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Falkensee Kunstvoll verpackte Bücher in der Bibliothek
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17:17 07.10.2018
Der Westmann und die Ostkunst: Achim von Boxberg sammelt Bücher mit gestalteten Leineneinbänden. Quelle: Vivian Tharun
Falkensee

Das Sammeln liege ihm einfach in den Genen, sagt Achim von Boxberg lachend. Schon als Kind habe er damit begonnen und schon damals waren es hauptsächlich Bücher. Irgendwann machte er dann eine besondere Entdeckung: „Ich habe alte Bücher auf dem Flohmarkt gekauft. Dann stellte ich fest, dass der Leineneinband besonders künstlerisch gestaltet war.“

Staunen mit Alice in Wunderland

Eines dieser Flohmarktbücher war eine Ausgabe von Lewis CarollsAlice im Wunderland“. Zurzeit hängt es in einem Bilderrahmen in der Stadtbibliothek Falkensee, denn es ist Teil der Ausstellung „Verborgene Schätze - Bucheinbandgestaltung in der DDR“. Die Vernissage war am Freitagabend.

„Als meine Sammlung wuchs, zeigte sich, dass vor allem Bücher aus der DDR besonders kunstvolle Leinendrucke haben, während im selben Zeitraum in Westdeutschland immer weniger Einbände gestaltet wurden“, sagt von Boxberg. Die Gestaltung sei dort auf den Schutzumschlag verlegt worden.

Tradition der Buchgestaltung

Warum das so war, ist bis jetzt nicht klar. Von Boxberg vermutet, dass die Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg weiter im „Sparmodus“ produzierte, während man sich in der DDR darum bemühte, alte Traditionen wie Buchgestaltung wieder zu beleben.

Das nimmt auch Hartmut Skerka an, der vor 53 Jahren Buchbinder wurde und sich darum in der Materie auskennt. Zur Vernissage in der Bibliothek hat er einige seiner Stücke aus Lehr- und Meisterzeit zur Ansicht mitgebracht: „Heute kann solche Arbeit keiner mehr bezahlen“, sagt Skerka. Um ein dickes Buch hochwertig zu binden, war damals eine Woche Arbeit nötig. Leinendruckgestaltung durch Künstler nicht mitgerechnet.

Erinnerung an die schönsten Bücher

Bibliotheksleiterin Christiane Radon freut sich über die schönen Ausstellungsstücke: „Während meines Studiums gab es in Leipzig immer die Ausstellung ,Die schönsten Bücher’. In der heutigen Zeit von E-Book und Tablet-PC fallen solche Gestaltungen leider weg.“ Da könne nicht einmal mehr richtig zum Umblättern angefasst werden.

Der gebürtige Rheinländer von Boxberg mag an seiner Sammlung besonders die humoristisch gestalteten Einbände: „Unter den Schutzumschlägen hatten die Einbandgestalter eine künstlerische Freiheit, die es sonst nur selten in der gab.“ Darunter futuristisch anmutende Zeichnungen von Flohbeinen, die zu einer Art Blume angeordnet sind und ein pickeliger Jugendlicher in Jeans-Hosen.

Schätze in der Bibliothek

Die Ausstellung „Verborgene Schätze — Bucheinbandgestaltung in der DDR“ kann zu den Öffnungszeiten der Bibliothek besucht werden. Der Eintritt ist frei.

Die Bücherei hat wie folgt geöffnet: montags, dienstags, donnerstags und freitags jeweils von 11 bis 18 Uhr. Samstags ist von 9 bis 12 Uhr der Besuch möglich. Mittwochs und Sonntags geschlossen.

Die Falkenseer Stadtbibliothek liegt Am Gutspark 6 zwischen Europaschule und Stadthalle.

Den Begleittext zur Ausstellung hat Heike Lengsfeld verfasst. Sie ist studierte Kunsthistorikerin und arbeitet als Lehrerin. „Achim und ich haben uns gut ergänzt: Er guckt sich die Bücher an, ich lese sie“, witzelt Lengsfeld. Die beiden kennen sich schon fast seit 20 Jahren und so ergab sich die Zusammenarbeit wie von selbst.

Abriss des Bucheinbandes

In ihrem kleinen Abriss der Geschichte des Bucheinbands schreibt Lengsfeld, wie aus zwei schlichten dünnen Holzplatten der Buchrücken wurde und wie im 17. Jahrhundert das Holz der Pappe wich. Im 19. Jahrhundert begann die industrielle Serienfertigung, doch der Einband blieb verziert. Der Schutzumschlag war schmucklos schlicht.

„Er sollte nur vor Schmutz schützen. Sonst nichts“, sagt Lengsfeld. Heute sind darauf neben dem Buchtitel und dem Autorennamen auch jede Menge Werbung und Kurzbeschreibungen. „Und unter den Umschlag guckt kaum noch jemand.“ Aber wer das tut, kann vielleicht noch einen kleinen Kunstschatz darunter finden.

Von Vivian Tharun

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