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Falkensee – eine Stadt trauert

Nach Anschlag in Istanbul Falkensee – eine Stadt trauert

Falkensee steht am Tag nach dem Terroranschlag von Istanbul unter Schock. Der IS-Terror hat die Stadt im Berliner Speckgürtel erreicht. Zwei Opfer der Anschläge waren im Sportverein aktiv. Anwohner, Politiker, Kirche – alle äußern sich bestürzt und geschockt. Die Reaktionen aus Falkensee im Überblick.

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Halbmast vor dem Rathaus in Falkensee.

Quelle: dpa

Falkensee. Die Fahnen vor dem Falkenseer Rathaus stehen auf Halbmast. Bürgermeister Heiko Müller, der Mittwochvormittag in der Falkenseer MAZ-Redaktion eine Pressekonferenz gab, zeigt sich erschüttert. „Der Terror hat uns inzwischen auch in Falkensee erreicht. In diesen schweren Stunden der Trauer sind unsere Gedanken bei den Angehörigen der Opfer. Wir trauern mit ihnen und wünschen ihnen viel Kraft.“

Müller: Nicht einschüchtern lassen

Was man jetzt brauche, so der Bürgermeister, sei internationale Geschlossenheit gegen den Terror, denn „nur gemeinsam kann es gelingen, diesem Spuk ein Ende zu bereiten.“ Deutschland und Europa sollten sich nicht einschüchtern lassen, sondern weiter reisen und auf Veranstaltungen gehen.

Pressekonferenz Mittwochvormittag in der Falkenseer MAZ-Redaktion

Pressekonferenz Mittwochvormittag in der Falkenseer MAZ-Redaktion.

Quelle: Sander

Landrat äußert sich

„Mit Bestürzung habe ich über die zuständigen Behörden erfahren, dass ein Falkenseer Ehepaar unter den Opfern des feigen Terroranschlages auf Touristen in Istanbul ist. Ein furchtbares Schicksal unmittelbarer, unschuldiger Mitbürger, das mich und wohl alle Havelländer sehr betroffen macht. Mein tiefes Mitgefühl gilt der Familie und allen Hinterbliebenen“, sagte Havellands Landrat Burkhard Schröder am Mittwochmorgen.

Havellands Landrat Burkhard Schröder

Havellands Landrat Burkhard Schröder.

Quelle: Geske

Falkenseer Reisebüro

„Bei uns werden wenig bis gar keine Reisen direkt nach Istanbul gebucht, allerhöchstens wird die Stadt im Zuge einer Rundreise gestreift. Daher hat sich auch noch keiner unserer Kunden bei uns Informationen geholt, die Touristengebiete an der Küste sind nach wie vor sicher“, sagt Andreas Walde vom Reisebüro Hiller in Falkensee . „Noch liegt keine Reisewarnung vom Auswärtigen Amt vor, sollte das noch kommen, können alle bereits gebuchten Reisen nach Istanbul kostenlos storniert werden.“ Vorerst liegt für deutsche Touristen ausschließlich Reisehinweise vor, in denen dazu geraten wird, Menschenansammlungen und touristische Knotenpunkte in Istanbul zu meiden.

Beileidsbekundungen auf Facebook

In den Falkenseer Facebook-Gruppen zeigen sich viele schockiert und bekunden ihr Beileid. „Wie grausam die Welt geworden ist. Ich wünsche den Angehörigen und Freunden, von denen die aus Falkensee kommen, genau wie von den anderen Opfern mein herzliches Beileid und ganz viel Kraft um das überstehen zu können“, schreibt Sulahe Schneider. „Mein Beileid den Angehörigen. ...es ist grausam und unfassbar“, so Userin Carola Pohl.

Weitere Stimmen aus Falkensee

Torsten Keller ist geschockt, als er vom Tod der Fabers hört. Der 43-Jährige kennt die Familie, seit er auf der Welt ist: „In unserer Straße kennt man sich gut, wir Kinder haben zusammen gespielt. Ich habe im Pool bei Fabers im Garten gebadet.“ Hier herrscht ein guter Zusammenhalt. Nett und freundlich, das sind die Wort, die ihm zuerst einfallen, wenn er an seine Nachbarn denkt. Nett und freundlich, genau das sagt auch Katrin Thiele. Sie wohnt schräg gegenüber. Auch sie hat ihr ganzes Leben in der kleinen Straße am Falkenseer Stadtrand gelebt. „Ich kenne Fabers 31 Jahre“, sagt sie mit leiser Stimme, „ich kann es nicht fassen, dass sie tot sein sollen.“ Die kleinen Kinder und Urenkel spielen miteinander. Der Terroranschlag macht ihr Angst.

