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Falkensee Bilder von Revolution und Tingeltangel
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16:19 27.11.2018
Das Berliner Museum für Fotografie erinnert an Erna Offeney (1894 bis 1977). Quelle: Marlies Schnaibel
Falkensee/Berlin

Revolution und Tingeltangel – wie geht das zusammen? Im Berliner Museum für Fotografie wird darauf eine Antwort gegeben. Auf der Suche nach Antworten waren die Ausstellungsmacher auch in Falkensee fündig geworden.

Tänzerische Posen

Die aktuelle Ausstellung zeigt „Berlin in der Revolution“ in „Fotografie, Film und Unterhaltungskultur“. Und für die dritte Säule dieser Schau war Evelin Förster zuständig. Die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts sind das Spezialgebiet der Autorin, Chansonsängerin und Schauspielerin: Kabarett, Unterhaltung, Tingeltangel – da geht sie selbst lange auf Spurensuche. Dabei fiel ihr ein Plakat in die Hände: Im Palais der Friedrichstadt wurde dort täglich zum eleganten Ball eingeladen – von „Erna Offeney und ihrem Schönheitsballett“. Auf dem Plakat sind nackte Frauen in tänzerischen Posen zu sehen.

Die Ausstellung „Berlin in der Revolution 1918/1919“ im Berliner Museum für Fotografie widmet der Schönheitstänzerin und Unterhaltungskünstlerin Erna Offeney ein besonderes Kapitel. In Falkensee hatte sie über Jahrzehnte die Kulturpolitik gestaltet, vor 100 Jahren stand sie auf den Berliner Bühnen.

Evelin Förster war neugierig. Der Name Erna Offeney sagte ihr nichts, die Suche im Internet führte auf einen MAZ-Artikel. Darin war über den Nachlass der Künstlerin berichtet worden, gelagert im Falkenseer Museum. „Das war eine Entdeckung“, schwärmt Evelin Förster. Nicht nur wegen der Fotografien, sondern vor allem wegen der Tagebuchaufzeichnungen, die Erna Offeney auch in Kriegs- und Nachkriegstagen 1918 und 1919 geführt hatte. Erna Offeney leitete damals ein Revuetheater, mit zeitweise bis zu 150 Mitgliedern.

Berührende Tagebuchnotizen

Über das Kriegsjahr 1918 schreibt sie: „Die Theater waren voll mit Soldaten, Urlaubern, die die Misere des Krieges in diesem kurzen Intermezzo vergessen wollten und jede Abwechslung und Freue begrüßten. Aber überwiegend waren die Invaliden, Krüppel, die für König und Vaterland Arme und Beine hergeben mussten… Ich habe im Parkett Soldaten gesehen, beide einarmig, die jeder mit einer Hand in die Hand des anderen schlugen, um ihren Beifall zu zeigen. Da wäre ich es fast gewesen, die geweint hatte.“

Revue in schwerer Zeit

Mit Selbstbewusstsein und Können hat sich Erna Offeney durch ihr Leben manövriert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie als Mitbegründerin des Kulturbundes in Falkensee bekannt. Sie bot in ihrem Haus vielen Künstlern eine Bühne, auf der sie als junge Frau selbst oft gestanden hatte: als Tänzerin, als Kunstschützin, als Schauspielerin. Als geschäftstüchtige Königin des Tingeltangels.

Bild der Revolution

Wie eng das Revuetheater mit dem Kriegsalltag verbunden war, lässt die Ausstellung im Berliner Fotomuseum erahnen. „Die Ausstellung hat das Potenzial, unser Bild von der Revolution zu verändern“, sagte Joachim Brand, kommissarischer Direktor der Kunstbibliothek Berlin, zur Eröffnung.

Leihgaben aus Falkensee

Fotobestände aus dem Archiv, aber auch aus dem Nachlass des Fotografen Willy Römer geben ein packendes Bild. Leihgaben aus Privathaushalten und Museen runden dieses Bild ab.

Man tanzt Foxtrott

Die Ausstellung „Berlin in der Revolution 1918/19“ läuft bis zum 3.März 2019. Sie ist Teil einer berlinweiten Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe zum Revolutionsthema.

Zu sehen ist die Fotoausstellung im Museum für Fotografie, Jebenstraße 2 (direkt am Bahnhof Zoo).

Evelin Förster und Band sind am 10. Januar 2019 ab 19 Uhr zu erleben mit dem Programm „Straße frei – Fenster zu – hier wird scharf geschossen! Oder: Man tanzt Foxtrott“. So der Titel der Musik-Text-Bild Collage aus dem Berlin 1918/19.

Die Falkenseer sind diesmal mit einer besonders umfangreichen Gabe dabei. „Wir freuen uns, dass man Erna Offeney auch mal außerhalb von Falkensee wahrnimmt“, sagte Museumsleiterin Gabriele Helbig. Und natürlich freue man sich auch, so eine große Ausstellung mit Leihgaben ergänzen zu können.

Von Marlies Schnaibel

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