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Falkensee „Man braucht Empathie“
Lokales Havelland Falkensee „Man braucht Empathie“
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11:50 16.04.2019
Die Falkenseerin Barbara Richstein engagiert sich im Verein Weißer Ring. Quelle: Tanja M. Marotzke
Falkensee

Der Weiße Ring arbeitet meist eher im Stillen. Der Verein hilft Menschen, die Opfer von Kriminalität und Gewalt geworden sind. Die Falkenseer CDU-Landtagsabgeordnete Barbara Richstein ist ehrenamtlich für den Verein tätig. Sie ist stellvertretende Landesvorsitzende des Weißen Rings in Brandenburg.

Die Gesellschaft kümmert sich mehr um die Täter als um die Opfer. Dieser Vorwurf wird oft erhoben. Teilen Sie die Meinung?

In den Medien wird deutlich mehr über Täter als über Opfer berichtet. Das ist gewissermaßen einfacher. Aber viele Opfer wollen auch nicht in die Öffentlichkeit. Für den ersten Moment mag es sich komisch anhören: Arbeit mit dem Täter ist auch Opferschutz, weil sie Straftaten verhindern will. Aber das sage ich auch: Die Hilfe für Opfer kann und muss verbessert werden.

Welche Rolle nimmt dabei der Weiße Ring ein?

Wir sind eine ehrenamtliche Organisation. Der offizielle Name lautet: Weißer Ring Gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten. Wir wollen Betroffenen helfen und wir wollen präventiv tätig sein.

Wie kann das gelingen?

Der Weiße Ring wurde 1976 gegründet. Seit 1990 gibt es einen europäischen Dachverband. In Brandenburg haben wir etwa 160 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 18 Außenstellen. Eine davon befindet sich im Havelland, sie wird von Renate Wegener geleitet. Den Betroffenen bieten wir finanzielle Hilfe, Beratung über ihre Rechte als Opfer, aber vor allem seelischen Beistand.

Wie sieht das aus?

Wir helfen bei wirtschaftlichen Notlagen, die aus einer Straftat entstanden sind. Das kann zum Beispiel ein Beratungsscheck für einen Anwalt oder einen Therapeuten sein. Oder um einen durch die Tat bedingten, notwendigen Umzug zu fördern. Oder eine Hilfe, um einen Schlüsseldienst nach einem Einbruch zu bezahlen. Mitunter kommen die Opfer durch die Tat in einen finanziellen Engpass, da können so scheinbar kleine Dinge ein großes Problem sein. Natürlich gibt es in jedem Fall eine Bedürftigkeitsprüfung.

Wo kommt das Geld für diese Arbeit her?

Wir finanzieren uns ausschließlich aus Spenden, Nachlässen und Zuweisungen von Bußgeldern. Es steht Richtern und Staatsanwälten frei zu entscheiden, wem sie die Bußgelder zukommen lassen. Wir werben dafür, dass da der Weiße Ring nicht vergessen wird.

Und der seelische Beistand?

Der ist nicht mit Geld zu bezahlen. Da hören unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu, da geben sie Ratschläge, bereiten Betroffene etwa auf den Prozess vor. Oder klären sie über ihre Rechte auf und helfen, diese durchzusetzen. Und das oft in emotional angespannten Situationen.

Was muss ein Mensch mitbringen, um diese Arbeit leisten zu können? Gibt es eine Qualifikation für den Weißen Ring?

Man braucht Empathie. Viele unserer Mitglieder kommen aus Berufen, in denen sie mit Opfern zu tun haben: Polizisten und Krankenschwestern. Sie haben die Opfer nach der Tat meist als erste gesehen und gemerkt: Diese Menschen brauchen Hilfe. Eine Fachqualifikation für die Opferarbeit in dem Sinne gibt es nicht, aber unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden durch den Weißen Ring professionell ausgebildet, regelmäßig geschult und weitergebildet. Auch, weil sich die Gesellschaft und auch die Kriminalität ändern.

Wie ändert sich die Kriminalität?

Besonders die ältere Generation wird immer wieder ins Visier von Täuschern und Betrügern genommen. Auf den so genannten Enkeltrick fallen immer wieder ältere Menschen herein. Hier ergaunern die Betrüger jährlich mehrere Millionen Euro, weist die Statistik aus. Kriminelle Energie und verblüffender Ideenreichtum treffen da aufeinander. Auch die Internetkriminalität nimmt zu. Beide Bereiche sind Beispiele für die Wichtigkeit von Prävention. Egal, ob es der Vortrag vor Senioren ist oder das aufklärende Gespräch mit Schülern und Jugendlichen. Die Prävention kann nicht allein Sache des Weißen Rings sein. So war ich zum Beispiel mit unserem Landesvorsitzenden Jürgen Lüth bei Brandenburgs Bildungsministerin. Wir denken, hier müssen und können an den Schulen flächendeckend Medienkompetenzen in dem Bereich vermittelt werden.

Das ist nicht direkte Opferarbeit, das ist Lobbyarbeit. Wie wichtig ist die?

Für manche ist der Begriff ,Lobbyarbeit’ vielleicht negativ besetzt. Aber er steht für die menschliche und politische Netzwerkarbeit, die wir leisten. Viele heute bestehende Opferrechte würde es ohne das beharrliche Wirken des Weißen Rings nicht geben. Als Stellvertreterin des Landesvorsitzenden bin ich unter anderem konkret für den Kontakt zur Politik zuständig. Darüber hinaus bin ich auch Mitglied des Fachbeirates „Europa und Internationales“ des Weißen Rings.

Sind Sie durch Ihre Arbeit als Justizministerin Brandenburgs Mitglied des Weißen Rings geworden?

Mitglied war ich bereits bevor ich Ministerin wurde. Ganz bewusst hatte ich mit dem Weißen Ring in meiner Tätigkeit als Ministerin gleich am ersten Tag zu tun, da habe ich das fachliche Gespräch zu der Vereinigung gesucht.

Was kann die Politik in der Sache leisten?

Viel. Gegenwärtig wird im Bund das Opferentschädigungsrecht, das neue Sozialgesetzbuch XIV, erarbeitet. Der Weiße Ring lehnt den Entwurf ab und hat einen eigenen Gesetzentwurf vorgelegt, der großen Anklang gefunden hat. In Brandenburg fordern wir schon lange, dass Trauma-Ambulanzen eingerichtet werden. In anderen Bundesländern gibt es das. In Brandenburg sind wir über ein Pilotprojekt noch nicht hinausgekommen. Weiterhin wollen wir, dass die Landesregierung einen jährlichen Opferschutzbericht vorlegt.

Von Marlies Schnaibel

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