Große Betroffenheit – vor allem beim TSV Falkensee

Betroffenheit herrscht auch in der Geschäftsstelle des TSV, des größten Sportvereins im Havelland . 2820 Mitglieder zählt er. „Und Fabers kannten davon ganz viele“, sagt Pia Zirk. Sie leitet die Geschäftsstelle und vertritt Birgit Faber im Vorstand. Am Donnerstagfrüh hatte Birgit Faber sie vom Tod ihrer Schwiegereltern informiert. „Unfassbar“, sagt Pia Zirk. Das Ehepaar Faber hätten im Verein sehr viele Mitglieder gekannt: „Sie haben so viel ehrenamtlich für den Verein geleistet, haben ganz viel geholfen, die Veranstaltungen zu organisieren.“ Ob es eine Trauerfeier gibt, will der Vorstand mit der Familie absprechen. „Wir müssen das erst mal verarbeiten“, sagt Julia Henke, Leiterin der Kinderwelt des TSV. „Wir sind zutiefst erschüttert.“ Auf der Internetseite des Vereins haben sie die traurige Nachricht vom Tod von Marianne und Rüdiger Faber kurz und sachlich verbreitet. „Wir wollen Birgit Faber jetzt den Rücken stärken und ihr die Arbeit im Vorstand abnehmen“, sagt Pia Zirk.

Auch Landtagsabgeordnete Ursula Nonnemacher ist entsetzt: „Dieser Anschlag ist schlimm und jedes Todesopfer furchtbar. Dass es in diesem Fall Falkenseer Bürger betrifft, geht einem besonders nah.“

Kollegin Barbara Richstein ist in Gedanken bei den Angehörigen der Opfer und den verletzten Touristen in Istanbul. „Der Anschlag war ein erneuter Angriff auf unsere Freiheit und Werte. Wichtig ist jetzt, dass niemand pauschal verurteilt. Die Menschen, die zu uns flüchten, fliehen genau vor diesem Terror.“

Der ehemalige Falkenseer Bürgermeister Jürgen Bigalke findet zunächst kaum Worte zum Geschehen. „Es ist so schlimm für die Betroffenen und die Hinterbliebenen. Ich kann nicht verstehen, wie man unschuldige Menschen in eine solche Situation bringen kann, da fehlen einem die Worte.“ Auch ihn hätten gleich morgens schon Freunde angerufen, um sich zu vergewissern, dass es ihm gut ginge, denn Bigalke ist etwa im gleichen Alter, wie die aus dem Leben gerissenen Falkenseer.

Anwohner zeigen sich geschockt

„Wer so etwas tut hat jegliche Menschlichkeit abgelegt. Wir regen uns täglich über Hundehaufen im Vorgarten oder die Mehrwertsteuer auf, aber das sind Probleme, die in solchen Zeiten erschreckend unbedeutend sind. Dabei ist es auch nebensächlich, ob die Opfer aus Falkensee oder dem Rest der Welt sind. Solche Taten sind Angriffe auf unsere Freiheit“, so der 20-jährige Hanns Segelcke aus Falkensee .

Hanns Segelcke aus Falkensee

Hanns Segelcke aus Falkensee

Quelle: Sander

„Ich bin, wie wahrscheinlich alle Deutschen, betroffen besonders davon, das zwei der Opfer aus unserer Region stammen. Es ist schwer zu verarbeiten, da ich selber auch vor einiger Zeit mit einer Reisegruppe in Istanbul gewesen bin. Es hätte jeden treffen können“, sagt auch Bernd Müller (64) aus der Gartenstadt.

„Für die Familie und Angehörige der Opfer sind diese Tage besonders schrecklich.“ Zu den meisten war die schreckliche Neuigkeit am Mittwochmorgen allerdings noch nicht durchgedrungen. „Ich bin schockiert und völlig perplex. Mitbekommen habe ich aber noch nichts“, sagte Margot Kleinert, die Vorsitzende des Seniorenbeirats .

Kirchengemeinde bietet Seelsorge an

„Die Evangelische Kirche in Falkensee hat den Tod des Ehepaars aus Falkensee mit tiefer Betroffenheit zur Kenntnis genommen. Wir verurteilen diesen grausamen Anschlag auf unschuldige Menschen und fühlen mit allen Betroffenen und ganz besonders mit der Familie der Falkenseer Opfer. Wir beten für sie und bieten der Familie seelsorgerlichen Beistand an“, so Pfarrer Bernhard Schmidt .

Von Laura Sander und Marlies Schnaibel

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