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Falkensee: Vor dem Einzug

Anwohner besuchten Flüchtlingsnotunterkunft Falkensee: Vor dem Einzug

Leise Gespräche unter Nachbarn, besorgte Fragen und erklärende Worte vermischten sich am Montag im ehemaligen Agon-Möbelhaus zu einem bunten Stimmengewirr. In kleinen Gruppen wurden die Anwohner der angrenzenden Semmelhaack-Siedlung vor dem Einzug der Flüchtlinge durch die Notunterkunft an der Seegefelder Straße geführt.

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Die Anwohner der Semmelhaack-Siedlung in einem der drei Schlafsäle.

Quelle: Laura Sander

Falkensee. Leise Gespräche unter Nachbarn, besorgte Fragen und erklärende Worte vermischten sich am Montag im ehemaligen Agon-Möbelhaus zu einem bunten Stimmengewirr. In kleinen Gruppen wurden die Anwohner der angrenzenden Semmelhaack-Siedlung durch die künftige Notunterkunft für rund 300 Flüchtlinge an der Seegefelder Straße geführt. Mit einem leichten Ruckeln prüften sie die Stabilität der Doppelstockbetten und nahmen jede Nische in Augenschein. Die Sanitäranalgen hinter dem Gebäude waren für viele besonders interessant. Dicht an dicht drängten sich die Nachbarn in die kleinen Duschcontainer. „Mit der Führung durch die Räumlichkeiten wollen wir Ängste abbauen und zeigen,wie die Menschen für die nächsten Monate leben, bevor sie in anderen Unterkünften untergebracht werden“, so Steffen Kirchner von der Johanniter-Unfall-Hilfe, dem Betreiber der Unterkunft. „Eine Notunterkunft ist nicht schön, sie ist provisorisch und funktional. Stellen Sie sich vor, Sie müssten mit 100 Menschen in einem Zimmer schlafen.“

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Leise Gespräche unter Nachbarn, besorgte Fragen und erklärende Worte vermischten sich am Montag im ehemaligen Agon-Möbelhaus zu einem bunten Stimmengewirr. In kleinen Gruppen wurden die Anwohner der angrenzenden Semmelhaack-Siedlung vor dem Einzug Flüchtlinge durch die Notunterkunft an der Seegefelder Straße geführt.

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Dass Ängste bestehen und viele Fragen bislang anscheinend unbeantwortet blieben, zeigte die Veranstaltung am Montagnachmittag. „Ich fühle mich nicht ernst genommen und schon gar nicht ausreichend informiert“, so Anwohner Wolfgang Braun. „Ich möchte nicht in eine Ecke gedrängt werden, nur weil ich Bedenken habe.“ Immer wieder bildeten sich Grüppchen um Heimleiter Detlev Cleinow, den stellvertretenden Landrat Roger Lewandowski (CDU) und Bürgermeister Heiko Müller (SPD). Mehrmals wurde die geplante Nutzungsdauer thematisiert. Steffen Kirchner fand dafür klare Worte: „Der Mietvertrag läuft vorerst für ein Jahr mit der Option auf Verlängerung. Nach drei Jahren ist dann endgültig Schluss, da der Investor eigene Pläne hat.“ Große Sorgen machten sich einige Eltern auch um das Konfliktpotenzial in der Unterkunft. Konflikte könnten natürlich auftreten, so Kirchner, er persönlich habe das allerdings noch in keiner Einrichtung erlebt. „Neben dem Wachschutz sind unsere Sozialhelfer vor Ort, sprechen mit den Menschen, übersetzen und vermitteln.“ Unter ihnen ist auch Damarice Okore. In den kommenden Monaten wird sie das Gespräch zu den Bewohnern suchen, bei Anträgen helfen und die Arbeit mit den Ehrenamtlichen koordinieren. „Ich kann mich sehr gut in die Situation der Flüchtlinge hineinversetzen, da ich selber erst vor einigen Jahren aus Kenia nach Deutschland gekommen bin.“ Erfahrung in der Betreuung von Flüchtlingen hat sie in Berlin gesammelt. „Mir liegt besonders die Arbeit mit Frauen am Herzen.“

Flüchtlinge in Falkensee

In das Übergangswohnheim in der Kremmener Straße sind im Juli die ersten Asylbewerber eingezogen. 67 Flüchtlinge können hier wohnen.

Das ehemalige Agon-Möbelhaus ist eine Notunterkunft in der maximal 300 Flüchtlinge Platz finden – für höchstens drei Jahre.

In der im Bau befindlichen Flüchtlingsunterkunft An der Lake/Panzerstraße sollen nach Fertigstellung maximal 165 Flüchtlinge wohnen.

Eine Traglufthalle in der Leipziger Straße soll voraussichtlich bis zu 300 Flüchtlingen Platz bieten.

Heimleiter Detlev Cleinow wirkte am Montag mit Hinblick auf die kommenden Wochen und seine neuen Aufgaben gelassen. „Wir sind vorbereitet und gut strukturiert. Die Arbeit mit dem Landkreis und der Falkenseer Willkommensinitiative läuft unkompliziert und problemlos.“ Der 53-jährige Sozialarbeiter blickt auf jahrelange Erfahrung beim evangelischen Johannesstift zurück, hat schon in Seemannsmissionen in Afrika sowie in Kanada gearbeitet. „Wenn sich alles eingependelt hat und wir es schaffen uns mit den ehrenamtlichen Helfern gut zu organisieren, sehe ich keine Probleme auf uns zukommen.“

Gestern sind die ersten 20 Flüchtlinge in die Notunterkunft in der Seegefelder Straße eingezogen. Da bereits am Montag die Spendenbereitschaft einiger Anwohner deutlich wurde, erklärte Steffen Kirchner: „Wir haben keine Möglichkeiten Spenden in einem separaten Raum zu lagern und zu sortieren. Sie erreichen uns aber über die Kleiderkammer in Falkensee.“ Außerdem soll ein Schild vor der Notunterkunft angebracht werden, auf dem der tägliche Bedarf der Bewohner notiert wird.

Von Laura Sander

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