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Havelland Beim Kochen finden Syrer und Deutsche zusammen
Lokales Havelland Beim Kochen finden Syrer und Deutsche zusammen
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10:44 22.02.2018
In der WG-Küche: Imad Alfil (l.), Tatjana Bach und Hussin Alfil. Quelle: Hans-Peter Theurich
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Falkensee

Im Küchenschrank der Wohngemeinschaft der drei syrischen Brüder Hussin, Imad und Zainalabdin Alfil sowie der Deutschen Tatjana Bach stehen gefühlt 250 verschiedene Gewürze. „Früher kannte ich nur Salz und Paprika“, gesteht Tatjana Bach lachend.

Seit April wohnt die Frau aus Essen gemeinsam mit den Brüdern aus der westsyrischen Kleinstadt Masyaf in Finkenkrug. Wobei der dritte Bruder, Zainalabdin, erst später hinzu kam. Er zog im Januar in die WG in der Leistikowstraße ein. Als Koch beeindruckte er mit seinen kunstvollen Torten einen deutschen Unternehmer und arbeitet jetzt in dessen Bäckerei am Berliner Mexiko-Platz.

Tatjana Bach ist als Coach in der Frauenarbeit tätig. Die Frauen, die sie betreut, sind oft Opfer von Gewalt. Durch die Ereignisse in der Kölner Silvesternacht 2015 irritiert, entschloss sie sich, Geflüchtete näher kennen zu lernen. So traf sie auf die Brüder Alfil, Imad und Zainalabdin, genannt Zaina, bei einer Flüchtlingsinitiative in Bad Belzig.

Malereistudium in Deutschland abschließen

Imad ist Künstler und will sein Malerei-Studium in Deutschland abschließen. Die dunkelhaarige Deutsche und der Mann mit den freundlichen Augen wurden ein Paar. Als sie zusammenzogen, war klar, dass der Bruder mit einzog – so entstand die deutsch-syrische WG von Finkenkrug.

„Dass junge Deutsche von ihren Familien getrennt leben können, das verstehe ich nicht“, sagt Hussin. Das Quartett genießt den gemeinsamen Alltag in Finkenkrug.

Wenn im Frühling die Narzissen auf dem Balkon blühen, dann wirken sie wie ein Gruß aus Syrien. Imad hatte sie mit anderem Saatgut im Gepäck, als er Syrien verließ. „3000 Kilometer zu Fuß durch Europa“, berichtet Tatjana Bach. Imad will über seine Flucht nicht sprechen. Das Saatgut stammte vom Bauernhof der Eltern. Auf der abenteuerlichen Reise durch Griechenland verlor er fast alles – bis auf die beiden Narzissen-Zwiebeln.

Der jüngste Bruder Hussin war zunächst noch in Syrien und lernte Deutsch als glühender Anhänger des Fußballclubs Bayern München. „Ich erinnere mich genau, am 1. Juli 2014 habe ich meinen Sprachkurs im Internet begonnen“, erzählt er heute.

Im großen Koffer waren vor allem Geschenke

Eine befreundete Familie in Hannover suchte einen jungen Mann, der gegen Taschengeld die Kinder betreuen sollte. Das wurde Hussins Start in Deutschland. Er gehört zu den wenigen Syrern, die mit Flugzeug und Visum nach Europa kamen.

In seinem riesigen Koffer hatte er für sich nur etwas Wäsche – alles andere waren Geschenke von der Familie für die Brüder. Dabei war auch eine Tüte mit syrischer Erde vom Grundstück der Eltern: „Der Geruch ist etwas Besonderes für uns und erinnert an die Heimat“, sagen die jungen Männer.

Ein Jahr hütete Hussin die Kinder in Hannover und lernte weiter Deutsch, inzwischen spricht er im Prinzip akzentfrei. Seinem Traum, Medizin zu studieren, ist er ein ganzes Stück näher gekommen. Derzeit absolviert er ein freiwilliges soziales Jahr im Spandauer Paulinenkrankenhaus.

Schwärmen für die orientalische Küche

In der Küche steht eine Schüssel mit Baba Ganoush, Auberginen-Creme, sehr lecker. Ohne zu kosten, darf kein Gast die Wohnung verlassen. Tatjana Bach schwärmt von der orientalischen Küche.

Einmal pro Woche fahren die Vier nach Neukölln in die Sonnenallee, dort gibt es einen syrischen Supermarkt. Die Syrer mögen auch deutsches Essen: Kürbis-Risotto und Backkartoffeln stehen ganz oben auf der Liste ihrer Leibspeisen.

In der Ausstellung „Chaos oder Linien“ zeigt der Maler Imad Alfil seine Bilder seit dem 10. Februar in der Reithalle des Hans-Otto-Theaters in Potsdam im Rahmen des dortigen Refugees’ Club, Schiffbauergasse 11.

Von Judith Meisner

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