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Havelland Falkensee: Rechter Trainer erhitzt Gemüter
Lokales Havelland Falkensee: Rechter Trainer erhitzt Gemüter
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20:56 07.08.2015
Gegen den Falkenseer Ex-Trainer ermittelt der Staatsschutz. Der junge Mann hatte auf Facebook mit einem Gewehr posiert und darunter unter anderem „Töte sie gleich alle“ geschrieben.  Quelle: dpa
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Falkensee

 Noch immer ermittelt der Staatsschutz gegen den Ex-Fußball-Trainer, der mit einem Gewehr im Sozialen Netzwerk Facebook posiert, „Töte sie gleich alle“ geschrieben und rechte Hetzbeiträge verbreitet hatte (MAZ berichtete). Der Mann war Trainer der Frauenspielgemeinschaft Falkensee (FSG), die gemeinsam vom SV Falkensee-Finkenkrug und Blau-Gelb Falkensee betrieben wird. Nun hat sich Blau-Gelb in dem Fall zu Wort gemeldet. „Vorab möchte ich betonen, dass es in unserer Gesellschaft und damit auch beim SV Blau-Gelb Falkensee e.V. keinen Platz für Nationalsozialistisches Gedankengut, Rassismus und Fremdenhass geben darf“, sagt der Vorsitzende Jörg Schmidt. Allerdings sei das Trainerengagement für den Mann – unabhängig der aktuellen Berichterstattung der MAZ – ausgelaufen, er sei auch niemals Vereinsmitglied bei Blau-Gelb Falkensee gewesen.

Die Tatsache, dass Patrick Rathmann, Abteilungsleiter der FSG, bei Facebook einen relativierenden Beitrag des Trainers mit „gefällt mir“ markiert hatte, wollte der Vereinsvorsitzende allerdings nicht kommentieren. Unklar bleibt auch, ob das für Rathmann Konsequenzen haben könnte. Der Ex-Trainer, mit dem Rathmann auf Facebook befreundet ist, hatte als Reaktion auf den MAZ-Beitrag geschrieben, man könne Rassismus häufig von zwei Seiten sehen, und Politik habe im Fußball nichts zu suchen. Ebenso wie „Deutsche Presse, halt die Fresse“- ein Ausruf, der unter anderem in der Hooligan-Szene beliebt ist.

Der Fall scheint zu polarisieren, auf Facebook wurde das Thema in den vergangenen Wochen kontrovers diskutiert. In mehreren Falkensee-Gruppen gab es rund 200 Kommentare dazu. Ein Nutzer schreibt, er kenne den Ex-Trainer aus dem Falkensee Jugendclub „Die Brücke“, den er besucht habe. Er sei damals schon auffällig gewesen, weil er NPD-Sticker in der Tasche und Kontakt zu anderen Rechten im Havelland, sowie zur Hooligan-Szene gehabt habe. „Wirkt selbstsicher in seinem rechten Weltbild, schwer ranzukommen“, schreibt der Mann. Für ihn sei logisch, dass so jemand in einem Verein nichts zu suchen habe. Wenn jemand im Internet rechts sei und mit Waffen posiere, könne er eben kein Fußballtrainer sein. „Auch kein Lehrer oder Polizist.“

Kommentar: Imageschaden für die Gartenstadt

Eine Vereinschefin, die es nicht für nötig hält, sich öffentlich von ausländerfeindlichen Beiträgen eines Jugend-Fußballtrainers zu distanzieren. Ein Bürgermeister, der es nicht für nötig hält, sich öffentlich zu äußern gegen eine Art von rechtsgerichtetem Gedankengut, das sich in seiner Stadt offenkundig nicht begrenzen lässt auf einen einzelnen durchgeknallten Trainer. Denn auch weitere Funktionäre machen ja aus ihrer bedenklichen Gesinnung keinen Hehl. Inzwischen ist bei diesem Thema ein Zustand erreicht, in dem weniger das Fehlverhalten an sich empört als viel mehr der Versuch, die leidige Sache auszusitzen und sich aus der Verantwortung zu stehlen. Das ist beschämend und fahrlässig zugleich. Unerträglich wäre das indes, gäbe es nicht Menschen abseits von Vereinen und Politik, die sich sehr darum bemühen, Flüchtlingen das Ankommen in Falkensee zu erleichtern. Stefan Kuschel

Das sehen nicht alle so. „Wer legt denn in einem Sportverein fest welche Meinung noch genehm ist?“, fragt ein Falkenseer, der immerhin mal Falkenseer Bürgermeisterkandidat war. Die Sache sei in seinen Augen nur aufgebauscht worden. Gerade in Internet-Foren gebe es Menschen, „die mächtig auf die Kacke hauen und draußen sind sie still.“ Der Ex-Trainer habe das Recht, keine „Asylanten“ zu wollen. Deshalb könne man ihm nicht unterstellen, ausländerfeindliche Parolen an Kinder weiterzugeben. „Wie viele Trainer hatten denn in der DDR ein Parteibuch, und die waren alle Chefideologen“, fragt der Facebook-Nutzer rhetorisch.

Das Problem sei doch, dass ein Trainer für eine Vorbildfunktion habe, erwidert ein anderer. „Das bezieht sich nun mal nicht nur auf Fußball, sondern auch auf Themen abseits des Platzes.“ Er erhält Zuspruch im Forum: „All meine Trainer in meiner Kindheit haben, sollten und konnten Werte vermitteln. Keiner kam je auf die Idee, im Kopf oder gar durch Äußerung in der Öffentlichkeit, Personen aufgrund ihrer Herkunft auszugrenzen.“

Es gibt auch Kritik am Verhalten des SV Falkensee-Finkenkrug in der Sache. Zur Erinnerung: Die Vereinsvorsitzende Barbara Richstein hatte den Ex-Trainer zur Rede gestellt und es danach nicht für nötig befunden, den Mann des Amtes zu entheben. Die Begründung: Er habe erklärt, nicht rechtsextrem zu sein und sich im Verein nie etwas zu Schulden kommen lassen. Richstein relativiere damit Rassismus, wirft ihr ein Mitglied der Falkenseer Willkommensiniative für Flüchtlinge auf Facebook vor. Ein anderer schreibt: „Der Verein hätte sich meiner Meinung nach gleich distanzieren sollen. So wirft es kein gutes Licht auf den Verein, wenn alle noch privat auf Facebook Kommentare des Ex-Trainers liken.“

Von MAZ online

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