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Falkensee Debatte über Flüchtlingspolitik
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17:58 30.08.2018
Neugierig aufeinander sein: Die Willkommensinitiative Falkensee lud zum Feuerfest. Quelle: Tanja M. Marotzke
Falkensee

Christian Moos hält nichts von EU-Bashing, und trotzdem findet der Dallgower sehr kritische Worte, wenn es um die Europäische Union geht. Nicht um aufgeregtes Beschimpfen, sondern um eine konstruktive Debatte geht es ihm. Das war auch der Grundton einer Veranstaltung, zu der der Kreisverband Havelland der Europa-Union für Mittwoch eingeladen hatte.

Schwieriges Thema

Die Europafreunde hatten sich dabei ein schwieriges Thema ausgesucht: die Flüchtlingspolitik. Und sie hatten sich für dieses Thema einen passenden Ort ausgesucht: das B 80, das Begegnungszentrum in der Falkenseer Bahnhofstraße 80. Genau das, in dem sich die Willkommensinitiative „Wir in Falkensee“ für die Integration von Flüchtlingen einsetzt.

Bunt gemischt

Etwa 30 Frauen und Männer erlebten eine tiefgründige, bewegte und sachliche Reaktion. Christian Moos ist Generalsekretär der Europäischen Union Deutschland, einer Bürgervereinigung, die im Havelland einen besonders aktiven und politisch bunt gemischten Kreisverband hat. Die europäische Asyl- und Migrationspolitik ist bis heute unvollendet, meinte Moos, blieb Stückwerk und funktioniert nicht.

Debatte der Europa Union im Falkenseer Treff B 80. Quelle: Marlies Schnaibel

Der „kurzsichtige Egoismus von EU-Mitgliedsstaaten“ sei ein wesentlicher Grund. „Wir brauchen mehr und effektive europäische Zusammenarbeit“, sagte Moos und trat für ein europäische Regelungen zur „legalen Arbeitsmigration“ ein.

Am Anfang überfordert

Wie das mit den Flüchtlingen und der Integration vor Ort aussah, davon berichtete Kathleen Kunath von der Willkommensinitiative. Diese hatte sich Anfang 2014 in Falkensee zusammengefunden, bevor überhaupt ein Flüchtling da war. Als die Flüchtlinge dann aber in unerwarteten Dimensionen kamen, waren die Helfer überfordert, blickte Kathleen Kunath zurück. Inzwischen arbeitet die Willkommensinitiative mit 200 aktiven Leuten. Umfang und Qualität der Arbeit sind beachtenswert. Das Wissen um das Thema hat zugenommen, die Liste der Probleme blieb trotzdem lang. „Integration ist mit einem Sprachkurs nicht abgeschlossen“, sagte die Falkenseerin. Das wäre erst der Anfang. Es bedarf der Möglichkeiten der Begegnung. Etwa 25 Prozent der Geflüchteten hätten inzwischen eine Arbeit. Wie wichtig dabei Sprache ist, machten als Gäste des Abends eine afrikanische Krankenschwester und ein syrischer Physiker deutlich.

Gegen Ankerzentren

Als „des-integrierend“ bezeichnete Kathleen Kunath die großen Gemeinschaftsunterkünfte und auch geplante Ankerzentren. „Die schaffen uns Probleme“, kritisierte sie den Kurs einiger Bundespolitiker. Integration braucht Möglichkeiten zur konkreten Begegnung, wie in Falkensee oft, vielfältig und bunt praktiziert. Allerdings wird dem Ehrenamt dort viel aufgebürdet, so hat die Willkommensinitiative aus Spendenmittel eine halbe Stelle geschaffen, um in der B80 das Organisatorische und Bürokratische bewältigen zu können.

Kritischer Blick auf Dublin-Abkommen

Auf die Aussage zu den Ankerzenten ging auf dem Falkenseer Diskussionsabend keiner ein. Allerdings war das Thema des Abends so komplex, dass sich sehr viele Probleme zum Debattieren anboten. Christian Moos hatte darauf verweisen, dass das Dublin-Abkommen vor allem für Deutschland sehr bequem war – danach soll in dem Land das Asylverfahren geführt werden, wo der Schutzsuchende als erstes Europa betritt. Deutschlands Außengrenzen sind aber im Prinzip nur Flughäfen. „Dublin passt nicht zur Realität“, sagte Mechthild Baumann „es braucht echte solidarische Lösungen für Europa.“

Eine Menge unbequeme Fragen kamen zur Sprache: Wolfgang Balint sprach die Auswirkungen europäischer Wirtschafts- und Agrarpolitik auf afrikanische Bauern und Fischer an. „Da geht es ans Eingemachte“, sagte er mit Blick auf die Debatte über das Bekämpfen von Fluchtursachen. Harald Petzold sah auch die Rüstungsindustrie Deutschlands und anderer europäischer Länder kritisch.

Bürgerdialog zu Europa

Die Europa-Union Deutschland (EUD) ist die größte Bürgerinitiative für Europa in Deutschland. Rund 17.000 Mitglieder sind in 15 Landesverbänden mit rund 350 Kreis-, Orts- und Stadtverbänden vernetzt und haben Partnerorganisationen in über 30 Ländern Europas.

Die Europa-Union Havelland ist mit 43 Mitgliedern der größte Kreisverband in Brandenburg.

Nächste Veranstaltung: 11. Oktober Stadthalle Falkensee, Bürgerdialog „Und jetzt, Europa? Wir müssen reden!"

Bei allen Debatten –die Teilnehmer der Falkenseer Gesprächsrunde wollen die EU nicht auf das Flüchtlingsproblem reduzieren. Auch nicht mit Blick auf den Wahlkampf für eine neues Europaparlament, das im Mai des nächsten Jahr gewählt wird.

Von Marlies Schnaibel

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