte die Wohnungsgenossenschaft Falkenhorst (WGF) den ersten Neubau mit Fahrstuhl und barrierefreien Wohnungen fertiggestellt – gegenüber des NP-Marktes und unschwer erkennbar an den orangefarbenen Fensterläden. In diesem Monat feierte die Genossenschaft nun weitere 23 seniorengerechte Wohneinheiten, die seit dem Spatenstich im Frühling 2015 entstanden sind. Auch frühere Bauten im Falkenhorst gehen auf das Konto der WGF. Von 1958 bis 1963 entstanden insgesamt 138 Wohnungen in dreigeschossigen Häusern.

Genossenschaftsfusion

Im Jahr 2012 fusionierten die 1919 gegründete Wohnungsbaugenossenschaft „Frieden“, die über die Jahre auf gerade einmal 61 Genossenschaftler geschrumpft war, und die 1957 gegründete Wohnungsgenossenschaft Falkenhorst (WGF).

Nach der Fusion verfügte die WGF über 673 Mitglieder und 606 Wohnungen. Diese Anzahl dürfte jedoch mit dem neu gebauten Seniorenwohnpark an der Coburger Straße noch einmal gewachsen sein. Ein drittes seniorengerechtes Wohnhaus könnte künftig entstehen.

So richtig ging es mit dem komplexen Wohnungsbau jedoch erst 1989 los. Mit dem Bau begonnen hatte zu DDR-Zeiten noch die VEB Gebäudewirtschaft, die sich im Juli 1990 auflöste. Gleichzeitig wurde die Gesellschaft für Gebäudewirtschaft Falkensee (Gegefa) gegründet, die die Bauarbeiten fortsetzte – davon überzeugt, dass die neue Zeit nicht nur Luxuswohnungen, sondern auch bezahlbaren Wohnraum brauche. Nach einer wirtschaftlichen Schieflage zu Anfang des neuen Jahrtausends konzentrierte sich die städtische Gebäudewirtschaft dann wieder stärker auf die Vermietung der Wohnblöcke und deren Instandsetzung. Heute sind die meisten Häuser im Falkenhorst saniert und erstrahlen in neuem Glanz – gepflegte Blumenbeete, graffitiarme Häuserwände und müllfreie Straßen inklusive.

Von Laura Sander

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