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Falkensee Jung, laut, innovativ: Neue Wählergruppe will in Stadtpolitik mitmischen
Lokales Havelland Falkensee Jung, laut, innovativ: Neue Wählergruppe will in Stadtpolitik mitmischen
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16:53 17.04.2019
Sie wollen Falkensee „bleibenswert“ machen. Quelle: Laura Sander
Falkensee

Sie sind jung, sie sind laut und haben viel vor in ihrer Stadt. Zehn Kandidaten zwischen 18 und 20 Jahren wollen mit der Wählergruppe Jugend für I.R.G.E.N.D.W.A.S. künftig die Falkenseer Stadtverordnetenversammlung aufmischen und treten zur bevorstehenden Kommunalwahl an.

Sie setzen sich unter anderem für bezahlbaren Wohnraum, mehr Freizeitmöglichkeiten und eine funktionierende Radinfrastruktur ein.

„Wir leben hier gerne“

„Wir sind in Falkensee aufgewachsen und leben gerne hier. Spätestens mit dem Schulabschluss ist es damit für viele vorbei“, so Jonathan Manti. „Wer nach der Schule ausziehen und auf eigenen Beinen stehen will, hat in Falkensee keine Chance. Ich gucke immer mal wieder, was der städtische Wohnungsmarkt so bietet, aber es scheint aussichtslos“, sagt Lennart Meyer, der wie seine Mitstreiter noch bei seinen Eltern lebt.

Viele junge Falkenseer sehen in der Gartenstadt keine Perspektive, verlassen Familie und Freunde und bauen sich in Berlin ein neues Leben auf. Falkensee müsse „bleibenswerter“ werden, fordert die Gruppe.

„Die Jugend wird von keiner Partei ganz abgedeckt“

„Wir fühlen uns nicht repräsentiert und starten diesen Testlauf. Wir hoffen, dass das Bewusstsein dadurch steigt, selbst wenn wir nicht gewählt werden“, so Jonathan Manti. „Der Altersdurchschnitt in der Stadtverordnetenversammlung ist hoch und die Jugend wird von keiner Partei ganz abgedeckt“, sagt Manti weiter.

Dass sie nicht nur fordern, sondern auch an Lösungen mitarbeiten wollen, beweisen die Jugendlichen bereits seit einigen Monaten. Zuerst gründeten sie das Jugendforum, das sein Hauptquartier bis Anfang dieses Jahres im „Egal“ in der Bahnhofstraße hatte und sich jetzt regelmäßig im Jugendklub „Alte Post“ in Finkenkrug trifft. Seit kurzem verfolgen sie als Jugendbeirat das Stadtgeschehen und sind regelmäßig in Sitzungen und Ausschüssen zu Gast.

Hallenbad ja, aber später

„Es macht nicht immer Spaß, aber das ist das Leid der Bürokratie. Wir müssen dranbleiben, sonst wird nichts passieren“, so Manti, der auch zur Hallenbad-Diskussion eine klare Meinung vertritt. „An sich ist die Idee gut, aber es gibt so viele Dinge, die noch vor dem Bau eines Hallenbades angegangen werden müssten. Die Ausstattung der Schulen oder eine funktionierende Radinfrastruktur etwa“, so Manti. Auch die fehlenden Möglichkeiten sich abends mit Freunden zu treffen bemängelt der 20-Jährige.

Jugendliche, die sich auf der Straße treffen und den Gutspark in den späten Abendstunden besiedeln: Längst Alltag in der Stadt vor den Toren Berlins. Viele Jugendklubs bleiben hingegen leer. „Ein betreutes Angebot funktioniert in den meisten Falkenseer Stadtteilen nicht, es wird nicht gewünscht. Vielmehr brauchen junge Leute Räumlichkeiten, in denen sie sich selbstverwaltet aufhalten können“, weiß Jonathan Manti. Cafés, Bars oder freie Kultureinrichtungen, die die Stadt beleben, würden fehlen.

Zentrales Kulturforum

„Das ,Schrääg’ war noch der letzte Treffpunkt, jetzt ist auch der weg. Junge Leute wollen nicht bleiben, Falkensee ist total unattraktiv. Es gibt viele Menschen, die sich engagieren, aber zu wenig gefördert werden und immer in Konkurrenz zu Berlin stehen“, so Toni Kissing.

Ein zentrales Kulturforum auf der Freifläche zwischen Kreisel und Tankstelle an der Spandauer Straße mit Freizeiträumen, Werkstätten, Theater und weiteren kulturellen Angeboten soll Abhilfe schaffen. „Der Campusplatz funktioniert nicht. Wir müssen die Teilbereiche an einer Stelle bündeln, damit am Wochenende eben nicht alle nach Berlin fahren müssen“, so Lennart Meyer. Ein Verein könnte das große Areal betreiben.

„Außerdem müssen wir das Thema Verkehr angehen. Der private Autoverkehr muss aus dem Zentrum ausgeschlossen werden, um dort Platz zu schaffen“, so Manti. Platz für Aufenthaltsqualität in Form von Cafés, Restaurants, Bars und kleinen Geschäften.

„Es gibt so viele innovative Sachen. Start-Ups, Streetfood und Fachgeschäfte gehören nach Falkensee“, sagt auch Toni Kissing. Und mit einer Fußgängerzone würde auch der geplante Kreisel an der Post-/Ecke Bahnhofstraße hinfällig werden, dessen Bau die Gruppe entschieden kritisiert.

Kein Kreisel an der Stelle

„Er wird an dieser Stelle nicht funktionieren“, so Meyer. Es gebe zu viele Fußgänger und Radfahrer, die im Kreisel unmittelbar auf den Autoverkehr treffen würden. Staus und Unfälle seien da vorprogrammiert.

Innovation wünschen sich die Jugendlichen, die den weltweiten Aktionstag „Friday for Future“ bereits zum zweiten Mal mit einer Demonstration durch Falkensee begangen haben, auch in Sachen Umweltschutz. „Die Gartenstadt muss wieder grüner werden. Weniger Abholzungen sollen vorgenommen werden und eine Lösung für den zubetonierten Campusplatz muss her“, so Manti. Öffentliche Streuobstwiesen, begrünte Häuserwände oder Dachgärten könnten auch in Falkensee funktionieren.

Das gesamte Programm der Jugend für I.R.G.E.N.D.W.A.S., das in diesem Fall für Inklusion, Radverkehr, Geschlechtergerechtigkeit, Europa, Naturschutz, Demokratie, Wohnungsbau, Aufenthaltsqualität und soziale Gerechtigkeit steht, gibt es unter www.jugendfuerirgendwas.wordpress.com.

Von Laura Sander

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