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Falkensee Abbé Franz Stock bekommt eine Ausstellung
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11:41 20.07.2018
Die Autobahnkirche Zeestow hat täglich geöffnet. Quelle: Tanja M. Marotzke
Zeestow

Das Leben des Abbés Franz Stock und die Auswirkungen seines Wirkens auf die deutsch-französische Aussöhnung – sie sind das Thema einer Wanderausstellung, die ab 5. August in der Autobahnkirche von Zeestow gezeigt wird. 

„Abbé Franz Stock - das ist kein Name - das ist ein Programm!" So urteilte Nuntius Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII., er sagte dies am 28. Februar 1948 in seiner Ansprache zur Beisetzung Stocks in Paris.

Geprägt durch Kriegserlebnisse

Franz Stock war 1904 in westfälischen Arnsberg geboren. Er wurde sehr durch den Krieg 1914/1918 und durch die Zeit danach mit ihren politischen und ökonomischen Wirren geprägt. Parallel zu seiner religiösen Berufung beschloss er, sich für die Völkerverständigung einzusetzen, insbesondere zwischen der deutschen und französischen Jugend. Nach Studienaufenthalten in Frankreich und Reisen in frankophone Gebiete wurde er 1934 zum Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde Paris bestellt, eine Tätigkeit, die er 1940 nach kurzer Unterbrechung wegen des Kriegsausbruches fortsetzte.  

Seelsorger für Todgeweihte

Als der Seelsorger der Gefängnisse von Paris und der Hinrichtungsstätte auf dem Mont Valérien westlich von Paris während der nationalsozialistischen Besatzungszeit ist er in die Geschichte eingegangen. Franzosen gaben ihm die Bezeichnung "L'Aumônier de l'enfer - Der Seelsorger der Hölle" und "L'Archange en enfer - Der Erzengel in der Hölle". Er hat unsägliches Elend gelindert, über tausend von der Besatzungsmacht Verurteilte auf den Tod vorbereitet und sie bis zum Ende - bis zur Richtstätte begleitet. Neben dieser an sich schon harten und leidvollen Tätigkeit benachrichtigte er insgeheim die Familien der Gefangenen und, wo es möglich war, warnte er die Widerstandskämpfer vor den ihnen drohenden Gefahren. Viele Widerstandskämpfer, wie Edmond Michelet, Jean de Pange, Robert d´Harcourt, Gabriel Péri und Honoré d'Estiennes d'Orves haben ihm die Ehre erwiesen. Heute ist der Platz vor dem „Mémorial de la France Combattante“, das an den Widerstand der Franzosen gegen die deutsche Besatzungsmacht erinnert, nach Abbé Franz Stock benannt.  

Seminar im Kriegsgefangenenlager

Als 1945 seine Gesundheit nach den Kriegsjahren schwer angegriffen war und er in die Heimat hätte zurückkehren können, nahm er eine neue Aufgabe an: die Gründung und Leitung eines Seminars besonderer Art im Kriegsgefangenenlager in Le Coudray bei Chartres, in dem in Gefangenschaft geratene deutschsprachige Priester und Seminaristen zusammengeführt wurden. So ist das „Stacheldrahtseminar“ entstanden, wo von 1945 bis 1947 etwa 1000 junge Menschen auf ihre zukünftigen Aufgaben in einem neuen Europa vorbereitet wurden. Zur Zeit entsteht in dem historischen Gebäude die „Europäische Begegnungsstätte Franz Stock“.

Sein Wirken für Frieden und Völkerverständigung wird in einem Jahr geehrt, das auch seine kriegerischen Jubiläen aufzuweisen hat. Vor 300 Jahren begann der 30-jährige Krieg, vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg.

Die Ausstellung in der Autobahnkirche Zeestow wird vom 5. August bis 30. September gezeigt, sie ist täglich von 8 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Apostelandacht und Vortrag

Die Ausstellung wird am 5. August nach der Apostelandacht mit Pfarrer Bernhard Schmidt (14 Uhr) eröffnet. Pfarrer Erich Busse aus Dresden hält einen Vortrag über Franz Stock und andere Helden mit dem Titel „Mutige Feiglinge, anständige Verräter und andere stille Helden in Deutschlands dunklen Zeiten“. Die Veranstaltung wird von dem Pianisten Eckhard Römer aus Falkensee musikalisch begleitet.

 

Weitere Informationen im Internet unter www.franz-stock.de

Von MAZonline

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