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Havelland Falkensee als Einheitslabor
Lokales Havelland Falkensee als Einheitslabor
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18:16 09.10.2015
Klaus Rost las aus seinen Streifzügen, die er durch Brandenburg unternahm. Quelle: Peter-Paul Weiler
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Falkensee

Mit „Einheitslabor oder kleine DDR?“ hat Klaus Rost sein Buch überschrieben. Daraus las der Journalist, der 17 Jahre als Chefredakteur die Märkische Allgemeine Zeitung leitete, am Donnerstagabend in Falkensee. In den Räumen der Lokalredaktion hatte sich eine Gruppe interessierter MAZ-Leser eingefunden. Henry Lohmar, heute stellvertretender Chefredakteur der Zeitung, führte durch das Gespräch, das Fragen stellte und Antworten suchte.

Klaus Rost hat seinen Buchtitel mit einem Fragezeichen versehen. Der gebürtige Münchner hat sich selbst immer wieder Fragen gestellt und Antworten gesucht. Der Mann aus dem Westen war nicht mit Vorurteilen in den Osten gekommen, er wollte sich selbst Urteile bilden. Und vielleicht liegt darin auch schon der Schlüssel zu der Frage, die ihm am Donnerstag in Falkensee als erstes gestellt wurde: „Wie haben Sie das geschmiedet? Das Aufeinandertreffen von Menschen aus Ost und West?“ Der Falkenseer Fragesteller stammte aus dem Westen und hatte selbst schon in der Sprache damals große Unterschiede ausgemacht.

Ja, Kleinigkeiten machten den Unterschied, erinnerte Klaus Rost an Sprachpaare wie „Plaste“ und „Plastik“, an „Nachholebedarf“ und „Nachholbedarf“, an „an Ostern“ und „zu Ostern“. Aber das war nicht wesentlich. Das Wesentliche zeigte sich in der gemeinsamen Arbeit. „Wir waren in einer Kampfsituation, Zeitungmachen ist bei dem Zeitdruck immer ein bisschen Kampfsituation“, sagte er, da zeigte sich, wer was kann. „Viele konnten richtig loslegen“, beschrieb er den damaligen Aufbruch. Offene Diskussionen waren wichtig, gemeinsame Maßstäbe wurden gefunden. „Und da ging es nicht um Ost - West, sondern um die Qualität der Arbeit.“

„Es war ein Angleichungsprozess auf beiden Seiten“, sagte Klaus Rost. Und dieser Angleichungsprozess erfasste ganz Brandenburg, „Einheitslabor“ nannte der Autor das Umkrempeln des Landes. Und ein besonders markantes Einheitslabor wäre die Stadt Falkensee. Von den heute hier Lebenden sind mehr als drei Viertel nach der Wende hergezogen.

In seinem Buch hat Klaus Rost aus persönlicher Sicht die Ereignisse aufgeschrieben. Erinnert an die großen Umbrüche in der Wirtschaft, fast wie ein Schock wirkte der schonungslose Gerhard-Schürer-Bericht, den das Politbüromitglied im Herbst 1989 über den desolaten Zustand der DDR-Wirtschaft geschrieben hatte. Damals war er geheimgehalten worden, 1995 kam er an die Öffentlichkeit und erschütterte immer noch. Damals war die große De-Industriealisierung in vollem Gange. Den Ereignissen um das Stahlwerk Hennigsdorf widmet Klaus Rost in seinem Buch ein Kapitel, tausende Falkenseer hatten vor der Wende dort gearbeitet, die Arbeitslosigkeit traf auch hier viele. Die Politik wollte damals reagieren, mitunter erfolglos. „Stolpes Idee der dezentralen Konzentration war falsch“, sagte Klaus Rost rückblickend, es hat nicht funktioniert in den ländlichen Gebieten mit Unsummen an Steuergeld großflächig Arbeitsplätze zu schaffen, die Cargolifterhalle steht als Parade-Flop da. Zum ehemaligen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe hat Klaus Rost in seinem Buch viel geschrieben, fast hätte er mal seinen Rücktritt gefordert. Aber bei genauem Hinsehen, fand Rost mehr Argumente für dessen Politik als dagegen. Seine Position zu Stolpe hat sich geändert, vom Skeptiker zum respektvollen Beobachter.

Im Rückblick sind die Brandenburg-Jahre von Klaus Rost nicht nur mit den Themen Treuhand, Stasi und Arbeitsplatzabbau verbunden. Er hält in seinem Rückblick auch manch Episode fest, die unter der Rubrik Räuberpistole laufen kann. Etwa von dem ominösen Herrn Weber, der dem Journalisten für Geld eine tolle Story anbot, in der Wolfgang Joop und Stasileute kostbare Gemälde und Kirchenschätze verhökern. Das Ganze flog als Ente auf, ehe es in die Zeitung kam.

Von Marlies Schnaibel

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